Ein voller Erfolg!
Senegal: Grünhelme bauten 2017 ein Geburtshaus in Kougnara – eine Bestandsaufnahme

09.05.2019_01Knapp eineinhalb Jahre nach Fertigstellung und Einweihung des Geburtshauses Kougnara durch die Grünhelme konnte ich der Station einen (unangemeldeten) Besuch abstatten. Ich war sehr neugierig, in welchem Zustand sich die Geburtsstation befindet und ob sie weiterhin so gut besucht ist, wie in den ersten Wochen.

Zu meiner großen Freude durfte ich feststellen, dass alles sehr sauber und gepflegt dasteht. Mir wurde stolz vorgeführt, dass alles funktioniert, einschließlich der solarbetriebenen Wasserpumpe und der Heißwasseranlage. Allerdings seien im Lauf der Zeit zwei Neonröhren im Warteraum durchgebrannt und sie hätten noch keinen Ersatz beschaffen können. Hiermit ein ganz großes Lob an all diejenigen, die täglich dort arbeiten und sich um die Station kümmern!

Das geht sicher nicht ohne die Unterstützung der Menschen von ganz Kougnara. Es ist wundervoll zu sehen, wie es die Grünhelme durch den Bau gemeinsam mit der aktiven Teilnahme der Menschen vor Ort geschafft haben, dass es wirklich IHRE Geburtsstation ist, auf die sie stolz sind und die dementsprechend gepflegt wird.

Die Station hat sich, vom Bedarf gedrungen, von einer reinen Geburtsstation zu einem Gesundheitsposten gemausert und versorgt inzwischen 4676 Einwohner aus fünf im Umkreis von 15 Kilometern liegenden Dörfern. Teilweise kommen die Patienten von noch weiter her, wie mir die Hebamme Massiré Diatta erklärte. Ich traf sie und ihre Helfer bei der täglichen Impfsprechstunde für Mütter und Kinder unter 5 Jahren. „Jetzt, am Ende der Trockenzeit, ist es so heiß hier, dass es nur unter dem großen Mangobaum etwas kühler ist.“ Hier werden die Kinder nach dem nationalen Impfplan gegen inzwischen 10 Krankheiten geimpft, die Mütter zusätzlich noch gegen Tetanus. Zu ihrem eigenen Schutz, der aber auch, ab der dritten Impfung, das Neugeborene schützt. Jede Impfung wird gewissenhaft im Gesundheitspass eingetragen.

Neben Frau Diatta arbeiten in der Gesundheitsstation noch zwei angelernte Geburtshelferinnen und zwei traditionelle Hebammen. Zusammen führen sie bis zu 10 Geburten pro Monat im Entbindungsraum durch, unterstützen aber auch Hausgeburten. Sogar drei Zwillingspärchen konnten im letzten halben Jahr geboren werden. Neben der geburtshilflichen Arbeit und der Impfsprechstunde führen die Fünf auch Schwangerenvorsorge und -nachsorge aus, testen auf spezifische Infektionen und die werdenden Mütter erhalten regelmäßig Medikamente zur Malariaprävention. Daneben werden in abwechselnder Reihenfolge die umliegenden Dörfer besucht um mit Hilfe von Ältesten, Dorfvorstehern, religiösen Führern und Lehrern über die Wichtigkeit von Impfungen, Schwangerenvorsorge, Hygiene, ausgewogener Ernährung und die Vorteile von Muttermilch für die Neugeborenen zu informieren. Dabei werden imprägnierte Moskitonetze verteilt.

Dank dieser Interventionen stellt, laut Frau Diatta, Malaria kein Problem mehr für die Schwangeren und die Neugeborenen dar und alle Mütter, deren Geburten sie begleiteten, still(t)en ihre Kinder ausschließlich für die ersten sechs Monate.

Obwohl eine milde Form eines Schwangerschafts-Bluthochdruckes in der Geburtsstation behandelt werden kann, kam es aber trotzdem noch zu einigen Zwischenfällen durch sehr gefährliche Hochdruck-Krisen, die eine sofortige Entbindung, eventuell durch Kaiserschnitt, erforderten. Da der Station ein Krankenwagen immer noch nicht zur Verfügung steht und das nächste Krankenhaus fast 100 Kilometer entfernt in Ziguinchor ist, konnten zwei Kinder nicht gerettet werden.

Pro Monat kommen auch etwa 30 Kinder unter fünf Jahren zur Untersuchung und Behandlung in die Gesundheitsstation. In dringenden Fällen werden auch erwachsene Patienten behandelt. Dafür wünscht sich Frau Diatta noch einen zusätzlichen Raum, in dem einige Betten stehen, damit Patienten dort versorgt werden können, bis ein Transport in ein Krankenhaus möglich ist.

Ich bin sehr beeindruckt von diesem Projekt und möchte all den Menschen aus tiefstem Herzen danken, die dieses Projekt ermöglicht haben und denen, die es so gut weiterführen!

Henrik Sauer

 

Posted in Senegal