Eine Autowerkstatt für die Menschen im Senegal
Grünhelme starten neues Hilfsprojekt für junge Kfz-Mechaniker

12.04.2016_01Die Grünhelme starten ein neues Projekt für junge Kfz-Mechaniker im Senegal. Ende Februar reisten unser Vorsitzender Martin Mikat mit unserem Mitarbeiter Thomas Hummel in der Region Casamance, um die Voraussetzungen für das Vorhaben auszuloten. Der Plan: Eine Autowerkstatt in der Stadt Ziguinchor aufzubauen, in der junge Menschen künftig zu Kfz-Mechanikern ausgebildet werden können. Neben den vielen alten Autos sollen in der Ausbildungswerkstatt künftig auch die neueren Fahrzeugmodelle repariert werden können – dies wäre in der Region eine absolute Sensation. Bislang sind Reparaturen neuerer Automodelle nahezu unmöglich, da es an technisch gut ausgestatteten Werkstätten mangelt. Die im Südsenegal liegende Region Casamance gilt als besonders arm und wirtschaftlich weit abgeschlagen.

Am 17. April starten unsere die Arbeiten im Senegal. Zunächst werden die Grünhelme ein Gebäude für die Autowerkstatt aufbauen, bevor die voll ausgestattete Autowerkstatt installiert werden kann. Zum Inventar der Werkstatt gehören unter anderem eine Hebebühne, eine Felgenauswuchtmaschine und das notwendige Werkzeug. Umgesetzt wird das Projekt mit Unterstützung des katholischen Spiritaner-Ordens und des Abts Jean-Baptist. Die Spiritaner sind in Ziguinchor ausgezeichnet vernetzt und betreiben in der Stadt bereits mehrere medizinische Einrichtungen und Schulen – unter anderem eine École Technique, in der Elektrotechnik und Metallbau unterrichtet wird.

Geplant ist, dass die Grünhelme den Betrieb der neuen Ausbildungsstätte mit einem Ausbilder und entsprechenden Lehrmaterialien unterstützen. Nach einem Jahr soll die École Technique die Verantwortung für die theoretische und praktische Ausbildung der neuen Kfz-Schüler selbst übernehmen. Da die Ausbildung an der École-Technique in der Regel Geld kostet, wird ein bereits existierendes Stipendienprogramm erweitert, um auch benachteiligten Jugendlichen eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Die finanziellen Mittel hierfür sollen u. a. über die Gewinne einer Tankstelle generiert werden, die der Orden gemeinsam mit einem Partner vor Ort aufbauen wird. Sowohl die Werkstatt als auch die Tankstelle sollen sich selbst tragen.

Abt Jean-Baptist und die Gemeinde in Ziguinchor sind von der Idee einer neuen Ausbildungswerkstatt begeistert, denn die Nachfrage an gut ausgebildeten Kfz-Mechanikern in der Region steigt. Aufgrund eines Gesetzes, das den Import von Autos verbietet, die älter als acht Jahre sind, wächst der Bedarf an fachkundigen Reparaturen älterer Autos. Gleichzeitig werden viele neue Fahrzeugmodelle auf den Markt kommen, für die ebenfalls eine Reparaturwerkstatt benötigt wird. Hier mangelt es bislang vor allem an Möglichkeiten, Fehler in der Bord-Elektronik auslesen und beheben zu können. Ein wichtiger Ausbildungsschwerpunkt wird daher sein, die jungen Kfz-Schüler für die Reparatur von neuen Fahrzeugmodellen auszubilden.

Auch der Grünhelme-Vorsitzende Martin Mikat ist von diesen Projekt begeistert und betont, dass eine gut ausgerüstete Ausbildungswerkstatt eine große Chance für die Region sei: „Junge Automechaniker hervorragend auszubilden und ihnen damit eine echte Zukunftsperspektive zu geben, das ist unser Ziel.“ Besonders freue ihn jedoch die Unterstützung der muslimischen Gemeinde in Ziguinchor. Rund 75 Prozent der Bevölkerung in Ziguinchor ist muslimisch; nur eine kleine Minderheit ist christlich. „Für uns Grünhelme ist es wichtig, dass die neue Ausbildungswerkstatt allen Menschen offen stehen – egal, ob sie der christlichen oder muslimischen oder einer anderen Glaubensgemeinschaft angehören. Denn schließlich wollen wir mit unserer Arbeit auch ein starkes Signal für den interkonfessionellen Dialog in der Region setzen“, so Mikat weiter.

Die Ausrüstung und das Equipment für die neue Kfz-Werkstatt wurden vor knapp drei Jahren von der deutschen Firma Nussbaum gestiftet. Anfangs sollte mit dem Equipment eine Autowerkstatt im mauretanischen Nouadhibou ausgerüstet werden. Aufgrund verschiedener Abstimmungsschwierigkeiten mit den Partnern vor Ort, hatte sich die Umsetzung des Stiftungsprojekts immer wieder verzögert. Deshalb hatten sich die Grünhelme vor einem Jahr dazu entschieden, dass Projekt in den Senegal zu verlagern. Eine Hauptschwierigkeit bestand darin, den richtigen Ort – und vor allem einen zuverlässigen Partner für die Ausbildungswerkstatt zu finden. Mit dem Spiritaner-Orden und Abt Jean-Baptist haben die Grünhelme endlich die richtigen Partner gefunden, mit denen ein solches Projekt nachhaltig umgesetzt werden kann.

Auch wenn die Reise für unsere Grünhelme kurz und herausfordernd war, kamen die beiden Mitarbeiter mit einem äußerst positiven Eindruck von ihrer Erkundungsreise zurück. Die große Gastfreundschaft und Herzlichkeit, mit der die Grünhelme im Senegal empfangen wurden, versprechen schon jetzt ein erfolgreiches Projekt. Nun heißt es: „ Ärmel hochgekrempelt und ran an die Arbeit“.

 

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