Grünhelme machen Schule
vom Beginn unserer Bauarbeiten in West-Kenia...

01.03.2014_6Kenia kennt jeder. Wer bei Kenia nicht Strand und Safari im Kopf hat, der denkt sicher an das für Afrika einzigartige Wirtschaftswachstum Kenias in den letzten Jahren. Auch dass der Vater von US-Präsident Barack Obama hier geboren wurde ist bekannt. Dass er aber aus der ärmsten Provinz Kenias kommt, in der noch jeder 8 Mensch HIV positiv sein soll und wo die Mehrheit aller Mädchen immer noch beschnitten wird, das hat auch uns überrascht.

Hier in der Provinz Nyanza möchten wir dem Deutsch-Kenianischen Verein „Pendakenia“ bei der Erweiterung einer staatlichen Grundschule für die ganz kleinen und die behinderten Kinder der lokalen Plantagenarbeiter unter die Arme greifen.

Die angehenden Architekten Gegor Mörth und Federico Rovetta haben den Grünhelmen dafür im Rahmen einer Diplomarbeit an der TU Graaz ein sehr ansprechendes aber einfaches Gebäude geplant, dass schon innerhalb der nächsten 5 Monate fertig gestellt werden soll. Diese spannende Aufgabe gefällt vor allem auch unserem erfahrenen Projektleiter Simon Bethlehem (bereits im Kongo und in Mauretanien für die Grünhelme im Einsatz), der nun Unterstützung durch Michael Knöller und Felix Stockmar, unsere neuesten Grünhelme, bekommen hat. Fernab der Unruhen von Süd-Somalischen Al-Shabaab Anhängern, weit weg von Nairobis Großstadtkriminalität und mitten in der Idylle des Kenianischen Hochlands, hat sich unser Team längst sehr gut in seinem vorrübergehenden Zuhause eingelebt.

Hier sind seine ersten Eindrücke:

Mekenene ist nicht einmal ein Dorf. Eher eine Ansammlung von Farmerinnen und Farmern, die für verschiedene Großgrundbesitzer, manchmal auch selbstständig Tee pflücken, Mais, Bananen, Mangos und Avocados ernten oder Kühe, Ziegen, Schafe und Hühner hüten. Entsprechen arm sind die meisten Menschen hier.

Von den zahlreichen europäischen Kenia-Touristinnen und Touristen verirren sich nur sehr wenige hierher, in die Kisii-Highlands. Dabei hat diese Gegend von ihrer Flora und Fauna, von der Landschaft und dem Klima so viel zu bieten: Die zahlreichen Hügel und Berge geben ein wundervolles Panorama, gerade morgens, bei Sonnenaufgang. Der fast tägliche Regen erfrischt die Luft und macht die manchmal unerträgliche Hitze eben doch erträglich. Bussarde, Störche und Kolibri-ähnliche Wesen umkreisen uns und haben einen wachsamen Blick über unsere Bauarbeiten. Geckos flitzen die Wände hoch und auch Schlangen sind uns schon zu Gesicht gekommen. Auf der Fahrt von Nairobi hierher liefen uns Zebras und Paviane über den Weg. Und dann sind da noch die Bäume: Eukalyptus, Pinien, Zypressen und viele andere Arten. Sie schießen teilweise dreißig Meter schnurgerade in die Höhe.

Die Mekenene Primary School ist einerseits eine klassische kenianische Grundschule, von der ersten bis zur achten Klasse. Darüber hinaus gibt es aber auch einen Kindergarten, eine Vorschulklasse und eine Betreuung für behinderte Kinder. Diese Primary School besuchen die Kinder der Farmerinnen und Farmer, die wohlhabenderen Schichten schicken ihre Kinder auf andere, bessere Schulen. So machen sich jeden Morgen etwa 400 Schülerinnen und Schüler zwischen 3 und 14 Jahren auf den Weg zu dieser Schule. Für viele ist es ein kilometerlanger Fußmarsch, denn das Einzugsgebiet der Schule ist sehr groß. Dies ist in Kenia sehr häufig der Fall und auch deshalb hat Kenia die besten Marathonläuferinnen und -läufer der Welt.

Gebaut wurde die Mekenene Primary School in den 1980er Jahren. Später kamen dann der Kindergarten, die Vorschule und die Betreuung der behinderten Kinder hinzu. So sind die Kindergartenkinder momentan in einer Wellblechhütte untergebracht, auf einem Teil des Gebäudes für die Vorschulkinder fehlt das Dach.

Die Grünhelme erweitern diese Anlage nun um ein Gebäude mit drei Räumen, die als Kindergarten, Vorschule und für die behinderten Kinder genutzt werden sollen. Die hohen Raumhöhen und die außergewöhnliche Dachform schaffen helle und freundliche Räume mit unterschiedlichen Belichtungssituationen. Auf der Rückseite wird eine große Terrasse entstehen, die einen Blick über das phantastische Panorama der Kisii-Highlands ermöglicht. Darüber hinaus wird ein Anschluss an ein bestehendes Gebäude geschaffen, in dem momentan die behinderten Kinder und die Vorschulkinder untergebracht sind. Durch diese Verbindung wird einerseits der bisher dachlose und damit unnutzbare Raum zu einer Küche umfunktioniert, in der in Zukunft für die Kinder ein Mittagessen bereitet werden soll. Andererseits entsteht ein offener, aber überdachter Platz, der den Kindern auch bei Regen die Möglichkeit bietet, draußen zu sitzen und zu spielen.

In der zweiten Februarwoche erfolgte der erste Spatenstich. Mittlerweile sind die Gräben für die Naturstein-Streifenfundamente gegraben und auch die ersten Fundamente bereits gemauert. Die Topographie des Geländes verlangt uns alles ab, da wir am Hang bauen und es mit Höhenunterschieden von bis zu eineinhalb Metern zu tun haben.

Unser Team, um die drei Grünhelme besteht aus vier Maurern und elf Helfern. All unsere Mitarbeiter kommen selbst aus der Schulcommunity, sind teilweise Eltern oder haben die Schule selbst besucht. Daneben haben wir seit letzter Woche zwei Köchinnen engagiert, die unseren Mitarbeitern und uns nun jeden Tag ein Mittagessen der traditionellen kenianischen Küche, aus den hier vorhandenen Lebensmitteln zaubern.

Auch die Unterstützung der Community selbst ist grandios. Die Schuldirektorin Lucy Mokeira Bwana liest uns quasi jeden Wunsch von den Lippen ab: Über die freiwillige Mitarbeit, die Rekrutierung fleißiger, guter und motivierter Mitarbeiter bis hin zur kostenlosen Bereitstellung von Bauholz. Die Zusammenarbeit mit Schulcommunity könnte besser nicht laufen.

Und dann sind da ja noch die Kinder, die jeden einzelnen Arbeitsschritt mit großen neugierigen Augen beobachten und uns jeden Tag neue Motivation geben – so etwas wie Grünhelme hat es hier wohl noch nicht gegeben – in Kenia.

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