Erste Grünhelme-Schule in zwei Zelten in Pakistan
Eine Schule für 50 Schulkinder – für 370 Euro möglich!

28.09.2010_1Die Grünhelme haben in zwei Zeltagglomerationen auch humanitäre Arbeit gemacht: Da sind Menschen, die von dem letzten Dammbruch geflohen sind und die erst wahrscheinlich in zwei bis drei Monaten zurückkehren können in ihre Dörfer. In der alten Kolonie der Zelte an den Wasserdämmen haben wir Nahrungsmittel und Decken verteilt. Dort haben wir tatsächlich ein ganz Neugeborenes in den Händen ihrer Mutter sehen können, das da vor drei Tagen geboren war. Der Name dieses kleinen Erdenbürgers Rizwan Ali.

In einem größeren Camp in Hyderabad leben 49 Familien, die alle aus Dörfern des Distriktes Jafarabad kommen, die auch noch nicht zurückkommen. Dort haben die Grünhelme zwei Schulzelte aufgebaut, die wirklich für 50 Kinder einen richtigen Schulunterricht ermöglichen. Wir wussten ja von Dr. Ruth Pfau, Leiterin der Partnerorganisation MALC (Marie Adelaide Leprosy Centre), dass eines der größten Probleme ganz Pakistans die mangelnde Schulbildung ist. In vielen Landesteilen haben die Kinder nur die Koranschule und lernen nur den Koran und Gebete auswendig.

Deshalb ist es so wichtig, diesen Unterricht im provisorischen Zelten schon zu beginnen. Und um den Spendern einen Eindruck zu geben, mit wie wenig Geld man einen regelrechten Unterricht organisieren kann, der dann in dem Herkunftsdorf auch weitergehen kann: Die beiden großen 5 x 5 m Zelte kosten uns 16.000 Pakistanische Rupien (PKR), das sind 160 EUR.

Die Bücher für die Kinder der ersten bis fünften Klasse kosten uns 6.000 PKR = 60 EUR, die gleiche Summe brauchen wir für Hefte Schreibstifte, Radiergummis, Schultafeln, also noch mal 60 EUR. Dann müssen wir für drei Monate auch den Lehrer bezahlen, Ali Huy Babar, der bekommt für drei Monate 9.000 PKR, also 90 Euro. So kann man für 370 Euro einen richtigen Schulunterricht aufbauen in so einem Camp. Es war für mich eine große Freude, mit der Leiterin des Teams von der Organisation MALC, Salma, hier in diese Schule zu gehen und im Zelt zu sitzen, denn man konnte förmlich spüren, wie gut und wichtig diese Schule im Flutflüchtlingslager ist.

Gleichzeitig gehen die Vorbereitungen für das erste Dorf in der Nähe von Lakarna weiter, in Ali Dost Magsi. Dort werden wir mit den Menschen, die ihre Behausung verloren haben ein erstes Modellhaus machen. Auch hier ist erkennbar, mit wie (vergleichsweise!) wenig Geld man mit den Menschen zusammen wieder etwas bauen kann. Unser Grünhelme vor Ort, Nedim Goletic, berechnet für den Ort Ali Dost Magsi eine solche Zusammenstellung von Baumaterialien plus Werkzeugen, Schubkarren und Bauutensilien für circa 1.000 EUR. Weiter ist die politische Lage im Lande mehr als instabil. Die Regierung hängt nach Einschätzung derer, die wir sprachen, am seidenen Faden. Alle sind froh, wenn diese korrupte Regierung das Feld räumt. Nur wer kommt danach? Wird es wieder eine Regierung von Gnaden des Militärs sein?

Das Militär erleben die Menschen wenigstens hilfreich und sichtbar. Von der Regierung wissen die Menschen nur, dass sie von ihr nichts erwarten können. Als wir in Hyderabad aus ‚unserem’ Lager mit der „Greenhelmets Schule“ herausfahren, fahren wir an einem gestern aufgebauten Ambulanzzelt der Armee vorbei, die hier medizinische Arbeit zugunsten der Flüchtlinge macht.

 

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