An der Schwelle Europas
Ein Zwischenbericht aus Nador

15.10.2015_1Wir, Stefan und Elisa, sind jetzt schon seit gut zwei Monaten in Nador und haben begonnen, die Sozialstation der Kirche auszubauen. Hier können sich Migranten, die sich in einer besonders schweren Lebenslage befinden oder medizinische Beobachtung benötigen, temporär erholen und wieder zu Kräften kommen. Neben der Erweiterung der Räumlichkeiten, unterstützen wir das Team um Pastor Esteban, die Delegation. Zudem geben wir einen Deutschkurs zweimal die Woche und suchen nach weiteren Möglichkeiten, die Lage der Migrantinnen und Migranten hier vor Ort zu verbessern.

Es entstehen ein Raum über dem Innenhof neben der Kirche sowie ein zweites Stockwerk auf dem Bestandsgebäude. Dafür sind zahlreiche Stützen errichtet und zwei große Betontische gegossen worden, die die Last der neuen Räume tragen. Jetzt, am Ende des zweiten Monats, haben wir die Wände hochgemauert und den Ringanker gegossen. Die neuen Zimmer nehmen also zunehmend Gestalt an und es lässt sich schon erahnen, wie es später aussehen wird. Weiter geht es mit dem Dachstuhl, während Fenster und Türen in der Tischlerei um die Ecke gefertigt werden.

Aufgrund des Baus, ist derzeit ein Teil der Sozialstation unzugänglich. Nichtsdestotrotz sind die Kapazitäten der Station voll ausgeschöpft und die Migranten wohnen in den verbliebenen sowie provisorisch eingerichteten Zimmern. Gestern erst ist ein Baby von 2,5 Monaten angekommen, dessen Mutter im Krankenhaus liegt. Aus diesem Grund übernehmen jetzt sowohl die Mitarbeiter der Delegation als auch die Migranten, die gerade in der Station leben, seine Pflege. Natürlich sollen die Migranten auch gut versorgt sein, weshalb täglich frische Lebensmittel gekauft werden und sonstige Besorgungen erledigt werden. Dabei sowie bei der Betreuung und Fürsorge der Migranten selbst helfen wir tatkräftig mit.

Der Alltag hier ist sehr vielseitig. Von Betonieren und Mauern über Organisation und Preisverhandlungen bis zur Versorgung und seelischen Unterstützung der Migrantinnen und Migranten. Die Kommunikation ist dabei nicht immer einfach und manchmal klappt die Verständigung nur mit „Händen und Füßen“. Ansonsten wird hier mit diversen Sprachen wild um sich geworfen: Arabisch, Berber, Spanisch, Französisch – vereinzelt sogar Deutsch oder Englisch. Viele ältere Leute sprechen hier Spanisch, weil die Region früher Spanisch besetzt war, während die jüngere Bevölkerung eher des Französischem, der zweiten Landessprache Marokkos, mächtig ist.

Wir treffen täglich neue interessante und beeindruckende Menschen. Die Eindrücke hier sind sehr vielseitig, sehr beeindruckend, bewegend, manchmal herzzerreißend, manchmal verstörend. Uns macht die Arbeit trotz erschwerten Bedingungen großen Spaß und wir sind stolz etwas beitragen zu können, bei der Versorgung hilfebedürftiger Menschen.

Euer Grünhelme-Team aus Nador
Stefan und Elisa