Die Grünhelme-Simbas aus dem Schwarzwald im Kongo
Kein Strom in Kibe – aber sonst ist alles in Ordnung!

10.08.2010Nun arbeiten Peter Sachse und Markus Neubert schon im dritten Monat in dem hinterletzten Dorf der Demokratischen Republik Kongo, in Kibe. Noch hinter Kamituga, was der Geburtsort und Wahlkreis des Vizegouverneurs der Provinz Süd-Kivu ist, Jean-Claude Kibala. Und Kibala ist halber Deutscher, er hat 12 Jahre in Troisdorf im Rheinland gelebt, eher er wieder zurückgegangen ist in seinen Kongo. Peter Sachse schreibt uns: „Wir haben die ersten zwei Fenstersimse betoniert, ziehen die Wände hoch, sägen die Bretter für die Dachkonstruktion. Und: unvermeidlich in der Äquatorsonne: schwitzen bei afrikanischen Urwaldtemperaturen. Markus ist voller Elan mit seinen 27 Jahren“.

Peter selbst hat sich den beachtlichen Rufnamen „Simba“ eingefangen bei den Kindern, auf Deutsch schlicht: Löwe, ein Ehrentitel also. Peter ist jetzt fast drei Monate hier am Ende der Welt und hält 54 Jahre für ein hohes Alter. Er ist nach Malaria und der täglichen Hitze manchmal müde. Immerhin kommt bei den beiden der Lokalpatriotismus auf, sie sind beide aus dem Schwarzwald (genauer Villingen/Schwenningen) gekommen und kennen sich sogar aus der Zeit dort. Sie haben beide als deutsche Vorarbeiter auf der Baustelle auch immer wieder Probleme mit der Maßgenauigkeit der kongolesischen Arbeiter. Was ist das schon, wenn eine 2,5 Meter hohe Wand 4 cm aus dem Lot ist?

Aber das Argument sticht dann, dass wir hier die gleiche Qualität aufbauen wollen für die Kongolesen wie für uns im Schwarzwald. Auch das Tempo, so Peter Sachse, sei für mitteleuropäische Vorstellungen manchmal langsam, wenn der deutsche Zimmereimeister und der Schreiner mühelos zweimal so schnell mauern und die Wand auch noch gerade wird.

Aber die Grünhelme aus dem Schwarzwald sind ja hier, um den Einheimischen hier etwas bei zu bringen. Am Beginn der Woche gibt es nach der Arbeit zur Motivation Cola und Fanta für die Arbeit, gestiftet von den Grünhelmen, denn für die meisten Arbeiter sind diese aus Bukavu eingeführten Flaschen ganz unerschwinglich und werden mit großer Freude getrunken.

Sonntag ist strikter Ruhetag. Peter Sachse: „Wir werden beide das Dorfleben genießen und sicher in die Kirche gehen“. Der Gottesdienst ist in ganz Afrika mehr als der Gottesdienst. „Er ist immer voller fröhlicher Gesänge, es wird getanzt und Musik gemacht“. Schweißgebadet sendet nach Deutschland das Grünhelme Team am Laptop via Satellit Grüße in den Schwarzwald zuerst, aber dann auch nach Deutschland. Fließendes Wasser, schreiben die beiden, gebe es in Kibe nicht, Strom aus der Steckdose auch nicht. Handyempfang – schreiben sie – gäbe es auch nicht. Aber das ist nicht ganz richtig. Es gibt mitten im Dorf einen kleinen Hügel von dem aus kann man, wenn man den Körper nicht zu sehr bewegt, auf einem Planquadrat von 1 x 1 Meter auch nach Deutschland telefonieren.

 

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