Christel und Rupert erhalten Erich Fromm-Preis 2016
Herzlichen Glückwunsch: die Grünhelme freuen sich mit euch!

Christel und Rupert Neudeck haben am 4. April in Stuttgart den Erich Fromm-Preis für ihr „Lebenswerk“ erhalten. Der Fromm-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Das Ehepaar engagiert sich seit fast vier Jahrzehnten radikal mit humanitären Hilfsaktionen. Für uns Grünhelme sind Christel und Rupert ein großes Vorbild. Wir sind beeindruckt, mit welcher Begeisterung und Leidenschaft Christel und Rupert sich noch immer weltweit engagieren – und das weit über die Projekte der Grünhelme hinaus. Die Laudatio im Neuen Schloss Stuttgart hielt der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse. In seiner Rede hob er besonders die Freude hervor, mit der Christel und Rupert die Grünhelme als „Familienunternehmen“ jahrelang getragen haben.

Seine wunderbare Laudatio begann Wolfgang Thierse mit den folgenden Worten:

„Diese Jury ist die erste, der aufgefallen ist, dass Christel und ich … alles zusammengemacht haben“, so hat Rupert Neudeck vor einigen Wochen die Entscheidung der Erich-Fromm-Preis-Jury kommentiert. Und er hat recht: Rupert Neudeck hat schon zahlreiche Ehrungen erfahren, dies heute ist die erste gemeinsame mit seiner Frau. Deshalb gilt meine erste Gratulation der Jury für diese überaus angemessene, zutreffende und längst fällige Wahl! […]

Beide, Cap Anamur und Grünhelme, waren vor allem Familienunternehmen – keine großen Hilfsorganisationen – das ist eine, wie ich meine, bis heute staunenswerte Tatsache. Nicht eine – mehr oder nicht selten auch minder effektive – Hilfs-Bürokratie war es, sondern es waren riesengroßes Engagement, persönlicher Einsatz, Leidenschaft, Nerven, Hartnäckigkeit, Freude, die beide Projekte ausdauernd getragen haben.

Ich zitiere noch einmal Rupert Neudeck: „Radikal leben heißt nicht, sich ständig am Riemen zu reißen und etwas wahnsinnig Anstrengendes zu tun, das wehtut, und bei dem man nichts zu lachen hat. … Wir waren nicht griesgrämig oder sauertöpfisch. Wir freuten uns.“

Es ist diese ehrliche Freude, die unsere Grünhelme-Arbeit als Grundgedanke prägt:

[…] Und dann die „Grünhelme“, gegründet am 7. April 2003 im Wohnzimmer der Neudecks in Troisdorf. Eine zusätzliche und zugleich neuartige Initiative – als hätten die Neudecks Angst vor einem humanitären horror vacui – nach dem Ende ihres Engagements für Cap Anamur. Aber es ist doch eine besondere Idee, die diese neue Initiative prägt und trägt: Es ist ein Hilfs- und Wiederaufbauprojekt, das ausdrücklich Helfer aus verschiedenen Religionen und Kulturen zu gemeinsamer Aufbauarbeit zusammenführt. „Christen und Muslime (und andere Menschen guten Willens) bauen gemeinsam auf, was andere widerrechtlich zerschlagen haben“, so hat Neudeck die Idee beschrieben. Also praktischer – nicht nur rhetorischer – Dialog. Der Idee der Friedenscorps folgend und einen Wunsch von Klaus Töpfer, damals Leiter des UNO-Umweltprogramms, verwirklichend: „Je mehr Grünhelme wir in die Welt versenden, desto weniger Blauhelme brauchen wir.“

Die Grünhelme sind in den Konflikt- und Kriegsregionen des Nahen Ostens und Afrikas und Afghanistans tätig und bauen zusammen mit den Einheimischen auf, was zerstört wurde – und stiften so Hoffnung und praktizieren Solidarität ganz unmittelbar: „Grünhelme schenken den Habenichtsen auf dieser Welt drei Monate Arbeit, ohne dabei etwas zu verdienen“ (R. Neudeck). Gegenwärtig sind sie auch in Griechenland tätig, in den dortigen Flüchtlingslagern.

Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank!

Die komplette Laudation von Wolfgang Thierse können Sie hier herunterladen.

 

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