47 Häuser in 30 Tagen
Der Endspurt der Grünhelme in Pakistan 28 August 2010 - bis 28. Mai 2011

OLYMPUS DIGITAL CAMERATroisdorf, Karachi, Hyderabad, Badin, Meher, Larkana Shahdad Kot, Sikendar Ali Khoso, Cubo Saeed Khan und Gulam Mustafa Jarwar. Eine humanitäre Odyssee geht zu Ende. Oder war es ein Anfang? Im Groben sind das die Stationen, Städte, Dörfer, in denen die Grünhelme e.V. in Pakistan tätig wurden.

Mit Bus, verschiedenen Mitfahrgelegenheiten (LKWs) waren wir in dem – laut Medien – gefährlichsten Land der Welt unterwegs. Neben der Nahrung, Wohn/Schulzelten, Schulbüchern, die wir bis Ende September dort an die von der Flut Betroffenen verteilten, haben wir auch (von 03.10.10 erstes Fundament, und 26.05.11 letztes Haus) 93 Häuser mit der dort vor Ort lebenden Bevölkerung aufgebaut.

Es waren immer ein oder zwei Grünhelme-Mitarbeiter (drei Monate Einsatzzeit) vor Ort. Diese Mitarbeiter haben dabei – so wie es bei den GRÜNHELMEN vereinbart ist – kein Geld verdient. Allein im letzten Dorf, das aus 237 Familien ca. 1500 Menschen besteht, haben die GH mit einem Maurerteam (10-12 pakistanische Maurer) und den Einheimischen 47 Häuser in nur 30 Tagen gebaut.

Hätten wir angefangen, uns Gedanken zu machen, wie wir die Baumaterialien bei dem kaputten Straßen ins Dorf bekommen sollten, bevor wir anfangen, wäre es uns wohl wie der Figur in dem Roman “Der Fall“ von Albert Camus ergangen. Die Devise war einfach: anfangen, unspektakulär anfangen.

Erst jetzt wird uns bewusst nach:

  • 13 t Eisen/Stahl,
  • 71,5 t Zement, (130 Traktorladungen),
  • 94 Türen,
  • 94 Fenstern,
  • 47 Traktorladungen Kies,
  • 195 Traktorladungen Sand,
  • 200 Bambusmatten,
  • 600 Bambusse a 25 Fuß und
  • 390.000 Ziegeln (ein Traktor fast 2500 St.),

was in Pakistan mit den GRÜNHELMEN geleistet wurde.

Alles in Handarbeit, ohne Strom und Gerät. Wasser musste von Dorfbewohnern mehrere hundert Meter herbeigeschafft werden. Und das bei einer Hitze von 47 Grad Celsius. Das alles in einer Gegend, in der es keine Infrastruktur gibt, wo die Menschen kein Maßband, keine Wasserwaage, keine Säge oder ähnliches kennen oder benutzen.

Viele in diesem Dorf sind noch ohne ein eigenes Haus, weiter in Zelten oder in halb kaputten Lehmhütten wohnen geblieben. In der ganzen Gegend der pakistanischen Provinz Sindh gibt es noch so viel Bedarf. Die Menschen, die in den Dörfern sich selbst überlassen sind und aus Not heraus nur an das Heute, aber nicht an ein Morgen denken können, haben bewiesen, dass Sie Grosses vollbringen können, wenn sie ein bisschen Unterstützung haben.

Wir konnten im letzten Dorf zeigen, dass es mit einer abgespeckten Hausbauversion möglich ist, mit ca. 720,00 € einer 10 köpfigen Familie ein Haus zu bauen. Vielleicht macht diese Art der Arbeit Schule. Vielleicht nimmt unsere Bundesregierung dieses als Anregung auf, die immer noch nicht den Weg gefunden hat, wie Pakistan zu helfen ist. Pakistan braucht für jedes Projekt eine Art internationalen Verwalter, der mit der Bevölkerung zusammen lebt und arbeitet. Die lokalen Kräfte sind gut ausgebildet, können aber aus eigener Kraft und ohne Führung nichts tun.

Das Team der GH hat mit diesem Projekt alle vor Ort mit der Art der Arbeit beeindruckt. Sei es die Organisationen IRC, USAID, die Organisation von Dr. Ruth Pfau MALC, andere pakistanische Organisationen, lokale Behörden oder die pakistanischen Geschäftspartner. Der Landlord des letzten Dorfes, Hadji Serdar Ali Jarwar, hat nur gestaunt und sich gefragt, wie so etwas möglich ist.

Für das Alles möchte ich unserem Team; Katharina Dieterle, Christian Weber, Heiko Frieling, Andre Körner und Martin Mikat danken.

Dieser Erfolg ist nur möglich, wenn du im Dorf wohnst, wenn du jeden Tag, jede Stunde im Dorf präsent bist. Wenn du die Probleme der Menschen an dich ranlässt. Es ist aufreibend, oft hatten wir Zweifel. Wir sind auch zwischendurch krank geworden. Aber wir haben immer weiter gemacht. Es ist eine Disziplin nötig, die in unserer Welt nicht mehr vorhanden ist. Es ist notwendig ein NEIN so auszusprechen, dass es für uns schon unverschämt klingt. Und es ist absolut notwendig, sich wieder zu vertragen. Es ist in Pakistan noch so viel zu tun.

Nedim Goletic

 

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