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Unschlagbare Sonne

Unser GRÜNHELME Gönner Frank ASBECK hat ein Buch geschrieben

Dienstag, 22.12.2009

Die Kulturen der alten sesshaften Bauern hingen an der Verehrung der Sonne. So schreibt es Frank Asbeck, einer der erfolgreichsten Unternehmer in einem biographisch angelegten Buch. Von dieser Verehrung haben wir uns in der rasenden Zivilisation mit Kohle, Öl, fossilen Energien und CO2 Verschmutzung ganz schön weit entfernt.
Er beschreibt in seinem Buch verständlich die Entwicklung der verschiedenen Energieformen, die wir in der Menschheitsgeschichte schon probiert haben. Er versucht einige sehr komplizierte Technik und Technologie-Prozesse erst mal aufzuschieben: „Das würde hier zu weit führen“. Aber es ist verstehbar, was er schreibt. Und wichtiger: Überzeugend. 1972 schockte der Club of Rome mit seiner Botschaft von den „Grenzen des Wachstums“. Die Ölkrise lieferte uns das praktische besondere Beispiel dafür ein Jahr später. Der heutige Energiebedarf werde heute noch zu 34 Prozent aus Öl, zu 26 % aus Kohle, zu 23,5 Prozent aus Erdgas, zu 6 Prozent aus Kernenergie und zu 10,5 Prozent aus den Alternativen Energien gespeist. Doch sind 90 % der Alternativen Energien Produkte der Wasserkraftwerke. Die Entwicklung der Photovoltaik muss Asbeck natürlich positiv sehen. Heute liege der Anteil an der deutschen Stromerzeugung noch bei knapp einem Prozent. Für 2030 rechnet der Autor mit 10 Prozent. Für 2050 schätzt er es schon auf 25 Prozent ein. Zwischen 2006 und 2008 habe sich die Produktion dieses Stroms verdoppelt. Hinter Spanien liegt Deutschland mit 26 Prozent Anteil an der weltweiten Stromproduktion aus Photovoltaik auf Platz zwei.
Das Buch kann man auch lesen als ein Plädoyer gegen akute und künftige weitere Abwrackprämien und Politikideen. Es gäbe so viele Möglichkeiten der Energieeinsparung zumal bei der Mobilität:
Für ihn sei es keine Frage, dass die Zukunft des Individualverkehrs dem Elektroauto gehört. Das Elektroauto habe bisher nur deshalb gegen den Verbrennungsmotor verloren, weil Öl unendlich verfügbar und billig war. Bald aber werde sich der Trend umkehren. „Wenn nicht die traditionelle Autoindustrie dafür sorgt, werden neue findige Unternehmer es übernehmen, bei Motoren und Batterien zügig die notwendigen Innovationen zu schaffen“.

Zwischendurch muss er ein Missverständnis klären: Er sei kein Abraham a Sancta Clara, kein Bußprediger a la Hieronymus Savonarola. Er sei zwar ein Christ, aber kein „grimmiger Prediger des Verzichts“. Seine Vision sei es nicht, dass wir zur Rettung der Welt auf materiellen Wohlstand verzichten. Dennoch kann man sich heute immer mal fragen: „Brauche ich das jetzt wirklich um glücklich zu sein?“
Das macht das Buch präzise deutlich: Es gehe ja nicht nur um die andere Energie, die Ersetzung der einen durch die andere, sondern es gehe noch viel heftiger um die massive Reduktion unseres absoluten Energieverbrauchs.
Er geht mit den Argumenten der Kernindustrie und der Atomkraftwerkbetreiber gnadenlos zu Gericht. Alle Argumente stimmen nicht. Die Atomindustrie wird mit Abstand am bereitwilligsten bisher subventioniert. Die Kernenergie ist nicht Klimaneutral. Bis 1992 wurden 318 Milliarden US Dollar eingesetzt für die Entwicklung des Atomstromes.
Manchmal bekommt der Autor einen ganz beschwingten, auch humorigen Stil. Er sei überzeugt, Bahn und öffentliche Personenverkehr werden das Feld erobern, das sie heute noch frevelhaft dem Benzinschlitten lassen. „Wo heute noch jeden morgen der Berufsverkehr tobt, werden morgen nur noch ein paar Unentwegte mit dem Auto zur Arbeit fahren“.
Und dann kommt der nachdenklich subjektive Einschub:
Wenn er seinen Enkeln 2030 „von einer Zersiedelungsprämie namens Pendlerpauschale erzählen werde, dann werden sie glauben, wir wären im 20. Jahrhundert nicht bei Verstand gewesen“. Und die Enkel werden Recht haben.
Es werden von Seiten der Kohleindustrie auch alle möglichen Versuche mit der sog. „Sequestrierung“ gemacht: Das von Kohlekraftwerken ausgeschiedene CO2 soll komprimiert in unterirdischen oder tiefen Meeresschichten abgelagert werden. Selbst gläubige Anhänger solche einer CO2 Abscheidung rechnen mit der Möglichkeit einer Benutzung erst für 2020. Für die Ozeane kann man nur die toxische Übersäuerung der Meere andeuten, diese Gefahr ist natürlich gegeben. Es sind sieben Gründe für die solare Sonnenwende, die der Autor angibt: 1 die fossilen Ressourcen sind endlich, die Sonne ist unendlich und gratis.2. Die Kernenergie sei eine Sackgasse, 3. die Klimakatastrophe könne nur durch eine beherzte Wendung zum Solaren bekämpft und abgewendet werden. 4. die Solarenergie mache unabhängig. 5. sie ist zugleich dezentral einsetzbar und daher ein Argument für die gut laufende Demokratie. 6. sei diese Energie wirtschaftlich – daran muss wohl aber noch gearbeitet werden. 7. dürfen diese erneuerbaren Energien wirklich als zukunftsträchtig angesehen werden.
Asbeck kann eigene Fehler einfach zugeben. 2000 habe er provozierend die Netzparität – also die Gleichheit der Preise für Solar- und Haushaltsstrompreis – für 2004 vorausgesagt. „Das war ein Irrtum“. Ein ziemlich kapitaler. Denn auch 2009 kostet die Kilowattstunde Solarstrom immer noch mehr als konventioneller Haushaltsstrom.
Aber er hält dagegen: bei den Preisen für Strom aus fossilen Energieträgern müsse man von Steigerungen von 4 bis 5 Prozent ausgehen. In den Jahren 1990 bis 2000 sei der Preis für das Komplettsystem – Module plus Wechselrichter, Montage – pro Jahr um 5 Prozent gefallen. Zwischen August 2006 und Ende 2008 seien es 20 Prozent gewesen, „ein regelrechter Preisrutsch“. Davon ist aber beim Otto Normalverbraucher noch nicht genug angekommen.
Wütend ist der Autor über die ständig wiederholte Behauptung des „subventionierten Solarbooms“, vom dem vor allem chinesische und japanische Produzenten verdienten. 2004 noch standen einer eigenen Produktion von 190 Megawatt noch doppelt so hohe Importe gegenüber. Schon 2007 liegen die Einfuhren unter der eigenen Produktion. 2010 werden wir das Dreifache der Leistungen selbst herstellen, die wir zusätzlich importieren.

Selbstbewusst beschreibt der Autor auch seine Familiengeschichte. Der Urahn Benjamin Asbeck verkaufte 1830 seine Schmiede im Sauerland, er wollte nach Amerika. Die Postkutsche brauchte zu lange, er verpasste das Schiff. Er musste zurück. Sein Ururgroßvater Carl Theodor Asbeck gründete in Hagen 1853 eine Firma Asbeck-Osthaus und Co. Ein Puddel- und Rohlstahlwerk war das. Für die Firma Krupp verdingte er sich als einfacher Arbeiter in einem englischen Werk, um Industriespionage zu treiben. Er wurde enttarnt und kam in den Knast. Zurückgekehrt nach Deutschland bekam er von Krupp eine hohe Belohnung, die als Gesellschafteranteil für den eigenen Betrieb ausreichte. Großvater Hermann Asbeck war ein Bilderbuchsozialdemokrat. Unter den Nazis wurde er mehrmals verhaftet und entging nur knapp dem KZ. Vater Heinz Asbeck geriet in US Kriegsgefangenschaft in Remagen, wo damals in dem für 20.000 Menschen ausgelegten Lager bis zu 170.000 deutsche ex-Soldaten kampieren mussten. Ergründete dann in Hagen die Schmiedetechnik GmbH, einen eigenen Betrieb, der auf die Idee kam, alle möglichen US-Produkte nachzubauen, u.a. den Carterpillar, die man nicht patentiert hatte.
Asbeck erzählt das alles, um sich als „alter Linker“ zu outen. So wurde der heutige Großkapitalist und Großaktionär Asbeck mit 16 Jahren Mitglied im SDAJ, im Sozialistischen Deutsche Arbeiterjugend.
Und er erzählt es, um seine proletarische Herkunft zu beschwören. Bis heute könne er jeden vor 1990 gebauten Motor auseinandernehmen und reparieren. Deshalb sei für ihn ein Unternehmen zu führen nicht Management-Theorie, sondern:
„Chancen wittern, Dinge anpacken, Menschen mitziehen“.
Er kennt sich in der Welt der ausgekochten Bösewichter-Banker aus.
Er räumt mit den Vorurteilen auf, die sich alle länger halten, als wir annahmen. Dass die Solarenergie eine große und auch CO2 belastende Technologie sei. Dass man damit kein Geld verdienen könne. Dass das im Verhältnis zur sauberen Atomtechnik schmutziger sei usw. In den USA hat Asbeck das bisher größte Werk für Solartechnologie aufgebaut, im Kalifornischen Camarillo, wo er die Produktion von 40 auf 150 Megawatt vervierfacht hat.
Stolz – daran mangelt es dem erfolgreichen Unternehmer, Altlinken und Neu-Grünen nicht – berichtet er von dem zehnjährigen Börsenjubiläum im Sommer 2009. Am 8. November 1999 ging er an die Börse, nach dem er SolarWorld AG 1998 gegründet hatte. „Seitdem haben wir die Umsatzziele in jedem Jahr übertroffen. Bei der Gründung 1998 zerbrachen wir uns noch den Kopf, ob wir ein Umsatzziel von 250 Mio Euro innerhalb der ersten zehn Jahre in unseren Businessplan schreiben könnten“. Im elften Jahr würde die SolarWorld erstmals mehr als eine Milliarde Euro umsetzen.
An manchen Stellen erreicht seine Prosa, die sonst eher nüchtern, manchmal bärbeißig zu sein scheint (der Westfale, der sture, kommt immer wieder durch), die Form einer kleinen franziskanischen Hymne: Die Sonne stehe uns als Energieträger unerschöpflich zur Verfügung. „Kein Wunder, dass unsere Vorfahren zu den Sonnengottheiten beteten. Es scheint, als wussten sie um den Ursprung aller Energie“.
Und wie ein kleines Kind, eben ein Gläubiger freut er sich, bei der Papst Generalaudienz 2002 in der „Prima Fila“ zu stehen zu kommen. Er hatte eine der Solarzellen mitgenommen, war furchtbar aufgeregt, weil er dem Heiligen Vater die Technik erklären wollte. Dann kam Johannes Paul II. Asbeck berichtete über die Projekte in Afrika und sagte:
„Heiliger Vater, wir können aus Sand und Sonne Strom machen!“ Darauf sah der Papst erst ihn, dann die Solarzelle an, nahm diese in die Hand und sagte heiter: „Mein Sohn, der Liebe Gott kann alles!“
SolarWorld stiftete dem Vatikan 2394 Solarzellen für das Dach der Audienzhalle. Diese Anlage erzeugt pro Jahr etwa 300.000 Kilowattstunden Strom, was dem Bedarf von 300 Menschen entspricht und spracht jährlich 225000 Kilogramm CO2 ein.“
Ein gut geschriebenes Buch, das den Zeitgenossen, der nicht von den Naturwissenschaften herkommt und seine frömmsten Stunden bei den (Geistes)-Wissenschaften zugebracht hat, gut informiert, ohne ihn Oberlehrer-haft zu belehren.
Frank Asbeck: Sonne – was sonst?
Der Solarworld Chef über die Zukunft unserer Energieversorgung. Kiepenheuer und Witsch Köln 2009 208 Seiten 14.95 Euro

Rupert Neudeck






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