„Allah bitten, die Menschen in Europa zu beschützen“
Hauptsache Ein Dach über dem Kopf: Erster Bericht von unserer Partnerorganisation in Karachi

23.08.2010„Gestern habe ich eine Frau getroffen, die Ihr Baby nicht fest genug halten konnte als die Sturzflut kam. Das Kind wurde augenblicklich vom Wasser verschluckt“. So schreibt die Assistentin von Dr. Ruth Pfau, Claudia Villani, in ihrem täglichen Bericht von der Katastrophenfront in Karachi. Die Menschen drücken nur so an die äußerste Peripherie des Landes, in die Großstadt und Hafenstadt Karachi. Weil sie von den Fluten vertrieben wurden und nur noch in Karachi sich Hilfe erhoffen können. Zehntausende erreichen täglich Karachi. Es wird mit einer Zahl von 10 Millionen Pakistanis in der allernächsten Zeit gerechnet.

Claudia Villani schreibt – wie es alle Humanitären immer wieder erleben: „Es hat keinen Sinn daran zu denken, was das heißen wird!!?“ 10 Mio. zusätzlich zu den 18 Mio. in Karachi“. Es sei nur wichtig, das Heute irgendwie zu schaffen. Der morgige Tag bringt zu viel der neuen Plagen, dass das wir uns heute damit befassen dürfen.

Wir – liebe Grünhelme-Freunde – brauchen schlicht noch mehr Geld.

Wir schicken Nedim Goletic aus Mönchen-Gladbach heraus, der mit Flut-Flüchtlingen aus Karachi wieder herausgehen und nach Norden in die überschwemmte Provinz Sindh fahren wird, um das Dorf zu erreichen, aus dem diese Menschen geflohen sind vor den hereinbrechenden Wassermassen. Dann fangen wir an, Baumaterial zu kaufen, die Bevölkerung zum Bauen zu organisieren. Wichtig ist es in solchen Situationen immer, die Menschen zum Selbstbauen aufzufordern. Sie müssen durch Eigenaktivität ihre Traumatisierungen überwinden.

Claudia Villani vom MALC, dem Marie Adelaide Leprosy Centre, einer Organisation, die vor 50 Jahren in Pakistan gegründet wurde, berichtet auch von ermutigenden Erfahrungen und Erlebnissen: Noch nie habe sie ein so existentielles Teilen wie hier in den Dörfern erlebt. Die Menschen kennen einander nicht einmal, sprechen nicht einmal dieselbe Sprache. Und doch sei es selbstverständlich, dass sie den Flüchtlingen Herberge geben. Oft bis zu 20 Obdachlosen in einem Raum. Hauptsache ein Dach über den Kopf. Wenn Sie Nahrung haben, diese Menschen auf der Flucht, teilen sie auch diese.

Die Preise in Karachi seien um 400 Prozent für Grundnahrungsmittel gestiegen. An die Auswirkungen dieser mörderischen Steigerung war im Moment noch nicht zu denken. Im Afghan Camp fangen die Kinder an, an den Folgen der Unterernährung zu sterben. Gestern sei es bei einer Essenausgabe in einem Camp gewesen. Die Partnerorganisation der Grünhelme sei mit Reis und riesigen Töpfen gekommen. Und jeder wollte der erste sein. Die Folge also: Chaos und Gewalt. Die Flutopfer hatten alle seit Tagen nichts gegessen und hatten deshalb panische Angst, kreatürliche Angst geradezu, dass nicht genug zu essen da sei. Da hat Claudia Villani in Sindhi (Das ist die Sprache in dem Camp) gerufen: „Es bekommen alle etwas“. Sofort sei Ruhe und Ordnung eingekehrt.

Ein alter Mann sei zu ihr gekommen um zu fragen, woher sie den Reis bekommen hätte. Claudia Villani hat von den Grünhelmen erzählt und anderen Organisationen, die sie jetzt unterstützen und die Pakistan helfen. Er bat sie, unseren Spendern auszurichten, er habe zwar nichts mehr, um zu danken, aber er werde nun „täglich Allah bitten, die Menschen in Europa zu beschützen“.

Nedim Gelotic, unser erster Grünhelm für Pakistan fliegt in den nächsten Tagen nach Karachi, mit dem Geld, das Sie den Grünhelmen anvertraut haben und wird sich sofort an die Arbeit begeben. Verstehen Sie, liebe Grünhelme Freunde, weshalb ich Sie bitten möchte, noch mehr zu tun, damit wir Leben-rettende Spenden bekommen?!

 

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