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Lampedusa ist geschlossen, aber die anderen Schlupflöcher Europas?
Keine EU-Vision gegenüber der großen Migration aus Afrika
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Wir kommen um 10 Uhr in das Migration-Zentrum von Lampedusa, wir sind angemeldet, über das italienische Innenministerium, das von einem strengen Migranten Gegner geleitet wird, von Roberto Maroni, einem Mann der Lega Norte Partei. Von außen wirkt das Zentrum in dieser lieblich-friedlich dörflichen Idylle der kleinen schönen Insel wie ein Sicherheitstrakt: Mächtige Eisentore, wir müssen unsere deutschen Pässe durch das Eisengitter schieben.
Die Sozialarbeiterin Grazia Zavagla führt uns durch ein gähnend leeres Lager. Alle Betten sind so aufgestellt als würden sie nie wieder benutzt. Die Klinik in dem Trakt ist ordentlich aufgeräumt und ohne Krankenpfleger, Arzt und Patienten. Eine Großküche und eine Mensa stehen vor uns leer. Auf dem Innenhof, der diese Gebäude trennt, ragen die sieben Telefonsäulen, an denen durch kleine Zäune abgesperrt die Migranten oder Flüchtlinge telefonieren durften mit ihren Familien in Ghana, Kamerun, Guinea, Sudan, dem Tschad, Eritrea, Pakistan oder Indien. Alles ist leer, abweisend sauber, eine Bewachung durch die 6 Carabinieri nicht mehr nötig. Grazia kann uns berichten, die letzte Ladung mit einem Boot von Afrika ist hier am 2. Oktober 2009 angekommen, seit dem 2. Oktober nie mehr.
Dabei gab es in den vorigen Jahren an die 33.000 pro Jahr. Man kann nur sagen: Die Abschreckung hat funktioniert. Die Abschreckung und das Abkommen, das Libyen und Italien vor einigen Monaten mit viel Geld und viel Abnahmeverpflichtungen für Italien von libyschem Erdgas abgeschlossen haben. Die Migranten oder Flüchtlinge werden alle entweder an der Küste oder auf dem Meer angefangen. In Tunesien soll es nach Auskunft der Leute hier gar nicht mehr gelingen, von der Küste nach Lampedusa abzureisen. Die libysche und die italienische Marine kümmern sich nicht um internationale Gepflogenheiten und fangen Migranten auch in der 12 Meilen Zone ab und bringen sie nach Libyen zurück. Leider gibt es gier kein Greenpeace Schiff, das eine solche Schiffe in flagranti ertappt.
Ein Loch hat der italienische Innenminister Marone gestopft, aber es gibt andere vier Schlüpflöcher. Das zweite ist Malta, das dritte sind die anachronistischen spanischen Enklaven auf marokkanischem Gebiet, Ceuta und Melilla, durch deren immer höheren Maschendraht eben doch wieder einige durchkommen. Dann gibt es die Ausfahrten mit Hilfe derer, die wir mit einem hässlichen Namen „Schlepper“ nennen von Marokkos Küste nach Andalusien. Dann gibt es den neuen pull-factor für junge Afrikaner, die Hafenstadt Nouadhibou an der westafrikanisch-mauretanischen Küste, Nouadhibou. Von dort gehen junge Menschen aus 16 (so in Nouadhibou gezählt) afrikanischen Länder auf die gefährliche Meeresreise nach las Palmas, nach Gran Canaria, nach Teneriffa, nach Lanzarote.
Die italienische Regierung mit ihrem Faible für Show Business hat nur mal auf Zeit das exotische Loch Lampedusa gestopft, weil es nur 113 Km von der afrikanischen Küste entfernt liegt, und über 200 von Sizilien und Italien.
Die normale Bevölkerung der Insel (5500 Menschen) war nicht eigentlich gegen die Migranten. Wir treffen den Besitzer der kleinen Bar Royal Gianluca Vitale, der mit seiner Organisation Askavusa (deutsch: mit bloßen Füßen) etwas vorhatte, was sehr wohl der kleinen Gemeinde des Dorfes in der Nähe des Flughafens von Lampedusa gefallen hätte: Ein Kultur und Film und Theaterprogramm mit den Afrikanern und für die eigene Bevölkerung. Das hätte den etwas schläfrigen Ort sicher aufgemischt.
Hier in Lampedusa wird einmal mehr deutlich, wie nachlässig Europa sich dieser Aufgabe annimmt. Es wird für diese junge Leute, die wahrscheinlich in ihren afrikanischen Gesellschaften die besten und fleißigsten sind, nichts getan, als dass für sie die Abschiebung vorbereitet wird. Die EU ist hier in Lampedusa abwesend. Weder haben die anderen 26 Mitgliedstaaten der Union eine Quote zur Verfügung gestellt, damit diese Jungen Leute und Migranten verteilt werden, noch versucht man denen zu helfen mit einer Vision. Die Vision würde so aussehen: Diese junge Migranten haben Geld, bis 5.000 US-Dollar von ihren Clans oder Dorfgemeinschaften bekommen. Sie dürfen ohne Gesichtsverlust nicht zurück. Man müsste für sie, am besten schon in den Küstenländern Nord- und Westafrikas eine große Berufsausbildung organisieren. Si müssten dann nach 2 Jahren einen Berufs und ein Zertifikat haben. Dann würde man mit Mikrokredit Organisationen und Mohammed Yunus sprechen, um mit ihnen zusammen in den Herkunftsländern und mit einem Mikro Kredit ein Unternehmen aufzubauen.
Das wäre eine Antwort und eine Vision, mit der Europa die zu starke Sehnsicht junger Afrikaner konterkarieren könnte, mit der sie alle nach Europa wollen.
Lampedusa, bekannt geworden durch den berühmten Roman „Leopard“ des Italienischen Grafen Guiseppe Tomasi di Lampedusa, wird jetzt keine Rolle mehr spielen oder wohl es als letzte Brücke der EU nach Afrika eine große Rolle hätte spielen können.
Lampedusa liegt 113 km von der nordafrikanischen Küste entfernt, während das italienische Sizilien 195 km weit ist, von Palermo an der Nordseite von Sizilien fliegt man 45 Minuten, um auf einer Landebahn zu landen, die fast die ganz Insel an dieser Südseite einnimmt.
Was müsste geschehen? Die EU muss für Italien (und auch Spanien) durch solidarische Aufnahmen auf Zeit hilfreich sein. Italien darf bei dieser Aufgabe nicht alleingelassen werden.
Zweitens: Die EU-Staaten müssen ihre kommerziellen Schiffe, die im Mittelmeer kreuzen eine totale und unverzügliche Garantie der Abnahme geretteter Migranten absichern. Nachträglich müssen solche Kapitäne und Reeder solcher Schiffe mit (z.B.) deutscher Flagge in Deutschland ausgezeichnet und belohnt werden. Die Carl von Ossietzky Medaille gehört nicht in die Hände des von einer humanitären Organisation angestellten Kapitäns, sondern in die Hände von Kapitänen kommerzieller Handelsschiffe, die nicht vorbeischauen, sondern retten und aufnehmen.
Drittens: es müssen Aufnahmequoten für junge Menschen aus ausgewählten Staaten Afrikas gemacht werden. Ghana z.B. würde uns nach Deutschland 3000 junge Ghanaer schicken, die in zwei Jahren oder drei Jahren den Bautechniker, den Elektrotechniker, den Solartechniker lernen. Danach gehen sie zurück, und werden mit einer Mikrokredit Organisation wie Opportunity International mit einem entsprechenden Kleinkredit ausgerüstet, der aber nur für die Gründung eines Wirtschaftsunternehmens gelten darf.
Viertens: In den Küstenstaaten Libyen, Algerien, Marokko, Mauretanien, werden großflächig Berufsschulzentren aufgebaut, eingerichtet, Curricula ausgebaut, in denen mit Erlaubnis der Gastgebenden Regierungen junge Afrikaner ausgebildet werden für ihre Herkunftsländer. Nachdem sie erfolgreich das Lehrprogramm mit einem Zertifikat abgeschlossen haben, können sie in ihre Heimat zurückgehen.
Die Grünhelme sind dabei, ein solches Pilotprojekt in Mauretanien zu machen. Auf Dauer kann das nur funktionieren durch einheimische ausgebildete Lehrer. In Mauretanien machen wir ein Berufsschulzentrum gemeinsam mit dem jungen faszinierenden Pfarrer von Nouadhibou, Jerome Dukayo. Der hat es durch seine Kurse in der Sozialstation innerhalb des Compounds seiner Kirche schon geschafft, die Zahl der Piroggenfahrten nach Gran Canaria zurückzudrehen. Wir müssen diese Anstrengungen kräftiger machen. Nur durch eine Vision kann diese Migrationsbewegung produktiv werden für einzelne afrikanische Länder und für uns in Europa auch.
Rupert Neudeck
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Nelson Mandela:
Wer Haß spürt,
kann nicht frei sein.
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Eröffnung der 20. GRUENHELME Schule in Drahttut in West-Afghanistan
Die 18. Schule in Malume / Afghanistan eröffnet
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