Das „8. Weltwunder“
Erster Outdoor Beton-Skatepark Afghanistans

05.04.2010_1 Karoq wird mit seinen mehr als 300.000 Einwohnern bald der erste Distrikt von Afghanistan sein, der mit Hilfe der Grünhelme und der deutschen Bevölkerung sozusagen Schul-fertig ist. Das will sagen: Alle vorhandenen Schulen bestehen jetzt aus festen und gut gebauten Gebäuden. Das bedeutet gleichzeitig: Hier in Karoq müssen die Kinder nicht mehr in verdreckten Tierställen oder bei brennender Sonne im Freien unterrichten werden, sondern in großen, hellen, sauberen Räumen.

In den letzten fünf Jahren ist es den Grünhelmen gelungen, allein in diesem Distrikt 18 Schulen zu bauen (insgesamt in der Provinz Herat nunmehr 31 Schulen!). Mit diesen Schulen wurde wurde für mehr als 20.000 Mädchen und 20.000 Jungen ein flächendeckendes Schulsystem geschaffen. Keine dieser Schulen wurde von Taliban (oder anderen) angerührt, geschlossen oder zerstört. Die Taliban waren in dem Distrikt Karoq noch nie willkommen. Und darauf sind die Menschen in diesem Distrikt wirklich stolz.

Als wären die Schulen und die Abneigung gegenüber den Taliban nicht Grund genug für den Stolz der Bewohner von Karoq, so wird jetzt im Distriktmittelpunkt von Karoq das „8. Weltwunder“ gebaut. So jedenfalls hat es der Bildungsminister von Karoq genannt. In Zusammenarbeit der Grünhelme e.V. mit der Titus Dittmann Stiftung in Münster wir hier gerade der erste Outdoor Beton-Skatepark Afghanistans gebaut. Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, wird der Park in ca. 4. Wochen fertig sein. Man spürt ständig die Neugier und die Ungeduld in den Kindern, aber auch in den vielen erwachsenen.

Als Rupert Neudeck im April 2009 mit dem Münsteraner Unternehmer Titus Dittmann nach Herat kam, wollten wir erst mal das Interesse der Kinder für Skateboarding testen. Kaum jemand kannte damals das Wort Skateboarding. Kaum jemand hatte ein solches „Mäuseauto“ (so der Hausmeister in Karoq) je gesehen. Aber schon nach der ersten Probefahrt wollte keines der Kinder freiwillig vom Brett herunter kommen.

Inzwischen sind Marc Zanger von der Dittmann Stiftung und Zobair Akhi dabei, dieses „8. Weltwunder“ zu bauen.

Marc Zanger ist auch dabei, in den Unterrichtspausen und den Sportstunden auf dem schon vorhandenen betonierten Volleyballplatz einer Gruppe von hochbegabten Kindern das Kurven auf den Brettern beizubringen. Marc Zanger hilft dem Bauingenieur Zobair Akhi auch bei der Bearbeitung der malerischen Kurven der Bahn als erfahrener Skatekünstler.

So kommen wir gemeinsam dem Ziel näher, tausenden Kindern eine wunderbare Spielwelt zu schenken. Früher hatte ich gedacht, die Eltern werden ihren Kindern nicht erlauben, auf diese Bretter zu steigen, die für sie in Ermangelung anderer Freizeitaktivitäten mittlerweile die Welt bedeuten. Aber inzwischen melden die Eltern selbst ihre Kinder bei Marc zum Skateunterricht an.

P.S. von Rupert Neudeck:
Wir werden zu der Eröffnung des ersten Outdoor-Beton-Skateparks Afghanistans auch die deutsche Bundeskanzlerin einladen. Als Dr. Angela Merkel Vorsitzende der CDU war, hatte sie sich fest vorgenommen, in Afghanistan die erste Schule (Pahlewan Piri in der Nähe von Herat) zu besuchen und zu eröffnen, die mit Geldern aus der CDU/CSU Fraktion finanziert wurde. Der Termin war schon mit dem deutschen Botschafter in Kabul fest vereinbart: es war der 28. August 2005. Damals kamen die vorgezogenen Bundestagswahlen dazwischen. Angela Merkel sagte uns damals ausdrücklich: Aufgeschoben heiße nicht aufgehoben.

Wir werden die Kanzlerin an diesen klaren Satz noch mal erinnern und sie zur Eröffnung der ersten Skateparks in Karoq einladen.

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