Erst das Hospital, dann die Schulen
Grünhelme Team arbeitet auf Hochtouren in Azaz im befreiten Syrien

17.09.2012Am 14. September: Am Abend wurde Azaz wieder mal beschossen, es waren zwei kleine Granaten, die über das Krankenhaus hinweg flogen, es gab in Azaz keine Opfer. Die Stimmung im Hospital und im GH-Team unverändert gut. Die Arbeit geht gut voran und 90 Prozent der Fensterrahmen und Zubehör sind repariert, bei Bedarf können auch die letzten Zimmer noch verglast werden, wenn mehr Verletzte aufgenommen werden müssen.

Im Hospital soll es wegen des großen Andrangs eine einschneidende Änderung geben und das so schnell wie möglich. Die ambulante Versorgung der Patienten soll ein paar Häuser weiter in einem separaten Gebäude vorgenommen werden. Dies soll die Mediziner hier entlasten und genug Personal wäre für die ambulante Station jetzt dann vorhanden. Die Sanierung dieses Hauses hat schon begonnen. Man bat die Grünhelme um Unterstützung für diese Sanierung (wir haben bereits vom Vorstand die Zustimmung gegeben). Das neue Ambulanzgebäude hat acht Zimmer und 20 Fenster müssen neu ausgerüstet werden. (In ganz Azaz sind nach der Bombardierung mit zwei 400 Kilo Vacuum Bomben im Juni/Juli so gut wie alle Scheiben zu Bruch gegangen). Die sonstigen Kosten werden von der Gemeinde getragen.

Die Verlegung der Ambulanz aus dem Hospital heraus macht großen Sinn. Moment ankommen 150 Patienten zum Krankenhaus – es gibt pro Tag fünf Operationen, so dass der Staff kaum ein Minute Ruhe hat.

Im Moment kommt aus der Umgebung von Azaz fast täglich Dr. Mohammed (Allgemeinmediziner). Ein weiterer Allgemeinmediziner Dr. Abdul Megid ist aus den USA vor einer guten Woche angereist und muss am 17. 9. wieder abreisen. Dann ist Dr. Amin da, ein Gynäkologe, der mit drei Assistenten arbeitet, die aber nur einen medizinischen Grundkurs hinter sich haben. Dr. Amin kommt aus Saudi Arabien. Er wird mit den Assistenten das Hospital in zehn Tagen wieder verlassen.

Das größere staatliche Hospital am Rande der Stadt Assad soll auch wieder saniert werden. Als erstes soll die Station für die Niederenwäsche in Betrieb gehen. Die sei täglich ausgelastet gewesen mit bis zu 20 Patienten.

Die politisch-militärische Großwetterlage hält sich weiter angespannt, so dass man ein schnelles Ende des blutigen und barbarischen Regimes nicht voraussehen kann. Es gab einen Versuch vor drei Tagen den Hubschrauber-Armee-Airport, der eingeschlossen von Soldaten der FSA nur 7 Km von Azaz entfernt liegt und von dem Regime nur noch aus der Luft versorgt werden kann. Dieser Versuch scheiterte, denn eine MIG 23 griff an und man konnte in Azaz fünfzehn Bombenabwürfe hören. Allgemein, so unser Team finden die Angriffe immer nachts statt. Es gibt auch wieder drei bis vier Tage, an denen nichts geschieht. Man sagt uns von Seiten der Mitarbeiter: Die Regierungsarmee und Luftwaffe habe genug in Aleppo zu tun. Man kann von Azaz nachts das Gefechtsfeuer in der Ferne Richtung Homs und eventuell auch Aleppo mit bloßem Auge sehen.

Bernd Blechschmidt

 

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