Die Regenzeit, keine Straßen und der Aufbau von Schulen
Nach einer Reise in die Kongo Provinz Süd-Kivu

07.03.2012_2Es gibt keine Straßen im Kongo. Wer soll das in Deutschland verstehen? Hier bei uns gibt es einfach Straßen, das schlimmste, was saisonal auftreten kann sind Frostschäden und Bauarbeiten bei der Erweiterung von Straßen. Das ist im Kongo, der so groß ist wie West- und Mitteleuropa zusammen anders. Hier hat der dreißig Jahre das Land kaputt regierende Sese Seko Mobutu die Straßen nicht nur nicht erhalten, er hat auch einige zerstört. Seine einzige Angst galt in 30 Jahren einem Militärputsch. Generäle und Militärs brauchen für einen Putsch Straßen, auf denen sie marschieren und fahren können, sonst läuft sich der Putsch tot. So ist die Demokratische Republik Kongo das einzige Land, durch das man im Wortsinn nicht fahren kann.

Deshalb ist die Strecke, die die Grünhelme Mitarbeiter von Bukavu (Hauptstadt der Provinz Süd-Kivu) bis Kamituga und weiter nach Kitutu machen müssen eine reine Schlammschlacht in den Monaten der kleinen Regenzeit, das heißt Februar bis April. Nur LKW Vierrad-angetriebene Geländewagen und eine Menge quirliger Motorräder dürfen sich dann auf diese Piste wagen. Es sieht diese sog. Straße an vier Stellen aus wie ein Schlachtfeld, auf denen diese LKW und Geländewagen mit riesiger Kraft ihren Motoren und den Rädern, den Achsen und den Bremsen alles zumuten, was kein Autobesitzer in Deutschland wagen würde seinem Auto anzutun. Und so geschah es denn auch am 2. März, dass bei einer dieser Schlammwüsten in der Straße einem LKW die Bremse riss und 15 Kongolesen schwerverletzt in das Krankenhaus Kamituga durch die Schlammpiste gefahren wurden.

Ohne eine Rehabilitation des Straßennetzes und der Energieversorgung wird es keinen wirtschaftlichen Aufschwung in Kongo geben. Der Beweis liegt an der einzigen Strecke zutage, wenn wir nach Kamituga auf dem Wege nach Kibe die von den Chinesen gebaute Schotterstraße in großer Schnelligkeit hinter uns bringen können, kein Loch, es gibt die kleinen Brücken und Wasserrohre, die diese chinesische Straße sicher machen.

Es gibt keine Situation, die diese Kongolesen in Verzweiflung und Trauer versinken lässt. Die Vorurteilsschablone, die Afrikaner seien faul und hätten deshalb aus ihrem Kontinent nichts gemacht, wird einem hier bei einem Schlammlochengpass , durch das LKW, Motorräder und Autos durchfahren schlüpfen müssen, radikal aus der Hand und aus dem Kopf geschlagen.

Die Tatsache, dass es seit den Zeiten von Mobutu Sese Seko keinen Staat mehr gibt, hat zu einer Deformation der Mentalität der Kongolesen geführt. Sie tun etwas nur für sich selbst. Die Straße vor dem Haus mag zu einem Schlammloch gewachsen sein, sie wird nicht wenigstens notdürftig repariert. Wenn das mal geschieht, fällt es so auf, dass man der kleinen Gemeinde, Kitutu einen Orden oder den alternativen Nobelpreis geben möchte. Dort war auf der sogenannten „Route Nationale Nr. 2“, wie diese Schlammpiste euphemistisch immer noch heißt, auch ein riesen Loch aus Schlamm und dreckigem Lehm und weichem Untergrund entstanden, in dem alle LKW tagelang drin steckten, bevor sie herausgeholt wurden. Unverständlich, dass Mobutu auf allen staatlichen Postern in der Ahnenreihe des unabhängigen Kongo immer noch neben Patrice Lumumba, dem charismatischen Befreier auftaucht. Als ob es nicht dieser Mobutu war, der in Kumpanei mit dem CIA den Lumumba ermorden und den Staat später zugrunde gehen ließ: Nach mir die Sintflut.

Der Transport von Baumaterialien von Bukavu nach Kamituga und Kitutu kostet jetzt schon 2100.-US-Dollar. Da es den Staat noch nicht gibt, kann auch die Entwicklungshilfe nicht greifen. Es gibt keine Sorge für irgendetwas, was ein Gemeinwohl darstellt. Deshalb ist die Einrichtung von Schulen so wichtig. Der Direktor des Hospitals von Kamituga sagt mir, die Bevölkerung wäre voller Bewunderung für die Schulen, die die Grünhelme gemacht haben: Es sei seit der Gründung des Staates vom Staat noch nie eine Schule gebaut worden.

Die Schule in Kasika war 2009 die erste der Grünhelme, ein Gymnasium, das schon lange am Netz ist. Die Schule in Kibe die zweite, die ganz vom Rotary Club in Troisdorf gefördert wurde. Die Schule in Mero Kamituga ist eine sehr ehrgeizige für über tausend Schülerinnen und Schüler, die in fünf Gebäuden fertig werden soll 2012. Zwei Gebäude stehen schon und werden von den Schulklassen schon benutzt. Das Dritte Gebäude wartet auf sein Dach und das vierte und fünfte wird kommen.

Diese Gebäude werden die Schulsituation für Kamituga verbessern. Zwei Gebäude wurden von der Gemeinde Haltern finanziert, zwei weitere von einer Familie in Berlin, die 45.000 Euro zusammengebracht hat und ihr Gebäude Nelson Mandela Schule genannt hat. Erfreulich ist es, dass die Sicherheitssituation sich drastisch gebessert hat. Was noch nicht heißt, dass sie gut ist. Es gibt weiter versprengte bewaffnete Banden, auch mit Kindersoldaten in den in die Unendlichkeit ausgegossenen Regenwäldern des Kongo, auch im Süd-Kivu.

Aber diese Milizen, auch die gefürchtete Mord und Terror Bande der FDLR, die von den Völkermörder-Milizen aus Ruanda gegründet wurden, haben nicht mehr die Kraft zu selbständigen Operationen. Von Zeit zu Zeit überfallen sie noch ein Dorf, klauen schnell alles, was sie an Essbarem finden und verschwinden so schnell wie möglich. Denn die Kongo Armee ist nicht gut geworden, aber immerhin kann sie in einer Stunde in diesen Dörfern sein und dem Terror ein Ende bereiten. Die Menschen warten auf ein Ergebnis des Prozesses, der in Mannheim gegen den Führer der FDLR, Ignace Murwanashyaka, geführt wird, der nunmehr bald in sein zweites Jahr geht.

 

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