Fertigstellung des Innenausbaues im Zentrum Amahoro
Ruanda: Eine bessere Zukunft für die Kinder im Gefängnis von Gitarama

Neben einem Gebäude, das wegen der Gerüste noch stark an eine Baustelle erinnerte, spielten ungefähr 50 Kinder (Alter: um die 2 bis 3 Jahre) ausgelassen mit den Schnittresten der Holzdeckenkonstruktion und im Sand des Spielplatzes, wo bisher noch auf die Ankunft der Schaukeln gewartet wird. Mitten in dem Getümmel bewegen sich Eugenie Musayidire und die gefangenen Frauen, die ihr bei der Betreuung der Kinder Unterstützung leisten. Diese Szene konnte in den letzten Monaten so oder ähnlich des Öfteren im Gefängnis von Gitarama beobachtet werden.

Bei dem von Eugenie Musayidire organisierten Projekt handelt es sich um ein Therapie- und Betreuungszentrum für die Mütter und Kinder im Gefängnis von Gitarama. Hier sitzen bis zu 7000 Gefangene. Es ist damit das größte Gefängnis in Ruanda. Darunter auch etliche Frauen, welche zum Teil für die Verbrechen während des Genozides eine lebenslange Haftstrafe verbüßen. Einige Kinder haben keine andere Chance als ihre Mütter ins Gefängnis zu begleiten oder wurden dort geboren. Da diese Kinder keine Möglichkeit haben, die Erfahrungen zu sammeln, welche für gleichaltrige Kinder überall auf der welt wichtig sind, wurde auf Initiative von Eugenie Musayidire das Sozialzentrum errichtet. Die Grünhelme boten dabei ihre Unterstützung an und übernahmen die Leitung und Ausführung der Bauarbeiten an dem neu entstandenen Gebäude. So finden schon sehr bald in einem Raum Musik-, Gesangs- oder Gesprächstherapien mit den Frauen und Kindern statt. In den anderen Räumen wird geschützt vor der Hitze oder dem Regen gespielt, gegessen und mittags geschlafen. So können die kleinen Kinder der Enge des Gefängnisses entfliehen.

Vor circa 4 Wochen sind die beiden Grünhelme, Hannes Engler und Wilm Kob in Gitarama angekommen, um dort die Arbeiten an dem Zentrum im Gefängnis fortzusetzen. Noch am gleichen Tag konnten wir zum ersten Mal die Baustelle besichtigen. Schnell wurde uns klar, dass das Zentrum Amahoro („Amahoro“ ist ein Wort in Kinyarwanda und bedeutet: Frieden, welches nach Eugenie Voraussetzung für Versöhnung ist.) in vielerlei Hinsicht ein besonderes Projekt darstellt. Allein die Rahmenbedingungen unterscheiden sich manchmal doch deutlich bei einem Gebäude innerhalb der Zäune eines Gefängnisses. Trotzdem wurde das gesamte Projekt von allen Seiten mit großer Unterstützung aufgenommen. Auf Seiten der Gefängnisleitung, die für uns Grünhelme eine Ausnahme einrichtete und uns Eintritt gewährte, da dies für Ausländer keineswegs selbstverständlich ist. Und sie erlaubte uns auch, im Gelände zu arbeiten. Wir beiden Grünhelme hatten mit einem Trupp von Facharbeitern zu tun, die im Gefängnis für diese Arbeit ausgesucht worden waren und die jeden Morgen in der rosa Gefängniskleidung an der Baustelle waren.

Als wir, hier ankamen waren die Rohbauarbeiten weitestgehend abgeschlossen. Zunächst begannen wir im Bad, wo noch viel Arbeit war. Den Boden betonieren, Anschlüsse und Wasserleitungen verlegen sowie die Sanitäreinrichtungen anbringen und schließlich die Deckenverkleidung herstellen. Zeitgleich mussten alle Türen eingebaut und die Fenster verglast werden, wo uns zur Hilfe kam, dass im Gefängnis für beinahe jede Arbeit Fachleute zur Verfügung stehen.

Nach der eigentlichen Arbeit auf der Baustelle war ausreichend Zeit, Materialien zu organisieren, so dass zeitnah auch mit der Regenrinne und der Abhangdecke angefangen werden konnte. Bis zur Eröffnung im Dezember sind nun noch kleine Malerarbeiten abzuschließen, wie zum Beispiel die Verzierung an der Wand im Kinderzimmer und letzte Handgriffe im Außenbereich. Die Arbeiten sind somit abgeschlossen und die Kinder können den ersten Raum auch schon voll nutzen. Außerdem werden bis zur Eröffnung noch die fehlenden Spielgeräte auf ihrem langen Weg aus Deutschland endlich angekommen sein. Die Vorfreude bei allen Beteiligten ist groß, zur offiziellen Eröffnung zu Nikolaus am 6. Dezember 2011 dann endlich die Kinder beim Herumtoben in ihren neuen fertigen Spielstätten zu sehen.

Ohne Eugenie Musayidire wäre das Projekt nicht möglich gewesen. Sie hat durch Ihre Bekanntheit im Lande es erreicht, dass das Innenministerium die Ausnahmegenehmigungen für uns gab. Sie ist auch in Deutschland bekannt geworden durch einen TV-Film und ein Buch, in denen sie beschreibt, wie sie den Mörder ihrer Mutter im Gefängnis besucht, um herauszufinden, was diesen bewogen hat, ihre Mutter, seine Nachbarin, mit der Machete zu erschlagen. Er weiß es kaum selbst: In der schrecklichen Hysterie des Völkermordes wurde gemordet – hunderttausendfach. Jetzt versucht das neue Ruanda die kleinen Kinder aus dem Erbe des Völkermordes herauszulösen, für den die Kinder allemal nichts können.

Wilm Kob und Hannes Englert

 

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