Grünhelm Horst Köhler zu Gast in Burkina Faso
Remdoogo, Burkina Faso am 12.05.2012

20.05.2012_1„Na, wer hat denn da so gut aufgeräumt?“ bewundert Horst Köhler das Baustellenlager der Grünhelme in Burkina Faso. Deutsche Ordnung erkennt er selbst in Afrika sofort, unser ehemaliger Bundespräsident und er freut sich zu hören, dass sich die lokalen Arbeiter längst mitverantwortlich fühlen für die Übersichtlichkeit der Werkzeuge. Am 12.05.2012 konnte Horst Köhler endlich sein Versprechen einlösen, einmal selbst das Schlingensief-Festivaldorf in Burkina Faso zu besuchen.

Schon lange ist Horst Köhler genau der richtige Schirmherr von diesem „Experiment“, wie er das Festivaldorf selbst nennt. Als langjähriger Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) darf Köhler als der erfahrenste Experte für Deutsch-Afrikanischen Austausch jenseits von purer Wirtschafts- und Entwicklungshilfe, auch eben für kulturelle Zusammenarbeit gelten. So hat er sich das Festivaldorf auch sehr begeistert, aber immer konzentriert und bewusst angesehen. Neben den Erklärungen von Christoph Schlingensiefs Frau Aino Laberenz und dem verantwortlichen und famosen Architekten Francis Kere suchte Horst Köhler immer auch die Meinung von tatsächlichen Nutzern und Beteiligten, wie z.B.: Schüler, Mütter, Regierungsvertreter, Dorfoberhäupter oder Mitarbeiter. Allen hat er nicht nur sehr genau zugehört, sondern ihnen auch stets angeboten, ihm selbst Fragen zu stellen.

Neben den fantastischen Gebäuden und der großartigen Anlage interessiert Horst Köhler vor allem alles, was das Festivaldorf momentan schon wirklich mit Leben füllt. Bis sich die künstlerischen Veranstaltungen und kulturellen Aktivitäten hier automatisieren werden, sind Grundschulunterricht, medizinische Versorgung und Hand in Hand organisierte Bautätigkeiten die wirklichen Stützen des Ortes. So besichtigte unser Präsident a.D. auch sehr erfreut die ersten Fundamente der Krankenstation, die von den Grünhelmen in den nächsten sechs Monaten zum Operndorf beigesteuert werden.

Sein neuer Grünhelm stand ihm dabei ganz ausgezeichnet und hätte er nicht noch andere Termine in Burkina Faso und der Elfenbeinküste gehabt, wäre er wohl auch gleich geblieben, um die ersten Wände zu mauern. Zwar kennt er die Arbeitsweise der Grünhelme gut, trotzdem vergewissert sich Horst Köhler noch mal, ob die Prinzipien wie ehrenamtliches Arbeiten von Fachmännern, einfaches Wohnen in unmittelbarer Umgebung, direkte Zusammenarbeit deutscher Ingenieure und Handwerker mit lokalen Arbeitern und minimale administrative Kosten auch hier in diesem „Experiment“ beherzigt werden?! Als er sich dessen sicher ist, kann er Aino Laberenz nur zur Zusammenarbeit mit den Grünhelmen gratulieren und lässt seine besten Grüße an alle Grünhelme (in anderen Projekten und Deutschland) ausrichten.

Und auch mit Beton scheint sich der ehemalige Präsident auszukennen, denn neben offensichtlicher Qualität sieht Horst Köhler auch die schwere Arbeit, die alle Beteiligten bei diesen Temperaturen von über 40°C in unseres und andere Gebäude stecken – stellvertretend natürlich für jede schweißtreibende Arbeit, die in diesem Land zur Entwicklung nötig ist. Seinen Hut hätte Prof. Horst Köhler dafür sicherlich gern gezogen, einen Grünhelm nimmt man verständlicherweise aber nicht so schnell vom Kopf.

Zu der Tüchtigkeit seiner Landsleute konnte Horst Köhler aber schon vormittags Staatspräsident Blaise Compaore beglückwünschen, der sein Land zwar nicht vorbehaltlos vorbildlich, jedoch wirtschaftlich stabil und äußerst friedlich regiert. Egal ob Präsidentenbüro oder Baustelle, der sympathische Ex-Bundespräsident zum Anfassen hat auf jeden Fall überall einen sehr guten und warmherzigen Eindruck hinterlassen.

Für seine Partnerschaften und seinen Austausch mit Afrika wünschen wir Grünhelm Köhler alles Gute; – allen voran natürlich der engagierten Schirmherrschaft über das Operndorf. Ich selbst durfte ihm bei der Eröffnung sagen: „Wir freuen uns, Herr Köhler, dass Sie Ihren Grünhelm gleich mitgenommen haben und wir hoffen stark, dass sie den nicht nur beim Handwerkeln zu Hause, sondern auch für Aufenthalte auf unseren anderen Baustellen benutzen werden.“

 

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