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„Scheißwort GLOBALISIERUNG“
Auf höchstem technologischen Niveau: die PHARMAKINA in Bukavu (Kongo) Der große Afrikafreund Horst Gebbers und seine Familie haben die Firma aufgebaut
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Es war wie ein Mythos für mich, gehört hatte ich immer schon von der Firma „Pharmakina“ des Horst Gebbers, einer großen, Arbeitskräfte generierenden Medikamentenfabrik in einem der unsichersten Regionen des unsicheren Kontinents Afrika: Im Herz der Finsternis, wie sie der britisch-polnische Autor Joseph Conrad so packend beschrieben hat: Im Kongo, früher Zaire, heute großartig genannt: „Demokratische Republik Kongo“. Dort gibt es eine gut gehende, wirtschaftlich arbeitende, Steuern zahlende große Medikamenten-Fabrik! Das wäre ja doch eine Weltsensation, denn alles, was der Kongo im Überfluss hat, das verscherbelt er durch Schmuggel gepaart mit innerer Korruption, so dass seit der Unabhängigkeit bis heute für die Bewohner des Landes nicht viel herausgekommen ist.
Doch hier gibt es wirklich eine Weltsensation zu besichtigen – und wir, Thomas Just und ich können sagen, dass wir dabei gewesen sind.
Einen Tag nach der Eröffnung des Gymnasiums in Kasika sind wir in die Hauptstadt Bukavu der Provinz Süd-Kivu gefahren und hatten uns über einen alten kongolesischen Freund, Leiter einer Menschenrechtsorganisation, Jean-Paul Ngongo, bei dem jetzigen Chef der Firma angemeldet. Denn Horst Gebbers, der 1972 mit Familie im Kongo ankam, konnten wir hier nicht mehr erleben, er verlebt einen verdienten Ruheabend in Deutschland. Dafür zeigte uns Dirk Gebbers, einer seiner beiden Söhne, die Fabrik, die auf hochtechnologischem Niveau arbeitet.
Die Pharmakina wurde 1942 im Kongo, damals noch belgische Kolonie als Congo-Kina gegründet. Boehringer Mannheim kaufte die Firma 1961. Als Boehringer Mannheim von Hoffmann La Roche aufgekauft wurde, erlahmte das Interesse an dem heimlichen Chininmonopolisten, so dass der leitende Angestellte Horst Gebbers und sein französischer Kompagnon Etienne Enry 1998 die Firma kauften. Pharmakina ist trotz der anarchischen Verhältnisse im Congo der Marktführer in der Chininproduktion. Man verfügt über 1200 Hektar Anbaufläche für den Baum, an dem die wertvolle Chinarinde den Rohstoff bietet für die Extrakte der Chinintabletten. Ursprünglich kommt der Chininbaum aus Peru, wo er schon medizinisch von den Inkas eingesetzt wurde. Die Jesuiten brachten die Chinarinde und den Baum nach Indonesien, von dort ging der Baum nach Amsterdam und dann über die belgische Kolonialmacht in den Kongo.
Die Firma ist bis heute stolz auf über 500 Angestellte, die, wie uns lachend Dirk Gebbers erzählt, zwar keine UNO- oder NGO-Gehälter bekommen, die leider exorbitant über dem allgemeinen Niveau liegen, sondern Markt-Angepasste und sichere.
In den 15 Plantagen arbeiten noch mal bis 2000 Arbeiter, die die Bäume betreuen und von dem Gehalt der Pharmakina leben.
Es gab drei gefährliche politische militärische Angriffe auf Bukavu, die den Firmengründer fast zum Aufgeben gebracht hätten: 1996 überfiel die Ruanda Armee die Stadt, 1998 kam es zu einem weiteren erzwungenen Stillstand im Bürgerkrieg des Kongo. 2004 griff der Rebellenführer Nkunda die Stadt an und sorgte ebenfalls für eine Unterbrechung der Produktion. Dennoch hielt die Familie Gebbers, Vater Horst Gebbers und die beiden Söhne Michael und Dirk Gebbers die Stellung. „Man hat schließlich eine Verantwortung!“, sagt Horst Gebbers.
Man müsste, wenn man unter den deutschen Entwicklungshelfern der Vergangenheit und Gegenwart zwei auszeichnen dürfte, neben Albert Schweitzer mit seinem Krankenhaus in Lambarene /Gabun diesen Horst Gebbers hochleben lassen. Das ist die bisher wirksamste Form von Entwicklungshilfe gewesen: Die Investition in eine dem Kontinent und dem Weltmarkt nützliche große, auf höchsten Niveau arbeitende Firma.
Wir sind am Nachmittag des 18. Dezember 2009 voller Begeisterung mit Dirk Gebbers durch alle Gebäudeteile der Firma gegangen, von der Rohstoffgewinnung bis zur Fließband-gerechten Herstellung der Chinin-Tabletten und ihrer Verpackung für den Export.
„Hätten wir etwa zulassen sollen, dass die den Schlüssel in den See werfen?“, hat der Firmenchef jüngst noch seinen Entschluss gerechtfertigt, der seinerzeit viel belächelt wurde.
Wäre Gebbers eine – mit Franz Müntefering zu sprechen – „Heuschrecke“ gewesen, hätte der die Verarbeitung der Chinarinde in ein stabiles Billiglohnland, also China oder Albanien gegeben. Der (von Herkunft her) Mecklenburger Horst Gebbers wird da ganz wütend: „Ach dieses Scheißwort Globalisierung. Wir können doch nicht immer nur die Rohstoffe aus diesen Ländern ziehen und sie woanders weiterverarbeiten!“
Wir Grünhelme ziehen den Hut vor einer so erfolgreichen und für einen Großteil der Bevölkerung Gewinn-, Arbeit-, Brot- und Sicherheit bringenden Produktion. In Deutschland hat man viele große Preise für Gönner der Menschheit ausgeschüttet in den letzten Jahrzehnten. Ich habe noch nicht gehört, dass die Familie Gebbers mit ihrer mutigen, auf Risiko gesetzten Entscheidung ausgezeichnet worden ist, die Fabrik dort weiter zu betreiben.
Die Grünhelme beglückwünschen den Vater und die Söhne Gebbers dazu.
Rupert Neudeck
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