Aus den Kinderschuhen
Besuch bei "unserer" Krankenstation in Kougnara

IMG_2310_kleinRund vier Monate nach der Einweihung, haben wir dem Geburtshaus einen spontanen Besuch abgestattet. Zu unserer Freude war am späten Vormittag nicht nur Hochbetrieb, sondern auch eine Gesandtschaft des Regionalkrankenhauses zur Qualitätssicherung vor Ort.

Etwas verwundert konnten wir feststellen, dass sich im Wartezimmer nicht nur werdende Mütter sondern auch einige Männer eingefunden hatten. „Da wir im Umkreis von 12 km die einzige Gesundheitseinrichtung sind, haben wir Notfälle ohnehin behandelt“ erklärt Masiré Diatta, die zuvor in der Hauptstadt Dakar gearbeitet hat. Mittlerweile kommen alle, die ein gesundheitliches Problem haben. „So ist das auf dem Land. Ich bin Krankenschwester, Hebamme, Beraterin und Seelsorgerin in einem und wer zur Sprechstunde kommt, stößt auf ein offenes Ohr.“

Für die Hebamme fachlich kein Problem, denn im Senegal durchläuft jede Hebamme zuerst eine allgemeine Krankenpflegerausbildung bevor sie sich spezialisiert und hat somit das Recht auch allgemeine Sprechstunden abzuhalten.

Neben 8 Geburten, wurden in den vergangenen Monaten knapp 300 Sprechstunden, darunter 40 zur Geburtsvorbereitung und 100 Beratungstermine zur Familienplanung wahrgenommen. 8 Frauen wurden frühzeitig ins Krankenhaus verwiesen, da während der Geburt mit Komplikationen zu rechnen war. 

Die Hebamme hat aufgrund der Doppelbelastung alle Hände voll zu tun und hofft auf baldige Unterstützung: „Dadurch kann ich mich verstärkt um unsere Aufklärungskampagne zur Familienplanung kümmern. Eine unserer größten Herausforderungen ist die Jugendschwangerschaft. Denn das ist nicht nur ein gesellschaftliches Problem, sondern medizinisch gesehen auch immer eine Risikoschwangerschaft“

Auch der Regionalleitung ist der große Zulauf nicht entgangen. Kougnara wurde somit offiziell als Standort für eine komplette Krankenstation eingestuft. Während es vorerst kein Budget zur Erweiterung der Räumlichkeiten gibt, wurde zumindest die Personalaufstockung durch einen Pfleger zugesichert.

„Dass wir in den Fokus unserer Region geraten sind, haben wir den Grünhelmen zu verdanken. Dass eine europäische Organisation sich unseren Anliegen angenommen hat, hat Eindruck hinterlassen,“ sagt der Dorfchef und weiter, „wir sind glücklich in Kougnara, wir haben die Landwirtschaft und den Fischfang, dass wir nun auch gesundheitlich versorgt werden, hilft uns der Landflucht entgegenzuwirken.“

Die Pläne sind groß, derzeit bemüht sich das Dorfkomitee um die Beantragung einer eigenen Ambulanz.

„Bei Notfällen sind wir bis jetzt auf unsere Kollegen in Samine angewiesen, zuletzt hat es bis zum Eintreffen des Krankenwagens 7 Stunden gedauert, die Patientin lag bereits im Koma, als endlich Hilfe kam. Mit einem eigenen Fahrzeug können wir viel schneller handeln.“ und lachend fügt er hinzu: „was die 8 Kilometer Fahrt zur Hauptstraße in der Regenzeit bedeutet, müssen wir euch Grünhelmen ja nicht erklären,“ und erinnert uns an die zahlreichen Rettungsmanöver der Dorfbewohner, unseres, im Schlamm steckengebliebenen, Projektfahrzeugs.

Wir reisen mit einem guten Gefühl aus Kougnara und freuen uns, dass der Betrieb so gut läuft!  Danke an alle Spenderinnen und Spendern für die Unterstützung bei der Umsetzung dieses tollen Projektes!

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