Grünhelme im Nord-Irak

Gemeinsam mit Youssef Klein, einem erfahrenen Mitglied der Kurdischen Gemeinde, sind unsere Grünhelmvorstände Martin Mikat und Max Werlein seit dieser Woche in den Nord-Irakischen Städten Duhok und Erbil unterwegs, um sich ein Bild von der Situation im Krisengebiet zu machen.

Diese Reise ist das Ergebnis unserer vorbereitenden Besprechung mit Vertretern des Rates der syrischen Yeziden, der Kurdischen Gemeinde Deutschland e.V. sowie der Gesellschaft für bedrohte Völker. Gemeinsam wollen wir nun einen humanitären Einsatz für die Flüchtlinge im Irak anschieben. Unser Ziel ist es, die kurdische Regionalregierung in Erbil vor allem bei der Aufnahme von anstürmenden Flüchtlingen und beim bevorstehenden Wiederaufbau zu unterstützen.

In welcher Weise Hilfe möglich sein kann, wird unter anderem mit den Koordinatoren der lokalen Flüchtlingscamps, mit dem kurdischen Gesundheitsminister und mit der Provinzregierung abgestimmt. Sofern sich die Sicherheit unserer Mitarbeiter in der Region gewährleisten lässt, wird in Kürze ein Grünhelme-Team mit seiner Arbeit vor Ort beginnen.

Die Provinz Duhok gilt als eine der am stärksten von Kämpfen betroffen Regionen im Nord-Irak: Hier sind die Extremisten der IS-Miliz in ihrem Kampf für einen Islamischen Staat und auf der Jagd nach „Ungläubigen“ besonders grausam gegen die Zivilbevölkerung vorgegangen, haben gemordet, hingerichtet, systematisch Frauen vergewaltigt und Menschen versklavt.

Die momentan vorherrschende Gewalt gegen Yeziden, Kakaii, Mandaier, Schiiten und Christen übertrifft in seiner Brutalität – neben dem Irak Krieg – auch alle anderen bewaffneten Konflikte, die bislang in dieser Region stattgefunden haben. Besonders die Blitzoffensive gegen die Yeziden, eine kleine nicht-muslimische Religionsgemeinschaft im Nord-Irak, lässt die Weltgemeinschaft im Zusammenhang mit den hier stattfindenden Gräueltaten von einer großen Gefahr für die konfessionelle Vielfalt der Region und sogar von einem Völkermord sprechen.

Über eine Millionen Menschen aus vielen Regionen sind in den vergangenen Monaten zu den Kurden in das Dreiländereck zwischen Syrien, Türkei und dem Irak geflüchtet. Während viele schon vorher unter dem Druck des syrischen Bürgerkrieges auf der Flucht gewesen sind, mussten andere wiederum aus Angst vor den Islamisten nach Syrien zurückkehren, wo nach wie vor der Bürgerkrieg tobt.

Wer den Extremisten entkommen ist, leidet nun unter Hunger, Durst und Erschöpfung.

Wer irgendwann nach Hause zurückkehren wird, findet dort Zerstörung und Plünderung.

Till Gröner