Es ist vollbracht!
Erstes Schulbauprojekt der Grünhelme im Nordirak erfolgreich abgeschlossen

20.11.2016_01Es ist vollbracht! Das erste Wiederaufbauprojekt der Grünhelme im Nordirak ist abgeschlossen. Das Dorf Upper Kani Sherin, in der Provinz Zumar, hat nun eine neue Schule. Bis zu 500 Kinder können hier in Zukunft lernen und spielen. Die Region Zumar war im August 2014 vom selbsternannten Islamischen Staat (IS), bei dessen Vormarsch im Nordirak, eingenommen worden.

Während der knapp zweimonatigen Fremdherrschaft wurden zahlreiche Gebäude zerstört – so auch die Grund- und Sekundarschule in Upper Kani Sherin, die ein Einzugsgebiet von mehreren benachbarten Dörfern umfasste. Als im Oktober 2014 die kurdischen Peshmerga den IS aus der Region vertreiben konnten, waren weite Bereiche der technischen und sozialen Infrastruktur zerstört. Eine Rückkehr der vertriebenen Menschen ging nur langsam vonstatten, auch weil zahlreiche Sprengfallen von den Dschihadisten zurückgelassen wurden und eine fortdauernde Gefahr darstellten.

360-Grad-Ansicht der Schule in Kani Sherin

Wir Grünhelme konnten erst ein Jahr später mit unserem Wiederaufbauprojekt beginnen. Mit Unterstützung der Mines Advisory Group (MAG), die das Gebiet von Sprengfallen säuberte und auch für uns den Bauplatz vom Schutt der zerstörten Schule befreite, konnten wir unser erstes Wiederaufbauprojekt in Angriff nehmen. Wir waren, neben der MAG, die erste internationale NGO, die sich in dieses Gebiet, unweit der Front vorwagte, um den Menschen eine Rückkehr zu ermöglichen.

Die Schule in Upper Kani Sherin ist etwas ganz Besonderes: Sie hat sowohl einen kurdisch-sprachigen als auch einen arabisch-sprachigen Teil. In der Provinz Zumar, in der beide Volksgruppen leben, soll diese Schule auch einen Beitrag zur Versöhnung und dem friedlichen Miteinander der nächsten Generationen leisten. Auch wenn in Upper Kani Sherin und dem Einzugsgebiet der Schule überwiegend kurdische Familien leben, so sind viele doch während der Herrschaft Saddam Husseins zur arabischen Assimilation gedrängt worden. Die Identität ist in dieser Gegend eine schwierige Thematik. Unsere Schule lässt den Familien nun die Wahl, ob ihre Kinder in kurdischer oder arabischer Sprache unterrichtet werden sollen. Beide Zweige befinden sich unter einem Dach. Daher bietet die Schule mit ihrem großen Schulhof reichlich Raum für Begegnungen, sodass wir hoffen, dass die über Generationen gewachsenen Vorurteile hier ein Stück weit abgebaut werden können.

Insgesamt bietet die neue Schule nun Platz für bis zu 500 Kinder. Die meisten Familien, die während der Besetzung geflüchtet waren, sind mittlerweile zurückgekehrt. Auch wenn die wirtschaftliche Situation für die Menschen alles andere als einfach ist, so wird mit der neuen Schule auch ein Stück Hoffnung verknüpft. Im letzten Jahr fand der Unterricht in privaten Räumen oder unter freien Himmel statt. Immer wieder hat der Imam Mullah Saleh in der dörflichen Moschee die Wichtigkeit der Schule hervorgehoben. Vor allem die Mütter waren es, die uns immer wieder durch ihre Dankbarkeit darin bestärkt haben, dieses anspruchsvolle Grünhelme-Projekt im Nordirak fertig zu stellen.

Nun ist es vollbracht: Insgesamt 23 Räume umfasst die neue Schule nun, inklusive Labor, Computerraum und Cafeteria, dazu ein großer Innenhof. Das Projekt wurde in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Schulbehörden und den kurdischen Sicherheitskräften durchgeführt. Schließlich ist die Schule keine zehn Kilometer von der Front zum IS entfernt, die nun langsam, auch durch den Vormarsch auf Mosul, zurückgedrängt wird. Nur durch die enge Zusammenarbeit mit den Menschen aus dem Dorf, die den größten Teil der Arbeit vollbracht haben, konnte dieses Projekt verwirklicht werden. Wir danken Euch für die tolle Zusammenarbeit – und freuen uns, dass wir Euch in dieser schwierigen Phase unterstützen konnten!

Ein großer Dank geht auch an alle Spenderinnen und Spender, die mit ihrer finanziellen Unterstützung für die Grünhelme dieses Projekt erst möglich gemacht haben.

Jetzt richten wir Grünhelme unseren Blick nach vorne: Hundert Kilometer weiter westlich, nördlich des Shingal-Gebirges haben wir nun mit dem Bau einer weiteren Schule begonnen. Hierher, ins jesidische Kerngebiet, hatten wir bereits im Winter 2014/15, als der IS seine völkermörderischen Verbrechen an den Jesiden beging, dringend benötigte Hilfsgüter geliefert. Aber erst jetzt, zwei Jahre später, ist der Wiederaufbau und ein permanentes Arbeiten vor Ort möglich, um den zahlreichen Familien, die noch in den Flüchtlingslagern der Autonomen Region Kurdistan feststecken, eine Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen.

Für dieses neue Projekt suchen wir erfahrene Handwerker*innen und Bautechniker*innen, die uns bei unserer Arbeit unterstützen.

 

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