Eine Gesundheitsstation für Flüchtlinge in Nador
Projektabschluss der Grünhelme in Marokko

16.12.2015_1Im Jahre 2014 führt Rupert Neudeck eine Erkundungsreise nach Melilla, einer autonomen spanischen Exklave an der Mittelmeerküste Afrikas, nahe der Straße von Gibraltar. Eigentlich wollte man hier die Möglichkeiten eines Hilfsprojekts ausloten, doch in der nur 12 Kilometer entfernten marokkanischen Stadt Nador war Hilfe noch nötiger.

Im dortigen berühmt, berüchtigten Wald Gourougourou informierten sich die Grünhelme über die schwierige Situation der Flüchtlinge aus afrikanischen bzw. subsaharischen Ländern. Diese sammelten sich dort zu Hunderten, um den riesigen Zaun nach Mellia zu überwinden und dann Asyl zu beantragen. Doch mit roher Gewalt und Willkür wird gegen die Flüchtlinge vorgegangen. Auf einem Berg hausten die Menschen unter Planen in Erdlöchern. Vergewaltigung und Kriminalität waren an der Tagesordnung. Nur Pater Esteban Velázquez half dort notdürftig mit seinen Krankenschwestern und bot vor allem Frauen ein Mindestmaß an medizinischer Hilfe bzw. vermittelte diese in eine Stadtklinik nach Nador.

Nach der Analyse vor Ort und Gesprächen mit Pater Esteban beschlossen die Grünhelme, eine Art kleinere Gesundheitsstation aufzubauen, um dieser Hilfe passenden Raum zu geben. So erreichten die ersten Grünhelme Nador, später folgte Thomas Just und übernahm die finale Projektkoordination. Wie immer bei solchen schwierigen Projekten wurden auch hier die Bauarbeiten mehrmals unterbrochen. Es gab Lieferprobleme beim Baumaterial, „unvorhergesehene Überraschungen“ bremsten unseren Zeitplan und die Arbeitsweisen vor Ort entsprachen nicht immer unseren Vorstellungen. Doch mittlerweile und nach einer viermonatigen Bauphase sind hier nun neue, lichtdurchflutete Räumlichkeiten für hilfsbedürftige Migranten entstanden!

Die letzten beiden Grünhelme vor Ort, Elisa Rose und Stefan Schmidt, haben so eine Erweiterung dieser Sozialstation erreicht und gemeinsam mit der Delegation der Migranten in Nador betreut. „In der Endphase haben wir neben dem Bau die Arbeit der Delegation weiter begleitet und unterstützt. Die Menschen und einzelne Schicksal wachsen einem dabei sehr ans Herz“ schreiben Stefan und Elisa und ergänzen: „Menschen, deren humanitäre Rechte verletzt werden, bekommen so Gesichter und Namen.“

Dieses Projekt haben wir geschafft. Doch werden die Grünhelme in einem solchen Schwerpunktland wie Marokko weiter machen? Wir hatten zwischendurch die Idee, unsere alte Ruanda- und Mauretanienkonzeption wieder aufzulegen, um für junge Marokkaner und junge Migranten mit marokkanischen Berufsschullehrern eine funktionierende Berufsausbildung zu organisieren. „Dazu brauchen wir als kleine NGO aber eine höchste Absicherung, entweder durch einen Kontakt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung oder des Auswärtigen Amtes“ erklärt Rupert Neudeck und fügt eindringlich hinzu: „Das Land ist vollgestopft mit Migranten. Es könnte der Regierung doch nur recht sein, wenn sie eine praktische Hilfestellung bei der Ausbildung dieser jungen Afrikaner aus über 25 afrikanischen Ländern bekommen kann! Nur das ermöglicht den jungen Menschen eine Perspektive!“

In der Hoffnung auf eine solche Projektperspektive gilt es jedoch nun erstmal von Marokko und der schwierigen Situation zwischen der altkolonialen Enklave Melilla und der großen Region um Nador Abschied zu nehmen. Vielleicht lässt sich im Jahr 2016 etwas Neues aufbauen, wir Grünhelme werden nicht locker lassen!

WE BUILD A FAIR WORLD.

Rupert Neudeck, Elisa Rose und Stefan Schmidt

 

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