Ein Jahr handfeste Hilfe auf den Philippinen

03.02.2015Im November 2013 wütete der Supertyphoon Hayan (Yolanda, wie er auf den Philippinen genannt wird) auf den Philippinen und hat große Teile von Leyte, Samar und Cebu verwüstet. Die Stadt Tacloban auf Leyte hat es ganz besonders schlimm getroffen. Hier hat neben den Sturmschäden vor allem eine Flutwelle großen Schaden angerichtet. Hunderttausende verloren ihr Zuhause und tausende ihr Leben.

Für mehrere Tage gab es kein Durchkommen für Helfer und für über ein halbes Jahr keinen Strom. Einige kleine Dörfer haben bis heute keinen Anschluss an Elektrizität. Trotz der vielen Spenden und der Aufbauhilfe ist vieles noch nicht wieder repariert. Grund dafür ist die weit verbreitete Korruption. Viele der Gelder aus dem Ausland, aber auch Hilfsgüter, sind in diesem Sumpf versunken. Wir Grünhelme konnten schon einige Tage nach dem Typhoon Dr. Johannes Meixner nach Leyte schicken um den örtlichen Medizinern unter die Arme zu greifen. Dabei sind wir unsere Linie treu geblieben, nicht dort zu arbeiten, wo sich die Hilfe aller Organisationen konzentriert. Deswegen fiel unsere Wahl nicht auf Tacloban, sondern auf Palompon auf der anderen Seite der Insel Leyte. Dort half Dr. Johannes Meixner in einem Krankenhaus die Patienten zu versorgen.

Dabei lernten wir die starke Frau Blitz Martinez und ihr große Familie kennen. Aus dieser Bekanntschaft sollte bis zum Ende unseres Projektes eine feste Freundschaft entstehen. Blitz startete einen Aufruf an Rupert Neudeck und schon drei Tage später stand das erste Grünhelme-Team vor der Tür. Drei Projekte sind daraufhin in der Region Palompon umgesetzt worden. Wir haben 25 Häuser im Barangay (Dorfgemeinschaft) Cambinoy, 25 Häuser im Barangay Buenavista und 6 Häuser für die Menschen vom Ecopark, der Müllhalde von Palompon, gebaut.

Bei diesen Projekten war uns wichtig, die Dorfgemeinschaft miteinzubinden. Deswegen musste das Dorf selber entscheiden, wer die 25 Häuser am dringensten benötigt. Die Begünstigten mussten im Anschluss an das Projekt 40 Stunden gemeinnützige Arbeit für ihre Gemeinde leisten, um die Auswahl etwas gerechter zu machen. In Cambinoy wurde die Straße ausgebessert, der Müll zusammengesammelt und große Müllbehälter gebaut.

In Buenavista wurde die Straße gesäubert und das vom Sturm komplett verwüstete Schulgelände aufgeräumt. Alle unsere Häuser sind im Bayanihan-System entstanden. Bayanihan ist das philippinische Wort für Nachbarschaftshilfe. So haben alle an allen Häusern mitgewirkt und gemeinsam haben wir unsere Projekte fertiggestellt.

Nach den ersten drei Projekten um Palompon stellte sich heraus, dass die meisten ihre Häuser wieder aufgebaut oder zumindest angefangen hatten sie wieder zu errichten. Deshalb setzten wir unserer Arbeit in Matag-Ob fort, eine Region im Inneren der Insel Leyte. Dort in einem Bergdorf, das – ca. 45 Minuten von der Hauptstraße entfernt – nur mit einem 4×4 Geländewagen zu erreichen ist, fragten wir den Barangy Captain, was wir für sein Dorf Masaba II an Hilfe leisten könnten. Auch hier waren die Häuser größten Teils bereits wieder aufgebaut. Aber für die stark beschädigte Schule war ein zeitnaher Wiederaufbau nicht in Sicht.

Der Regierungsbezirk Matag-Ob gehört zu den ärmsten Regionen auf der Insel Leyte. Hier stützt sich die Wirtschaft fast ausschließlich auf den Anbau von Kokosnüssen und Reis. Nun hat der Typhoon aber 90% der Palmenbestände auf einen Schlag vernichtet und eine volle Ernte wird wohl erst wieder frühestens in 5 Jahren möglich sein. Somit stehen die meisten Familien in Matag-Ob nun am Rande Ihrer Existenz .

In unsern ersten Projekten konnten die Menschen ihren Lebensunterhalt durch die Fischerei und Gelegenheitsjobs in der nahen Palompon-Stadt bestreiten. Diese Möglichkeit gibt es in Masaba II nicht. Auch der Anbau von Gemüse lohnt sich nur für den Eigenverzehr, da die Kosten für den beschwerlichen Ernte-Transport bis hinunter ins Tal jeden Gewinn übersteigen. Nach erster Begutachtung der alten Schule wurde schnell klar, dass das Bestandsgebäude in einem sehr desolaten Zustand ist und ein Neubau daher sinnvoller als eine Reparatur erscheint. Nach gut sechs Monaten anstrengender Bauarbeiten war es dann soweit, die Schule konnte an die vier Lehrer und Lehrerinnen übergeben werden. Auch diese Schule wurde im Bayanihan-System gebaut. Wir Grünhelme haben lediglich Fachpersonal und das Baumaterial gestellt.

Hier oben in den Bergen waren die Menschen besonders engagiert und brachten viele eigene Ideen aber vor allem sehr viel Eigeninitiative ein. Selten waren zu wenig Freiwillige da um die Schule zu errichten. Auch das Miteinander war sehr schön. Gewohnt haben unsere Grünhelme in der Barangay Hall, also dem kleinen Gemeindezentrum, gekocht wurde in der Gemeinschaftsküche des Dorfes. Zusätzlich haben wir Grünhelme gemeinsam mit dem Dorf zu Mittag gegessen. Dazu waren jeden Tag zwei Frauen in der Gemeinschaftsküche. Reis haben die Grünhelme bezahlt und die Zutaten, meist Gemüse, kam von der Dorfgemeinschaft.

Durch die solide Bauweise aus Stahlbeton wurde die Schule beim letzten großen Typhoon „Ruby“ zusätzlich von den umliegenden Dörfern und von Masaba II als Zufluchtsort für die Evakuierung aller Menschen genutzt. 241 Personen fanden während dem Sturm Zuflucht in der Schule. Ein weiteres Projekt der Grünhelme auf den Philippinen wurde parallel zu der Schule auf Bantayan angefangen. Viele kleine Inseln sind der Hauptinsel Bantayan vorgelagert. Obwohl Bantayan schon zu den Tourismus-Gebieten zählt, sind die Menschen besonders auf den kleinen Inseln sehr arm. Dort gibt es weder Süßwasser noch Strom und bei unserem ersten Besuch auf den Inseln lebten die Menschen größtenteils noch in Zelten.

Hier haben wir nochmals 20 Häuser im Bayanihan-System gebaut. Viele Menschen mussten aber ihre Grundstücke verlassen, da nach dem Typhoon Yolanda ein Gesetz erlassen wurde, welches eine No-Build-Zone vorsieht. Danach dürfen auf einem 50 Meter breiten Streifen am Strand keine Gebäude mehr errichtet werden. Durch eine großzügige Spende des örtlichen Barangay Captains konnten wir die 20 Häuser 100 Meter ins Innere der Insel stellen.

Bei meinem Besuch vom 27.12.2014 bis zum 07.01.2015 konnte ich mich überzeugen, dass alle unsere 76 Häuser in einem guten Zustand sind. Viele haben an ihre Häuser angebaut, sie gestrichen und sie schön eingerichtet. Alle sind begeistert und von der Stabilität unserer Häuser überzeugt.

Das alles wäre ohne ihre großzügigen Spenden für die Menschen auf den Philippinen nicht möglich gewesen. Die Dankbarkeit der Bewohner und der Menschen aus Masaba kennt keine Grenzen:

“Thank you very much, we will never forget you!

Ich möchte mich hier im Namen aller Menschen aus Cambinoy, Buenavista, Ecopark, Masaba und Bantayan bei unseren tollen Freiwilligen bedanken, die dieses Projekt mit und für uns umgesetzt haben.
Andreas Spath, Steffen Kucewski, Andrea Kaempf, Hannes Zahner, Mario Bruss, Fabian Leipold, Moritz Faude, Ken Frege, Ina Güdelhöfer, Philipp Kraus und Herman Dresbeimdike!!!