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Rückblick 2007

Was wir gemeinsam schaffen konnten und 2008 fortsetzen werden!

Sonntag, 16.12.2007

Liebe Spenderinnen und Spender,

wir möchten Ihnen für Ihre bisherige finanzielle Unterstützung sehr herzlich danken und Ihnen einmal jährlich einen Rechenschaftsbericht über unsere Arbeit zusenden. SIE ermöglichen uns diese Arbeit. Wir versuchen weiterhin bei 1 % Verwaltungskosten zu bleiben, z.B. kein Geld für Mieten oder Gehälter in Deutschland auszugeben. Wir setzen auf fachkundige ehrenamtliche Mitarbeiter.

Ruanda
Wir waren nicht sicher, ob wir es schaffen würden: ein Modell-Berufsschulzentrum in dem afrikanischen Land Ruanda aufzubauen, das so schwer unter dem Völkermord gelitten hat. Wenn wir von unserer Baustelle in dem Distrikt Bugesera nur zwei Kilometer auf dem Landpfad weitergehen nach Osten, dann kommen wir in den Ort Ntarama und dort steht eine Kirche, die jetzt nur noch eine Gedenkstätte ist, in der die Schädelknochen und Gebeine von fast 1500 Ermordeten zur Erinnerung an den Völkermord aufgereiht sind. In den Gedenkstein wurden die Namen der Ermordeten eingraviert. Wenn man erlebt, wie diese neue Gesellschaft und auch Ihre Regierung, die Bürgermeister der Region und die eigenen Bauarbeiter so sehr auf das neue Berufsschulzentrum setzen, das die deutschen GRÜNHELME dort aufbauen, bekommen wir Mut für diese ehrgeizige Aufgabe.

Ruanda ist nicht so günstig in den Preisen für Baumaterialien wie z.B. Afghanistan, wo wir alles bekommen können zu ausgewiesen sehr günstigen Preisen. Beim Bau der zwei großen Lehr-Hallen und des Lehrerwohnheims kam es schon mal zu Situationen, in denen wir als Mitteleuropäer gar nicht geübt sind. In ganz Ruanda gab es im Juli plötzlich keinen Zement mehr. Der Importzement aus Uganda kam nicht mehr über die Grenze. Die Gerüchteküche boomt, der Fall soll politisch sein, der Haussegen der alten guten Freundschaft zwischen den beiden Präsidenten von Ruanda (Paul Kagame) und Uganda (Yoweri Museveni) hänge schief. Die einzige Zementfabrik kann nicht arbeiten, weil das Land nicht genügend Energie hat.
Deshalb wollen wir auch unsere Berufsschule mit einer 30kw SOLAR-Anlage bestücken, die wir selbst aufbauen werden. Wir hoffen auf einen günstigen Gönner und Sponsor, der uns die Anlage entweder schenkt oder zu einem Preis überlässt, der für uns zahlbar ist, die wir nur von Ihren Spenden und nicht von den großen Weltbank- und Regierungsgeldern abhängen.

Die drei großen Gebäude sollen jetzt gegen Ende 2007 fertig werden. Zum Januar 2008 werden wird dann den großen Container hoffentlich vor Ort haben, in dem die Lehrmaschinen für den Unterricht in den drei Fächern sind: 1. Bautechnik – es fehlt in dem ganzen Land an Bautechnikern, die wirklich eine Baustelle leiten können, 2. Elektrotechnik, daran fehlt es gleichermaßen und 3. Solar-Technik. Wir wollen die Ausbildung von vornherein so gestalten, dass die Studenten nicht arrogant und übermütig werden und theoriegestählt nach dem Studium meinen, sie dürften sich bei praktischer Arbeit nicht mehr die Hände schmutzig machen. Wir werden also das Internat und eine dritte Halle als Teil der Ausbildung mit den Studentinnen und Studenten bauen, die dort in die Schule aufgenommen werden. Ein Internatsbau wird dazu dienen, dass diese Modellschule Studenten aus ganz Ruanda aufnimmt, nicht nur solche aus der unmittelbaren Gegend von Bugesera.
Wir hoffen, eine große Berufsschule in Deutschland als Partnerschule zu gewinnen, denn die GRÜNHELME können sich als Organisation nur für fünf Jahre dort voll verpflichten.


Mauretanien
In diesem Land Afrikas sind wir dabei eine ähnlich große Mehrzweckhalle als Sozialstation, Schule und Ambulanz auszubauen: In dem in Deutschland unbekannten Land Mauretanien an der Nord-Westküste Afrikas. Diesen Staat und den Namen seiner größten Hafenstadt Nouadhibou werden unsere deutschen Mitbürgerinnen und Mitbürger in naher Zukunft kennen lernen. Denn die Zahl der jungen Afrikaner aus den vielen Ländern mit total korrupten Regierungen, die sich mit geballten Fäusten und unterstützt von ihrer Dorfgemeinschaft aufmachen, um das gelobte Land zu erreichen, nimmt zu. Das gelobte Land heißt bei den vielen, die sich als Klandestine in Nouadhibou sammeln, SCHENGEN-Europa. Sie haben gehört, dass man wenn man die Küste von las Palmas (600 km auf dem Seeweg von Nouadhibou) erklimmt, in Schengen-Europa und dann im Paradies ist. Die Zahl dieser Menschen hat zugenommen und wird noch mehr zunehmen, weil unsere europäische (Entwicklungs)Politik gegenüber und in Afrika nach 40 Jahren gescheitert ist. Man muss einen ganz neuen Weg finden: Wir Deutschen müssen mit zwei bis drei Ländern Afrikas große Beziehungen aufnehmen. Die Länder müssen danach ausgewählt werden, ob es dort Regierungen gibt, die sich verantwortlich für das Wohl ihrer Bevölkerung fühlen. Dann müssen wir versuchen, in diesen Ländern alternative Energien zu installieren und den jungen Menschen in den Dörfern die Zuversicht geben (und ein bisschen Kapital), dass sie es ähnlich wie Nobelpreisträger Mohammed Yunus in Bangladesh mit Mikrokrediten schaffen.

Mauretanien ist unbekannt, aber es verdient bekannt zu werden. Das Land ist eine islamische Republik. Es leistet sich in schöner afrikanischer Toleranz ein christliches Bistum. Der katholische Bischof Msgr. Martin Happe ist ein beherzter und menschenfreundlicher Münsterländer, der uns schon sehr viel geholfen hat. Z.B. hat er uns nachts um 3 Uhr am Flughafen abgeholt, weil er das selbst tun muss: Einen Fahrer hat der Bischof nicht.


Afghanistan
Zur Zeit wird die 24. und 25. Schule unter der Leitung unseres Bauingenieurs Zobair Akhi gebaut. Wir arbeiten weiter unter großen Schwierigkeiten in Afghanistan. Aber die Schwierigkeiten werden uns weniger von den Taliban oder anderen schrecklichen Gruppen von Fundamentalisten gemacht. Riesengroße Probleme macht uns die Ministerialbürokratie in Kabul, die sich manchmal fortsetzt bis in die Provinz-Hauptstädte. Diese Behörden, oft von unserer Entwicklungshilfe und Beratern des BMZ viel zu groß und viel zu gewaltig aufgebaut, machen uns nun das Leben schwer, nach allen Regeln der Korruptionskunst. Erst lassen sie uns drei Jahre braten, alle Versuche, in einer einigermaßen vernünftigen Zeit in Kabul die Registrierung zu beantragen, scheiterten. Ich gehe sicher mit Ihnen einig, dass wir das Geld von Ihnen, lieber Spenderinnen und Spender, nicht dafür bekommen, um Mitarbeiter in Kabul in teuren Unterkünften zu belassen, dort ein teures Bürogebäude mieten, nur deshalb, weil diese Bürokratie Geld sehen will.

23 Schulen, alle zum Preis von jetzt nur noch 40.000 Euro (am Anfang 45.000 €) sind unzerstört und werden von jeweils etwa 600 Schülerinnen und Schülern besucht. Sie haben 12 bis 14 Klassenräume plus Lehrerzimmer. Keine einzige Schule wurde angetastet. An der einen Schule in Pahlewan Piri (die sog. „Konrad Adenauer Schule“) haben wir mit einer Morgenschule für die Frauen und einer Abendschule für die Männer begonnen. Die Eltern hatten uns so lange darum gebeten, dass wir das jetzt mit einem Lehrer finanzieren. Auch haben wir jemanden gefunden, der von der Universität in Herat kommt und den Lehrern soviel Englisch beibringen kann, so dass sie selbst dann auch ihre Schülerinnen und Schüler unterrichten können. Die Begeisterung, mit der diese in den Schulen (die uns u.a. von Erfurts Edith Stein Gymnasium und von dem Buchen-Gymnasium wie auch von Gemeinschaftsaktionen in Troisdorf, Alfeld, Voerde und Kassel gespendet wurden), uns entgegenkommen, wenn ich diese GRÜNHELME-Schulen besuche, würde ich ihnen allen gönnen: Dass sie das mal als Dank für ihre großartige Unterstützung miterleben.

Die Grünhelme bauen jetzt ein Gymnasium in Karoq, dem etwas größeren Dorf und islamischen Wallfahrtort im Distrikt gleichen Namens – für sogar 1300 Schülerinnen und Schüler. (Diese Schule wird uns 60.000 Euro kosten, sie muss größer ausgelegt werden!) Als wir hörten, dass es mehr Mädchen gibt die in dieses Gymnasium kommen als Jungen, fragten wir, warum das denn hier so sei. Die Antwort: Die Mütter haben in Kaoq das Sagen, sie legen den allergrößten Wert auf die Ausbildung gerade ihrer Töchter.


Palästina
Wir bereiten in diesen Tagen die Entsendung eines solartechnisch versierten Mitarbeiters vor, der auf dem Berg Daher zwischen Bethlehem und Hebron eine 10kw-Solaranlage installiert. Dieser Berg ist leider von nicht kooperationswilligen jüdischen Siedlern umgeben, die alles haben, Strom und Wasser, aber nichts davon an die Familie Nassar (palästinensische Christen) geben, die diesen Berg seit Jahrhunderten besitzt. Deshalb haben wir der Familie und dem Leiter des Begegnungszentrums, Daoud Nassar, versprochen, eine Solaranlage dort aufzubauen, damit er Strom hat und auch Wasser pumpen kann.

„Tent of Nations“ nennt Daoud Nassar seinen Berg, wo er zwei große Zelte, Rubber-Tents mit Unterbringungsmöglichkeiten für bis 80 Jugendliche hat. Dort auf dem Berg können Rucksackstouristen aus Europa wie junge Palästinenser aus den umliegenden Orten Beit Jala, Beit Sahour, Bethlehem usw. sich versammeln. Es gibt einen Theaterplatz, wo man 2006 bei dem großen Sommer-Fest Shakesspeares „Romeo und Julia“ aufführte, das schönste Stück, um die Überwindung von ethnischen und religiösen Grenzen zu lernen. Es gibt eine Küche, es gibt eine überdachte Essensmensa. Die Mutter von Daoud Nassar kocht (sehr gut, wie ich sagen kann). Dort ist ein Fußballplatz eine Debattierecke und eine alte Höhle, in der die Familie früher gewohnt hatte. Nicht wegen der primitiven einfachen Form, sondern weil es wegen der lang anhaltenden Hitze in dieser Gegend so kühl bleibt. Dort kann man sich zu einem Workshop oder Seminar treffen. Durch diese relativ kleine Aktion möchten wir die schwierige Friedensarbeit des ‚Tent of Nation’ unterstützen.


Äthiopien
Wir sind dabei, mit der äthiopischen Organisation „Hope for the Horn“ (Dt. Hoffnung für das Horn von Afrika) eine intensive Zusammenarbeit zu beginnen: Diese kleine, aber kräftige Organisation wird von dem Äthiopier somalischer Herkunft geleitet mit Namen Abdulkarim Ahmed Guleid, mit dem wir (Neudecks) seit 27 Jahren befreundet sind. Er hat eine der gewaltigsten und erfolgreichsten Arbeiten in seiner Region in Äthiopien geleistet: Er hat die Wüste in dem Somali Regional State, in der Gegend zwischen Jigjiga und Geschammo wieder zum Grünen gebracht. Wie er das gemacht hat? Er hat 13 Wasser-Dämme zum Preis von je 150.000 € gebaut, riesengroße Wasser-Regen Auffangbecken. Er ist jetzt in diesen Wochen und Monaten praktisch der einzige, der sich in Afrika über den Regen freut. Denn seine Dämme und Barkas (Zisternen) sind alle bis unter die Halskrause voll, so dass die Bevölkerung drum herum, die in Genossenschaften organisiert ist, jetzt wieder genügend Wasser hat: Einmal für sich selbst, dann für die Viehherden, Kamele, Kühe und Ziegen, zum dritten für die eigene Landwirtschaft und die Baumschulen.

Mit Abdulkarim Guleid verbindet uns auch die Freude, dass er als tieffrommer Muslim gern mit Menschen guten Willens, und besonders gern auch mit Christen zusammenarbeitet. Er erzählte uns von der wunderbaren Tradition Äthiopiens, in der die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen wahrscheinlich ihre schönste Harmonie und Größe erreicht haben. 615 sandte Mohammed 11 Familien aus Medina in das christliche Abessinien mit einem Schutzbrief und Auszügen aus der 19. Sure des Korans. Diese Muslimischen Familien, und wenig später noch einmal mehr als hundert wurden sehr gastfreundlich in dem damaligen Abessinien aufgenommen. Dieses gute Zusammenleben hält bis heute an.

In Wollo, im Norden Äthiopiens, so berichtet uns Abdulkarim, ist es normal, dass ein Elternteil muslimisch, der andere christlich ist. Die Kinder wählen die Religion, die sie wünschen. Wenn das erste Kind ein Christ wird, ist oft das zweite und manchmal auch das dritte ein Muslim oder umgekehrt. Wollo, so sagte es uns Abdulkarim, ist der einzige Platz auf der Erde, wo die Religion nicht trennt sondern verbindet. Wo es eine friedliche Koexistenz von Christen und Muslimen gibt. Ein Traum? Ein Paradies? Nein, das ist die Realität in dem Land, dass unsere Kanzlerin Angela Merkel im September 2007 besucht hat. Wir hatten Gelegenheit, die Bundeskanzlerin vor Ihrer Reise am 5. September 2007 zu sprechen. Vielleicht kommt aus Afrika, dem Sorgenkind aller, wieder eine Hoffnung. Aber nur, wenn wir bescheidener werden und uns nicht für diejenigen halten, die das einzige Lebensmodell auf der Welt durchsetzen müssen.

Er will die Wüste dort in der riesengroßen Provinz von Äthiopien, in der 5 Millionen Somalis leben, zum Grünen und zur Produktion bringen. Er will weitere Schulen und Kliniken dort bauen. Vielleicht gelingt es den Grünhelmen mit HOPE fort he Horn dieses Projekt 2008 anzustoßen.

Wir danken Ihnen für alle großartige und großzügige Unterstützung 2007. Wir setzen ganz stark auf Ihre Kraft, auf die Kraft Ihrer Solidarität und Ihrer Gerechtigkeitsliebe. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein ‚Kriege-loses’ 2008.

Ihr Rupert Neudeck


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Weiterführende Links:
    -ZDF-Bericht über die Grünhelme in Ruanda





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