Burkina Faso – Remdoogo, im April 2012
Die GRÜNHELME bauen Festivaldorf eine Krankenstation

20.04.2012Burkina Faso ist ein Ländername mit einem grossen Programm. Der den alten, kolonialistischen Namen Haute Volta, Obervolta abschaffte, war der damals sehr beliebte junge Hauptmann der Armee, Thomas Sankara. Der hat das Land in knapp vier Jahren seiner Regierungszeit total umgekrempelt, er wurde am 15. Oktober 1987 ermordet. Er lebt als Mythos weiter. Auch, weil er eine unglaubliche Vorbildskraft gegen die Korruption entwickelte und als Präsident in seinem Deux Chevaux Renault Wagen fuhr.

Wir sind 2012 in Burkina Faso. Der Name des Landes besteht aus zwei Bestandteilen zweier einheimischer Sprachen und bedeutet: das „Land der Aufrechten“. Das Land spielt gegenwärtig eine wichtige Rolle bei der Regelung der großen Krise, die sich in Mali ereignet hat. In Mali sind von einer einheimischen Tuareg-Bewegung die Nordteile des Landes als unabhängiger Staat erklärt worden. Damit gibt es eine ungeklärte Situation im Nachbarland Mali, die der Präsident von Burkina Faso – Blaise Campaore – als Vermittler zu klären versucht. Burkina leider auch unter einer starken Dürre, die sich aber nicht in einer Hungersnot äußert. Das Land hat in Bezug auf seine Verkehrs- und sonstige Infrastruktur einige Erfolge gemacht.

In Burkina Faso ist Christoph Schlingensief hängengeblieben, als er – kurz vor seinem Tode im August 2010 – für den Aufbau seines Afrika-Festival-Dorf ein Land suchte. Wir hatten damals mit ihm zu tun, als es darum ging, das ‚richtige’ Land zu finden: Schlingensief hatte eine erste Reise nach Kamerun gemacht, auch nach Mozambique war er geflogen, immer ein wenig im fast aussichtslosen Kampf gegen den Tod, dem er noch einmal entkommen wollte. Er hatte sich einen Krebs-Tumor eingefangen, mehrere OPs und Aufenthalte in vielen Kliniken hatten ihn nicht heilen können. Wir hatten ihm noch Uganda und Ruanda als mögliche Plätze vorgeschlagen. Dann war er in Burkina Faso gewesen und hatte dieses Land und den Ort Remdoogo ausgesucht, den auch die Regierung für ihn festgemacht und freigegeben hat.

Der Hügel mit seinen vorsintflutlichen und archäologisch anmutenden Felsungetümen wirkt wie eine Natur-Theaterlandschaft, wo sich in der Zukunft Musikkonzerte und Aufführungen afrikanischer Tanzfestivitäten ereignen könnten, wenn man den Platz entsprechend weiter als ein afrikanisches Dorf einrichtet, das nicht abgeschottet ist von den Dörfern drumherum. Deshalb waren es zwei Schwerpunkte des Programms des Christoph Schlingensief, die wir in Troisdorf 2010 beredet haben: Die Schule muss in das Dorf integriert sein, möglichst auch mit Elementen einer Berufsschule oder einer Werkstatt als heimlicher Berufsausbildung und eine Krankenstation zur Behandlung der in Afrika immer wieder auftretenden Krankheiten sowie eine Entbindungsstation, später auch eines Restaurants und einer Fabrikation landwirtschaftlicher Produkte.

Zusätzlich waren wir einig darin, diese Werkstatt zur Ausbildung von Solarteuren zu machen und auf dem Berg nur Solar-Energie zu nutzen. Einiges entpuppte sich als Luxus-Idee und nicht realistisch und vernünftig durchführbar. In einem Lande, das selbst genügend Strom erzeugt, ist die Einführung der heute immer noch teuren Solarenergie ein zu kostspieliges Unterfangen und wir wollten ja die Solarenergie nicht als grüne Ideologie einführen. Christoph Schlingensief starb zum Entsetzen all derer, die ihn gemocht, geliebt und gern mit ihm gearbeitet hatten, im August 2010.

Er hinterließ die Lücke, in die Aino Laberenz sprang, der er schon in seinem Buch „So schön kann’s im Himmel nicht sein“ ein herrliches Erinnerungszeichen gesetzt hatte. Das Dorf besteht bisher nur bedingt. Es sucht noch in aller Ruhe seine wirklichen Aufgaben. Es hat bereits die erste Klasse eingerichtet in der Schule, es stehen einige Häuser um das Zentrum fertig. Die Grünhelme sind in dieser Phase da und versuchen mit einer Krankenstation etwas weiter zu bewegen. Die Krankenstation soll für das dörfliche Milieu etwas in Bewegung bringen. Till Gröner arbeitet hier jetzt die ersten drei Monate als Teamchef, wir versuchen, in fünf bis sechs Monaten diese Krankenstation fertigzustellen, die aus zwei Gebäuden, möglicherweise aus drei Gebäuden besteht.

Wir suchen einen Bauingenieur und einen Zimmermann oder auch eine Zimmerfrau für dieses Projekt.

 

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