Abschluss der Wiederaufbauhilfe in „unserem“ ersten Dorf Pauwa
Eindrücke aus Nepal

01.11.2016_01Nun sind bereits eineinhalb Jahre seit den verheerenden Erdbeben vom April und Mai 2015 vergangen. Die Bilder von damals waren erschreckend. Viele Bauten lagen in Schutt und Asche, mitunter Jahrhundertalte. Aber vor allem zahlreiche Häuser der einfachen Bevölkerung wurden komplett zerstört und damit ganze Existenzen.

Bei meiner Ankunft im Juli dieses Jahres hat sich nun die Situation zum Teil gewandelt. Die meisten Schuttberge in den Städten sind abgetragen. Es herrscht reges Treiben und viele Neubauten entstehen. Der Alltag scheint wieder eingekehrt zu sein. Doch der Schein trügt. Es spiegelt nicht die Gesamtsituation des Landes wieder. Begibt man sich in die ländlichen Gebiete, ist das Bild oft ein anderes. Vor allem in den abgelegenen Bergregionen leben viele Menschen noch immer in ihren mit Planen überdachten Ruinen – oder in provisorischen Verschlägen, die mit gespendeten Wellblechen gebaut wurden. Nicht Wenige haben den Mut verloren und sind von hier weggezogen.

Umso mehr erfreut es mich, dass wir nun im Distrikt Kawrepalanchok das Bergdorf Pauwa Hand in Hand mit den Bewohnern wiederaufbauen konnten. Dabei entstanden in den letzten 16 Monaten unter teils schwierigsten Bedingungen insgesamt 53 erdbebensichere Häuser. Besonders der Monsun beeinträchtigte die Arbeit und machte Bergstraßen schwer passierbar. Doch die harte Arbeit hat sich gelohnt: Weggezogene Familien kehrten zu ihren Grundstücken zurück, die sie bereits seit Generationen bewohnen und bewirtschaften. Sie sehen dort nun wieder eine Perspektive menschenwürdig zu leben. Und das Wichtigste: die Menschen haben ihr wunderschönes Lächeln zurück.

Das nahmen wir zum Anlass, das gemeinsam wiederaufgebaute Dorf ganz offiziell in einer feierlichen Zeremonie dem Gemeindekomitee zu übergeben. Dafür wurde seit früh morgens gekocht, gebacken, Stühle und Tische aus der nahegelegenen Schule herangetragen. Man sah, dass Dorfbewohner und Grünhelme ein eingespieltes Team sind.

Viele Wegbegleiter der Grünhelme waren unter den Gästen. Händler, Freunde und Unterstützer. Zudem Vertreter aus der örtlichen Polizei und Politik, die sich ein Bild von dem erfolgreich abgeschlossenen Gemeinschaftsprojekt machen wollten. Nachdem einige Reden gehalten waren, überreichten wir den Arbeitern als Dank Grünhelme T-Shirts und dem Gemeindekomitee als Erinnerung eine kleine Gedenktafel.

Abschließend kann ich nur sagen: Die Zeit in Nepal war eine ganz besondere. Nicht nur für die Einheimischen, sondern auch für uns Grünhelme. Denn obwohl unsere Kulturen sehr verschieden sind, gaben sie uns immer ein Gefühl des Vertrauens und der Geborgenheit. Wir lachten und trauerten gemeinsam. Sei es beim morgendlichen Milchtee, bei der schweißtreibenden Arbeit oder beim gemeinsamen Essen. Nie fühlten wir uns fremd. Wie auch? Wir waren ja ein Teil ihrer Familien geworden.

Da noch immer unzählige Menschen in notdürftig zusammengezimmerten Hütten übernachten müssen, haben wir in diesem Jahr zwei weitere Wiederaufbauprojekte auf den Weg gebracht: In den Dörfern Phulping und Jhagardaydada – im Distrikt Sindhupalchok – sollen in den kommenden Monaten etwa 50 neue erdbebensichere Häuser entstehen.

Im Namen der Familien aus Pauwa danken wir allen Unterstützerinnen und Unterstützern für die große Spendenbereitschaft. Ihr macht die Hilfe vor Ort erst möglich.                                      

Tino Matthias

 

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