Die Grünhelme wünschen ein frohes neues Jahr!
Loslegen, anpacken, verändern – mit minimalem Verwaltungsaufwand

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer der Grünhelme, wo waren Sie am 11. September 2001, als die Türme des Word Trade Centers in New York einstürzten? Erinnern Sie den Schrecken dieser Nachricht? Es war ein Schock. Würden Christen und Muslime in Zukunft noch friedlich miteinander leben können?

„Ende 2002 hatten Rupert und ich das Komitee Cap Anamur in gute Hände übergeben. Wir wollten eigentlich ein normales Leben leben und den Ruhestand genießen. Aber die Welt war aus den Fugen geraten“, erinnert sich Christel Neudeck. Die politische Lage war dramatisch: Nach den Anschlägen vom 11. September hatte sich der Ton gegenüber Muslimen rapide verschärft. Der amerikanische Präsident George W. Bush teilte die Welt in Gut und Böse: „Wir gegen sie“. Wir, die friedlich-christliche Welt, gegen die barbarischen Muslime. Wer nicht Freund war, war Feind. Entweder oder. Liebe oder Hass. Die „Achse der Willigen“ gegen die „Achse des Bösen“. Samuel Huntingtons Theorie vom Kampf der Kulturen schien sich zu bewahrheiten und die Mehrheit schaute zu. Rupert wühlte das auf. Er wollte und konnte es nicht hinnehmen. Weitere Konferenzen zu organisieren, auf denen gemeinsam das Leid der Welt beklagt wurde, kam für Rupert nicht mehr länger infrage. Stattdessen wollte er etwas Praktisches gegen die aufkommende Angst tun. Und: Rupert und Christel wussten, dass man zusammen mit vielen Spenderinnen und Spendern viel erreichen kann.

So kam es, dass am 7. April 2003 in Troisdorf im Wohnzimmer von Christel und Rupert Freunde, Muslime, Christen und Menschen guten Willens zusammenkamen und den Verein Grünhelme gründeten. „Gemeinsam wollten wir eine neue Hilfsorganisation ins Leben rufen. Eine, die vieles anders macht als bisherige“, so Christel Neudeck. Ein Peace-Corps, in dem Christen und Muslime, Männer und Frauen, für einige Monate zusammen leben und arbeiten, Schulen, Häuser oder Kliniken bauen. Wer andere kennenlernt, so Ruperts Überzeugung, versteht ihre Situation: Verständigung statt Vorurteile. Wiederaufbau als Überwindung der Zerstörung. Klaus Töpfer sagte damals: „Je mehr Grünhelme wir in die Welt versenden, desto weniger Blauhelme brauchen wir später.“

Loslegen, anpacken, verändern – mit minimalem Verwaltungsaufwand!

Nur knapp drei Wochen nach der Gründung, am 25. April, machten sich Rupert und Josef Grundner, ein erfahrener Zimmermann, auf den Weg in den Irak – und legten in Saddam City, einem Stadtteil im Nordosten Bagdads, den Grundstein für die erste Grünhelme-Schule für 2.130 Schülerinnen und Schüler. Es folgten Projekte in Afghanistan, Kenia, Mauretanien, Ruanda, dem Kongo, Nepal und vielen weiteren Ländern. Bis heute hat sich die Arbeitsweise nicht geändert: Gemeinsam mit den Menschen vor Ort bauen wir an einer besseren Zukunft. „Handfeste Hilfe“ nannte Rupert Neudeck das. Loslegen, anpacken, verändern – mit minimalem Verwaltungsaufwand!

15 Jahre später ist der Grundgedanke der Grünhelme noch immer aktuell, in Deutschland vielleicht sogar aktueller als 2003. Seit dem Flüchtlingsschub im Herbst 2015 sehen wir auch hierzulande Angstmacherei und Hetze. Wir Grünhelme wollen das nicht hinnehmen. Wir wollen, nein, wir müssen, fortführen, was am 7. April 2003 im Wohnzimmer von Rupert und Christel begonnen hat. Ausgrenzung, Rassismus und Menschenfeindlichkeit müssen aufhören. Nur wenn wir uns mit ehrlichem Interesse begegnen, bekriegen wir uns nicht. Unsere Freiwilligen, die drei Monate ihres Lebens geben, um unter schwierigen Bedingungen zu leben, stoßen auf Menschen, deren Sprache, Kultur und Religion ihnen fremd erscheinen mag. Doch nach wenigen Wochen werden sie nicht selten zu Freunden. Der Abschied fällt beiden Seiten oft wirklich schwer. „Wann kommst du wieder?“, werden unsere Freiwilligen oft gefragt. Dank moderner Kommunikationsmittel lässt sich der Kontakt glücklicherweise aufrechterhalten.

Verständigung, das zeigen unsere Projekte, beginnt schon im Detail. Beim Salz, das man dem neuen Nachbarn leiht. Beim Lächeln, das man der fremden Frau im Bus schenkt. Beim Versuch, die Begrüßung in der Sprache des Anderen zu sagen. Aus diesem Grund sind wir überzeugt, dass auch fernab der Entwicklungsprojekte im Ausland jede und jeder etwas beitragen kann. Natürlich freuen wir uns über alle, die selbst bei uns mit anpacken wollen oder uns mit ihrer Spende unterstützen.

Lassen Sie uns weiter gemeinsam an einer gerechteren Welt bauen!

Ohne die großzügigen Spenden und ohne die vielen tatkräftigen, motivierten Freiwilligen wären 15 Jahre Grünhelme mit Projekten in mehr als 20 Ländern nie möglich gewesen. Viele Menschen hätten nie zueinander gefunden, viele Schulen oder Wohnhäuser wären nicht gebaut worden. Dafür möchten wir Ihnen unser aufrichtiges Dankeschön sagen.

In vielen Bereichen hat sich unsere Welt verbessert. Immer mehr Kinder, auch Mädchen, können heutzutage eine Schule besuchen. Die Kindersterblichkeit ist stark zurückgegangen. Dennoch dürfen wir uns auf diesen Erfolgen nicht ausruhen. Laut Welthunger-Index 2018 ist die Zahl der akut hungernden Menschen in den letzten zwei Jahren seit langem wieder deutlich gestiegen. Auch die Anzahl der Kriege hat in den vergangenen 15 Jahren wieder stark zugenommen.

Wir dürfen uns nicht abschotten von dem Elend. Armut, Gewalt und Ungerechtigkeit existieren nach wie vor. Die Grünhelme wählten die Farbe der Hoffnung für ihren Namen, weil sie an das Gute im Menschen glauben. Lassen Sie uns weiter gemeinsam an einer gerechteren Welt bauen.

Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien ein frohes neues Jahr!

Mit herzlichen Grüßen

Martin Mikat (Vorsitzender)
Max Werlein (Stv. Vorsitzender)

 

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