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Der fröhliche Mullah Faslol Hagh in Herat
Wie man sich in Afghanistan gut bewegt - Das Geheim-Rezept der Grünhelme. Von Rupert Neudeck aus Herat
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Samstag, 16.01.2010
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Man fragt uns immer, wie wir in Afghanistan weiterarbeiten und weiter in dem Sinne „Erfolg“ haben können, dass wir eine Schule nach der anderen bauen. In diesen Tagen des Januar 2010 haben wir die 31. GRÜNHELME-Schule in Qala Maudud eröffnet. Die 32. haben wir mit dem Geld von Bad Vilbel gerade begonnen in Damjoo. Die 33. Schule wird das dritte Gebäude des Gymnasiums in Karoq Stadt werden.
Es gibt kein Geheimnis, aber wir haben uns den Mullah Faslol Hagh in Pahlewan Piri als Berater ausersehen. Und das ist ein wunderbarer Mullah. Zunächst mal muss man wissen, das er in Personalunion auch noch der Leiter der „Konrad Adenauer Schule“ in Pahlewan Piri ist, einem Dorf des Distriktes Karoq, die Mitte 2005 mit den Geldern der CDU/CSU- Bundestagsfraktion gebaut wurde und zu deren Eröffnung die beiden MdBs Arnold Vaatz und Wolf Bauer anwesend waren. Damals schon waren wir uns bewusst, dass wir in dem Mullah einen guten Ratgeber hatten, das wurde in der Folgezeit immer mehr befestigt. Der Mullah richtete eine Morgenschule für die Frauen in der Schule ein und eine Abendschule für die Männer.
Immer wenn ich nach Herat fliege, vereinbaren wir uns mit dem Mullah, der ganz vorbildlich nicht in einem Palast, sondern in einem Lehmbauhaus in einem ärmeren Viertel von Herat wohnt.
Dieses Mal begann das Treffen mit einem großen Gelächter, das ich nur über das Telefon mitbekam. Unser afghanisch-deutscher Mitarbeiter Zobair Akhi hatte den Mullah versucht zu erreichen, um einen Termin für den Nachmittag zu machen, aber der Ruf ging durch – ohne Antwort. Er macht seinen Mittagsschlaf, sagte ich, Zobair sagte: Er ist vielleicht auf dem Klo, ich sagte: „Mullahs gehen nicht aufs Klo.“
Kurz darauf rief der Mullah an und Zobair erzählte ihm, ich hätte gesagt; Mullahs würden nichts auf Klo gehen müssen. Da musste er sich vor Lachen ausschütten.
Wir kamen zu ihm, es war wieder mal Stromausfall, wir saßen in dem Wohnraum mit den Füßen auf der afghanischen Fußbodenheizung, die man in Gestalt von noch glimmender Asche oder einem glimmenden Holzscheit unter einem Tisch anbringt.
Ich wollte wissen, wie er es als Mullah sieht: Wir sind als Christen ja besorgt über die Zunahme von Gewalt, Gewalt der Taliban, Gegengewalt ausländischer Armeen? Wie sieht das unser Mullah?
„Diese Taliban kommen aus Pakistan und halten die Anwesenheit der ausländischen Armeen als Besatzungsarmeen, und damit können die gut operieren bei der nationalbewussten afghanischen Bevölkerung. Wären diese auswärtigen Armeen gar nicht da, müsste das jetzt nicht in Helmand mit großem Aufwand geschehen, einmal mit 3300 britischen Soldaten und jetzt auch noch der US-Armee.“
Ich frage ihn: Uns Christen und zumal denjenigen, die Freunde der Muslime sind, weil wir ja an den einen Gott glauben, wird das Leben in Europa schwergemacht durch die Gewalttätigkeit der Taliban. Viele Menschen identifizieren den Islam mit den Taliban.
Dazu sagt der Mullah klar: „Diese gewalttätigen Taliban haben mit dem Islam nichts zu tun. Der Islam ist eine sanfte, ruhige, friedfertige Religion, die sich auf ein Zusammensein mit allen Menschen freut und Rücksicht nimmt.“
Er bittet mich, einmal eine ganze Woche zu kommen, dann werde er mir die Schätze und die Tresore des Islam in Tage-langen Gesprächen und Begegnungen offenlegen.
Wir fragen ihn, was wir denn für die vielen und immer mehr zunehmenden Kinder und Frauen tun könnten, die auf den Straßen von der Großstadt Herat betteln gehen und die im Winter furchtbar frieren. Sollen wir eventuell uns an eine Suppenküche machen?
Der Mullah ist nicht dafür: „Wenn wir den Frauen und den Jugendlichen ein Almosen geben, dann ist das nur etwas für den Augenblick. Wichtiger wäre, diese Frauen und diese Jugendlichen hätten einen Platz, an dem sie arbeiten und etwas verdienen können. Ihr solltet zusehen, dass es Fabriken und Industriebetriebe gibt, die hier in Herat und in der Provinz angelegt werden“.
Draußen wird es dunkel, die beiden Söhne des Mullahs gießen uns einen grünen Tee nach dem anderen ein.
„Du hast mich nie nach Deutschland mitgenommen“, wendet sich der Mullah zu mir und meint, ich solle ihm doch „eine ältere Frau in Deutschland suchen“, damit er endlich mal nach Deutschland kommen kann.
Wir lachen, dass die Lehmbauwände wackeln.
Und er erzählt: Ich hätte ihn gefragt im letzten Jahr, wie alt er sei. Darauf habe er gesagt 48 Jahre. Und da hätte ich gesagt: Das habe er vor drei Jahren auch gesagt.
Und ich sage – und wir schütten uns aus vor Lachen – wenn er verspricht, dass er 48 Jahre alt bleibt, dann werde ich ihm eine „ältere deutsche Frau besorgen“.
Dann ganz unvermittelt, weil draußen der Muezzin zum Gebet ruft, fragt er mich, weil er weiß, dass ich ein Christ bin: Wann betet Ihr eigentlich?
Ich sage: Ich bete morgens und abends. Und da mir das zu wenig erscheint hier im islamischen Herat, wo von ganz vielen Muslimen fünf Mal am Tage gebetet wird, flunkere ich ein bisschen: Ja, und bei uns läuten die Glocken den Angelus um 12 Uhr mittags und um 18 Uhr abends. Und ich ertappe mich dabei, dass mir lieb wäre, ich könnte dem Mullah sagen: Ja, und wir beten wie ihr vor und nach den Mahlzeiten.
Der Mullah hatte vor zwei Jahren eine ganz schlimme Herzkrankheit, er musste bis nach Pakistan fahren, um dort operiert zu werden. Er hat sich wieder erholt. Er wird wohl noch ein, zwei Jahre der Schulleiter in Pahlewan Piri bleiben. Und dann sich in eine Art Ruhestand zurückziehen. Aber, so schwören wir uns lachend beim Herausgehen, er verspricht, immer 48 Jahre alt zu bleiben. Wegen der „älteren Frau in Deutschland“.
Der Strom ist noch nicht wieder zurückgekommen, der Mullah begleitet uns afghanischer Gastfreundschaft gemäß bis zum Auto. Wir winken und fahren los.
Und es wird mir klar: Es ist gut, solche guten Berater und Freunde in Herat und in Afghanistan zu haben. Wir haben auch den jungen Mullah in Benafchak als unseren Ratgeber, der so begierig war, mit uns englisch zu lernen. Und wir haben auch den jungen Bürgermeister von Demogul, Arbab Abdul Qadir, als unseren Freund, der so viele Probleme in seinem Dorf hat mit dem Wassermangel. Wir versprechen ihm, uns für einen Staudamm zwischen zwei Bergzügen des Kuhe Baba und in einer ganz schmalen Talschlucht Dare Siah Ab einzusetzen. Denn das ist das auf Dauer größte Problem für über 80 Prozent der bäuerlichen Bevölkerung. Das Regenwasser und Schmelzwasser von den hohen Bergen muss in Wasserdämmen und water-catchments gespeichert werden.
Rupert Neudeck, Herat
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Nelson Mandela:
Wer Haß spürt,
kann nicht frei sein.
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Eröffnung der 20. GRUENHELME Schule in Drahttut in West-Afghanistan
Die 18. Schule in Malume / Afghanistan eröffnet
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