Es geht los!
Bauarbeiten an der neuen Schule für das jesidische Dorf Gerge Hasare haben begonnen

20.12.2016_01Zwei Jahre nachdem wir als erste NGO Hilfsgüter in das Shingal-Gebirge gebracht haben, kehren wir nun zurück in das Gebiet im Nordirak. Diesmal wollen wir am Nordrand des Gebirges – im jesidischen Dorf Gerge Hasare – eine Schule für bis zu 180 Schülerinnen und Schüler aufbauen. Mit unserem ersten Bauprojekt in dieser Region wollen wir einen Beitrag dazu leisten, dass die Bewohnerinnen und Bewohner, die zum Teil noch immer im Gebirge oder in den großen Flüchtlingscamps in Dohuk und Zakho ausharren, in ihre Heimatdörfer zurückkehren können.

In der neuen Schule sollen Schülerinnen und Schüler von der 1. bis 9. Klasse unterrichtet werden. Neben den insgesamt neun Klassenräumen werden auf dem Schulgelände auch Lehrer- und Schulleiterräume sowie Sanitäranlagen entstehen. Angeordnet sind die Räume um einen Innenhof, der als Spielfläche für die Schülerinnen und Schüler dienen soll. Darüber hinaus werden wir einen 180 Meter tiefen Brunnen bohren, der die Wasserversorgung der neuen Schule sicherstellen wird.

Für unsere Arbeit hat uns das Dorf Gerge Hasare zwei Räume in einem der Lehmhäuser unweit der Baustelle zur Verfügung gestellt. Bereits vor drei Wochen haben wir mit den Arbeiten auf der neuen Baustelle begonnen – nachdem die notwendigen Genehmigungen endlich alle vorlagen. Aufgrund der momentanen Sicherheitslage, benötigen alle Personen, die sich in diesem Gebiet bewegen wollen, und alle Materialien, die angeliefert werden sollen, eine Genehmigung der Asayish (Geheim- und Sicherheitsdienst) in Dohuk.

Da die Mühlen der irakischen Behörden langsam mahlen, verstreichen immer ein paar Tage, bis wir uns wieder auf die vierstündige Autofahrt machen können, um die jeweilige Erlaubnis bei der zuständigen Behörde abholen zu können. Eine besondere Herausforderung dabei ist, dass die zahlreichen Checkpoints morgens entweder „noch“ geschlossen oder abends „schon wieder“ geschlossen sind – da aus Sicherheitsgründen keine Reisetätigkeiten in der Dunkelheit erlaubt sind. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass Strom und Wasser derzeit nur begrenzt verfügbar sind. Dennoch bleiben wir zuversichtlich, dass wir diese vielen kleinen Hürden mit Hilfe des Dorfes überwinden werden.

Trotz der Herausforderungen konnten wir inzwischen alle Punktfundamente für die Stahlbetonstützen ausheben und betonieren. Derzeit arbeiten wir an den Streifenfundamenten und hoffen, dass wir diese vor dem Wintereinbruch noch fertigstellen können. Denn sobald die Tagestemperaturen auf 0 °C absinken, und sowohl Schnee als auch Regen den Lehmboden in eine wahre „Schlammlandschaft“ verwandeln, werden wir unsere Arbeit unterbrechen müssen. Ganz zu schweigen davon, dass dann kein Material mehr angeliefert werden kann, da sich die LKW im aufgeweichten Boden festfahren würden. Sobald die Streifenfundamente fertig sind, wollen wir mit den Arbeiten an den Betonstützen beginnen und die Wände mauern – worauf wir uns schon freuen, denn dann geht es endlich oberhalb des Bodens weiter.

Das Dorf Gerge Hasare liegt in der Ebene nördlich des Shingal-Gebirges und wird vor allem von Jesiden bewohnt. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Dorfes leben hauptsächlich von der Landwirtschaft. Aufgrund der geografischen Lage sowie der schwierigen wirtschaftlichen und politischen Situation erfährt die Region bislang kaum Unterstützung von der Regierung. Dies spiegelt sich unter anderem darin wieder, dass die Versorgung mit Strom und Wasser äußerst schlecht ist.

Für dieses neue Schulbauprojekt suchen wir natürlich wieder erfahrene Handwerker*innen und Bautechniker*innen, die uns bei unserer Arbeit vor Ort unterstützen. Wir danken allen Spenderinnen und Spendern für ihre Unterstützung und wünschen vorab ein frohes Weihnachtfest aus dem Nordirak.

Nicole, Robert und Michel

 

Posted in Irak