Endspurt in Phulping
Gemeinsam mit einem LKW durch Nepals Schlamm

03.02.2017_06Endspurt in Phulping. Ein Haus ist komplett fertig: Mauern, Tür, Ringanker und Dach stehen, die Familie ist bereits eingezogen. 13 weitere Häuser haben ebenfalls ein fertiges Dach und warten nun darauf, endlich bezogen zu werden. Dann setzt unerwartet Regen in der Trockenzeit ein. Schlammige Straßen und ein LKW mit 100 Fuß³ Holz für die Dächer auf dem Weg von Chautara nach Phulping. Es regnet und es ist bereits stockdunkel als die Fahrer Sita Ram und Sumron mit dem Übersetzer Sachin und den beiden Grünhelmen Larissa und Nina im Schlamm stecken bleiben – und das nur 500 Meter vor dem Ziel. Nichts geht mehr. Der LKW steht quer auf der Straße, tief eingegraben im Schlamm. Was nun? Aussteigen, Holz abladen, den LKW freigraben und weiterfahren? Oder lieber warten, bis es aufhört zu regnen und dann erneut einen Versuch starten, den Berg herauf zu kommen?

Die Entscheidung fällen unsere Fahrer: morgen Früh versuchen wir es noch einmal. Die Grünhelme versorgen Sita Ram und Sumron mit Keksen und Wasser und beginnen den Aufstieg nach Phulping. Sachin weist den beiden in der Dunkelheit den Weg – die Kopflampen helfen im strömenden Regen nicht viel. Es geht nur spärlich voran, einer der Grünhelme stürzt am Hang. Doch es kann weitergehen. Nach 30 Minuten erreichen sie Phulping, pitschnass und frierend geht es ins Camp. Eine warme Nudelsuppe und Tee, Klamotten wechseln und den Versuch, ein wenig zu schlafen. In der Nacht hört es dann endlich auf zu regnen.

Am nächsten Morgen geht es direkt um 6 Uhr wieder los: Die Dorfbewohner werden zusammengerufen und gemeinsam geht es den Berg hinunter Richtung LKW. Ausgerüstet mit Schaufeln und Planen – bereit, dem LKW mit Steinen und Sand einen Weg nach oben zu bahnen. Nach 250 Meter steht der LKW bereits am Berg – er hat sich freigegraben, am Morgen. Die Fahrer Sita Ram und Sumron sitzen lächelnd am Feuer, die Grünhelme atmen bereits auf, und haben kaum eine Erklärung, wie die beiden Fahrer dies bewältigt haben. Doch auch hier steckt der LKW noch fest – noch immer sind die Straßen zu schlammig. Die rettende Idee des Dorfbewohners Krishna: Sägespäne.

Drei Dorfbewohner laufen zum nächsten Haus und sammeln dort die Späne ein, die von den Arbeiten der letzten Tage herumliegen. Der Weg des LKW wird vorgestreut, es reicht nicht – Schals, Säcke, Pullover-Taschen, alles wird mit Spänen gefüllt und auf die Straße geworfen. Sita Ram versucht und schafft es: Der LKW kommt um die nächste Kurve. Dann wird der Weg erneut vorgestreut, alle Dorfbewohner schieben den LKW mit seiner Holzladung den Berg an. Sita Ram gibt das Signal: Aufspringen – den Rest schaffen wir so. Und das ganze Dorf landet auf dem LKW, gefolgt von den Grünhelmen und zwei Arbeitern, jederzeit bereit, die Straße erneut mit Sägespänen zu trocknen. Der LKW schafft es den Berg hinauf. Die Freude ist riesig und das Holz kann abgeladen werden. Noch am selben Tag werden die Binder für die nächsten Häuser fertiggestellt.

Nun heißt es aber wirklich „Endspurt in Phulping“: sieben Dächer sind noch zu stellen und 19 Türen zu bauen – hoffentlich ohne Schlamm und Regen.

 

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