Die Lage wird immer schlechter

22.09.2014_2Besonders die Nordirakische Region Duhok ist mit ihren 500.000 zusätzlichen Flüchtlingen überfordert. Die erste Versorgung und die Unterbringung in Notunterkünften wie Schulen und Baustellen ist gut gelaufen, aber Notunterkünfte sind keine Dauerlösung und vor allem sind sie nicht herbst- bzw. winterfest.

Zwar plant die Regierung von Duhok möglichst bald 15 große Flüchtlingscamps zu bauen, bislang sind aber erst acht dieser vorgesehenen Camps an potentielle Träger übergeben worden und erst ein Camp konnte gänzlich fertiggestellt werden. Zwei weitere werden Ende Oktober fertig werden. Sicher werden aber selbst die geplanten 15 Camps nicht ausreichen um alle Flüchtlinge unterzubringen, da sich erst acht dieser Camps in der Umsetzung befinden, verschärft sich die Situation zunehmend.

Wenn weitere Unterbringungen für die Flüchtlinge geschaffen werden, können endlich die momentan besetzten Schulen und anschließend alle notdürftig bewohnten Baustellen geräumt werden. Die Menschen, die in den Parks und auf Freiflächen in oder um die Stadt in Zelten leben, kommen als letzte dran. Die temporären Zeltlager werden aller Vorausicht nach noch mindestens 3 Monate stehen bleiben – andere Hilfsorganisationen vor Ort bestätigen diese Befürchtung und gehen teilweise sogar von 6 Monaten aus.

Begonnen haben wir Grünhelme unsere Arbeit im Camp Dallal auf einem Berg in Zakho. Dort leben rund 4.800 Flüchtlinge in 800 Zelten, täglich werden es mehr. Bei unserer Ankunft war die sanitäre Situation in diesem Camp katastrophal. Es gab lediglich sechs ordentliche und fünf provisorische Toiletten – davon waren alle im höchst unhygienischen und somit gesundheitsgefährdenden Zustand. Die meisten Menschen verrichten ihr Geschäft einfach am Rand des Flüchtlingslagers. Um die sanitäre Situation etwas zu entschärfen, haben wir Grünhelme und einige Flüchtlinge mit dem Bau von 26 zusätzlichen Toiletten und den entsprechenden septischen Tanks begonnen. Dabei haben wir darauf geachtet, dass die Toiletten und die septischen Tanks aus der Erde herausragen und so vor einer Flutung durch Regen geschützt sind – denn der Winter kommt und vorher noch der regnerische Herbst. Bisher hatten wir Glück. Normalerweise gibt es hier schon ab Mitte September heftige Regenfälle, wenn der Boden die bevorstehenden Wassermassen nicht aufnehmen kann, würde das Regenwasser flutartig alle Zelte mit sich reißen.

Allen Zeltlagern steht dieses Problem bevor, aber das Camp Dallal ist durch seine Hanglage besonders gefährdet. Wenn es hier regnet, werden die Hänge zu Wasserfällen, die den trockenen Boden in eine große Schlammrutsche verwandeln. Die Zelte würden größtenteils einfach weggespült und überall würde das Wasser eindringen, da nur die wenigsten Zelte auf einer Plane stehen um den Innenraum vom Erdreich zu trennen. Bei Starkregen sind aber selbst Planen kein Schutz gegen das Eindringen des Wassers. Die wenigen Matratzen im Camp werden ebenfalls schnell durchnässen und nur schwer wieder trocknen. Nur jeder fünfte besitzt überhaupt eine Matratze, es gibt Familien, die sich zu vierzehnt eine teilen müssen. Als das Camp aufgebaut wurde, sind die Zelte verteilt worden ohne an Rettungswege zu denken. So stehen die Zelte viel zu dicht beieinander. Nach unseren Informationen sind die Zelte nicht feuerfest, wodurch leicht ausbrechendes Feuer schnell auf andere Zelte übergreift.

Das Camp muss dringend umstrukturiert werden. Es müssen Rettungswege angelegt werden, um Zufahrten zu ermöglichen und um das Übergreifen von Feuer auf das gesamte Camp zu verhindern. Neben den Wegen müssen auch bald Kanäle gegraben werden, um das Ablaufen der Wassermassen zu gewährleisten und um möglichst viel Regenwasser von den Zelten wegzuleiten. Anschließend müssen die Zelte mindestens 20 bis 30 cm aus dem Boden angehoben werden, um damit ein Durchfeuchten des Innenraums zu verhindern.
Das sind alles Maßnahmen die relativ schnell und einfach durchzuführen sind.

Wir Grünhelme leben momentan mit den Menschen im Camp und sind bereit, sofort loszulegen. Damit wir beginnen können, brauchen wir erfahrene Bauhandwerker, Bauingenieure, Bautechniker oder Architekten, die mit uns im Projekt arbeiten. Im ganzen Land fehlt es außerdem an medizinischem Personal wie Ärzten, Krankenschwestern, Krankenpflegern und Psychologen. Zusätzlich brauchen wir Menschen, die Kurdisch sprechen. Immer, aber ganz besonders für dieses Projekt, sind auch weibliche Freiwillige besonders wichtig, da nur so der Kontakt zu den Frauen im Camp hergestellt werden kann.

Gestern hat es zum ersten Mal in der Nacht leicht geregnet, berichtet uns unser Grünhelm aus dem Camp. Dabei sind die ersten Frauen, Männer und Kinder in ihren Zelten nass geworden. Es wird Zeit zu handeln! Allein für das Camp Dallal brauchen wir:
– Ca. 60.000 Vollbetonsteine für die Zeltbefestigung
– Mehrere 100 m³ Kies für die Rettungswege und als Drainage für die Zeltentwässerung
– 13.000 m² Folie als Kapillarbrechendeschicht (Schutz gegen aufsteigendes Wasser)
– 13.000 m² Dämmplatten für den Boden

Alle Umbaumaßnahmen benötigen viel Baumaterial und die Menschen wollen beginnen. Ein Flüchtling sagte uns:

„Hätten wir schon Steine bekommen, wir hätten schon lange angefangen unsere Zelte selber zu befestigen.“

Dafür können sie uns mit ihrer Spende unterstützen.
Spenden gehen an das folgende Konto:

Spendenkonto Grünhelme e.V.

Kto-Nr: 1070000
BLZ: 43060967
IBAN: DE62 4306 0967 0001 0700 00
BIC: GENODEM1GLS
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