Bad Vilbel-Schule eröffnet
Afghanistan in Zeiten der Parlamentswahlen

15.09.2010_1Wir waren fast zu einer falschen Zeit in Afghanistan, denn einmal konnten sich die Gelehrten nicht über das Datum des Ramadan Endes des sog. ID-Festes einigen. Und da das im Gefolge drei ganze Feiertage sind, war es dann auch nicht so einfach, die Eröffnung unserer 32. Schule in Damjoo und der Skateboard Anlage im Gymnasium von Karoq durchzuführen.

Außerdem wurde das Land, wie immer zur Zeit der Wahlen wieder von grässlichen Morden begleitet. Auch in Herat wurden zwei Wahlkämpfer der Parlamentsabgeordneten El Haq Gailani ermordet, keine Polizei bekommt heraus, wer das getan hat. In einem Dorf in der Nähe unseres Schulortes wurden die Leichen von zwei Frauen gefunden, die enthauptet worden waren.

Der Wahlkampf tobte (Wahl wird am 17. September stattfinden), aber eben auf afghanische Art. Das ist nicht der Beginn von Demokratie und Zuversicht für die Menschen, sondern es bewerben sich über 500 Kandidaten um 15 Sitze im afghanischen Parlament, weil ein Platz im Parlament, mit einem Gehalt von 3000 US Dollar so gut dotiert ist, einer Art Apanage (Auto, Büro Leibwächter) wie auch der Möglichkeit, dauernd ins westliche Ausland zu reisen. Daher reißen sich förmlich reiche Afghanen um diese Posten.

Das Leben im ländlichen Bereich hat immer noch eine andere Würde und einen anderen Ernst. Um 11 Uhr am 8. September waren wir in der schönen Schule, die uns die Gemeinde von Bad Vilbel (Nähe Frankfurt /Main) gespendet hat. In drei Jahren waren dort unter Leitung des Ehrenbürgermeisters Günter Biwer 42.000 Euro zusammen gekommen. Und wir haben deshalb die Schule Bad Vilbel Schule genannt.

Wie immer bei solchen Eröffnungen bekamen wir vier Deutschen wieder als Gegengeschenk einen kleinen selbst produzierten Teppich vom Bürgermeister von Damjoo geschenkt. Wir haben den 460 Schülerinnen und Schülern eine solide und gut fundamentierte Schule gelassen, in der das Mobiliar noch fehlt. Das will unser Bauleiter Zobair Akhi noch lokal herstellen lassen.

Zwei Tage später konnten wir mit großem „Hallo“ die Skateboard-Bahn mitsamt dem betonierten Volleyballplatz im Gelände des Gymnasiums von Karoq übergeben. Skateboard ist natürlich etwas ganz Neues für die jungen afghanischen Kinder, aber sie beteiligen sich mit ungebremstem Eifer an den Übungen, auch die Mädchen.

Titus Dittmann hatte die Skateboards und die Betonanlage spendiert und war mit uns zur Eröffnung der schönen ersten Anlage gekommen. Der Bildungsminister in Herat hatte diese Anlage das „Achte Weltwunder“ der Menschheit genannt.

 

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