Schulen für Afrika – auch ohne Wege!
Die Grünhelme bauen neue Schulen in der DR Kongo

20.06.2010_2Vor drei Wochen ist ein Grünhelme Team in den Süd Kivu aufgebrochen, Peter Sachse und Thomas Just, um einen neuen Platz für eine Schule zu finden. Wir sind diesmal noch weiter von Bukavu in den Süden der Provinz gefahren, bis in die alte Goldgräberstadt Kamituga, entlang der „Route National No 2“, die nach der Renovierung durch eine chinesische Firma einigermaßen mit einem Allrad Fahrzeug befahrbar ist. Vor noch drei Jahren konnte man Kamituga nur per Flugzeug oder Motorrad erreichen (so berichtet Cap Anamur, die seit drei Jahren im Krankenhaus von Kamituga arbeiten).

In Kamituga selbst aber auch in den umliegenden Regionen, könnte man in jedem Dorf eine Schule bauen oder renovieren. Auch wenn die Region sehr reich an Gold ist, kommt es doch den wenigsten zu Gute. Trotzdem versuchen selbst die Kinder ein paar Gramm im Wasser der Flüsse zu finden, die Ausbeute ist lächerlich klein und der Gewinn wird von anderen und an anderen Orten eingestrichen.

Fast am Ende der erneuerten Route National No 2, also fast am Ende der Welt, haben wir den zweitschönsten Platz der Welt, das Dorf Kibe gefunden. Die Einwohner mit ihrem jungen Bürgermeister haben uns den zuverlässigsten Eindruck vermittelt und wir haben kurzer Hand beschlossen in Kibe mit den Arbeiten und unserem neuen Projekt zu beginnen. Kibe – benannt nach dem Fluss der das Dorf in zwei Hälften teilt – hat rund 2500 Einwohner. Die Schule – Idolo – (was so viel wie Berg bedeutet) besteht aus 12 Hütten, die dem Regen und der Sonne zum Verfall ausgeliefert sind. In diesen kleinen Hütten hocken bis zu 40 Schüler auf 12m² von der ersten bis zur zwölften Klasse. Wir werden in zwei Bauabschnitten 14 Räume bauen, zuerst die Klassenzimmer für die Grundschule, dann die Räume für die Oberstufe, ein Lehrerzimmer und ein Speisesaal.

Die Gefahr bei jeder Hilfestellung – nicht nur in Afrika – besteht darin, dass die Hilfe als ein Geschenk von „den Reichen an die Armen“ oder von „Oben nach Unten“ gesehen wird und das nimmt den Menschen den Stolz, die Bereitschaft für das Gebäude auch zukünftig zu sorgen oder gar es als ihre eigene Schule anzunehmen. Die Grünhelme versuchen immer die Bevölkerung in die Projekte einzubeziehen und schließen im Voraus mit der Dorfgemeinschaft oder der Gemeinde einen Vertrag ab, so auch in Kibe.

Das Dorf wurde unter anderem dazu verpflichtet:

  • Die einheimischen Baumaterialien wie Felssteine, Sand und Kies kostenlos zuliefern
  • Die Eltern müssen die Ziegelsteine selber mit einer von den Grünhelmen gelieferten Presse herstellen
  • Das Dorf muss dem Grünhelme Team kostenlos eine Unterkunft und kostenlos ein Lager für die Baumaterialien stellen.

So wollen wir, dass die Menschen aus Kibe ihre Schule als ihr eigenes Haus ansehen, welches Sie mit ihrer eigenen Kraft aufgebaut haben. Noch bevor wir die Unterschriften auf den Vertrag gesetzt hatten, waren auch schon die ersten Schüler und Lehrer dabei, Steine für die Fundamente aus dem Fluss zu holen. Das war für uns so neu und überzeugte uns noch mehr, dass die Arbeit in diesem Land mit diesen Menschen lohnenswert ist.

Nicht neu aber eine schöne Wiederholung sind unsere Grünhelme-Mitarbeiter: Karl Bogdanow (69 Jahre Seemann und Pädagoge aus Verl) der den Spruch „ich esse Blumen“ in die Wirklichkeit umsetzt und damit nicht nur mich sondern auch die Kongolesen immer wieder zum Lächeln bringt, denn Karl ist „Rohköstler“. Und Peter Sachse (52 Jahre und Schreiner aus Villingen-Schwenningen), er hat die Generationsfolge dieses Mal umgedreht, nicht vom Vater zum Sohne, sondern Peter Sachse ist der Vater von Fabien Sachse, der für uns neben Projekten in Ruanda und Uganda auch das Projekt in Kasika begleitet leitet hat.
Die beiden haben jetzt schon die ersten Fundamente gegossen und werden bald mit der Grundmauer des ersten Gebäudes beginnen.

Die Politische- und auch die Sicherheitslage im Süd Kivu sind weiterhin nicht klar zu beschreiben. Bei allen Vorfällen in der Region werden immer wieder die Rebellen der FDLR (Hutu Milizen die nach dem Genozid in Ruanda in den Nord und Süd-Kivu geflohen sind) genannt. Ob die einzelnen Verbrechen wirklich durch die FDLR oder durch das eigene kongolesische Militär oder von Kriminellen ausgehen, bleibt oft ungewiss und zeugt weiter davon, wie, durch die Jahrzehnte herrschende Anarchie und die Kriege, traumatisiert und zerrüttet die gebeutelte Region ist.

Die Grünhelme haben letztes Jahr in Kasika die erste Schule gebaut, das war der sogenannte „Probelauf“ für uns im Süd Kivu. Wir wollten sehen, ob es für uns als Organisation überhaupt möglich ist, unter unseren „Bedingungen“ im Kongo zuarbeiten. Denn der Kongo gilt als eines der zerrütteten und korruptesten Länder auf dem afrikanischen Kontinent. Wir haben es aber mit der Hilfe des jetzt wiedergewählten VIZE-Gouverneur Jean Claude Kibala geschafft, ohne großen bürokratischen Aufwand gut und sicher zu arbeiten. Wir planen längerfristig in der Region des Süd Kivus zuarbeiten und neben der Schule in Kibe auch noch weitere Projekte zu beginnen. Der Bedarf an Schulen, Ausbildungsstätten, Krankenhäuser oder Solar-Kiosken, ist in den Dörfern aber auch in den Städten wie Kamituga groß.

In Kamituga (einst eine große belgische Goldgräber Stadt) hat sich die Bevölkerung seit 1997 verdoppelt. In den Kriegswirren seit 96 sind die Menschen aus Ihren Dörfern in die Stadt geflohen und sind wie so oft dageblieben.
Es müssten zwei Wege eingeschlagen werden:

  1. Die Menschen müssen in ihren Dörfern bleiben, dass mit Hilfe von Bildung und dem Aufbau von Gewerbemöglichkeiten gelingen kann.
  2. Den Menschen, die ihre Dörfer bereits verlassen haben, brauchen Anreize beispielsweise durch Bildungs- bzw. Ausbildungsmöglichkeiten in Ihre Dörfer zurückzukehren.

Doch dafür braucht es noch mehr Unterstützung und Willen der kongolesischen Regierung und besonders auch die weitere Unterstützung unserer Spender und Mitarbeiter.

 

Posted in Kongo