Grünhelme ziehen um

OLYMPUS DIGITAL CAMERADa Buenavista unser zweites Dorf eine Stunde Autofahrt von Palompon entfernt liegt, haben wir uns entschieden, das erste Haus komplett fertigzustellen und dort einzuziehen. Die erste Nacht war herrlich. Durch die Mischung von Kokosbrettern und Amakan (Bambusgeflecht) als Wand und die Aludachbleche als Dachbelag ist das Haus den ganzen Tag über wohltemperiert. Da Buenavista unser zweites Dorf eine Stunde Autofahrt von Palompon entfernt liegt, haben wir (das Team vor Ort) uns entschieden, das erste Haus komplett fertigzustellen und dort einzuziehen. Am 25.4.14 war es so weit: Ich habe meine Sachen gepackt und bin von Palompon nach Buenavista gezogen. Die erste Nacht war herrlich. Durch die Mischung von Kokosbrettern und Amakan (Bambusgeflecht) als Wand und die Aludachbleche als Dachbelag ist das Haus den ganzen Tag über wohltemperiert.

Es gab einige konstruktive Änderungen an dem Haus, um zum einen schneller und einfacher bauen zu können und auf der anderen Seite eine höhere Stabilität und einen besseren konstruktiven Holzschutz zu erreichen. Für den konstruktiven Holzschutz sorgt nun auf der Wetter Seite eine komplette Bodendeckelschalung aus Kokospalmenbrettern. Auf der Wetterseite und allen anderen Seiten haben wir im Bereich der Pfosten ebenfalls eine Bodendeckelschalung aus Kokosholz angebracht, die bis kurz vor das Fundament geht. So werden die Pfosten sowie die Metallkreuze vor Schlagregen und Spritzwasser geschützt. Die Fundamente werden im Gegensatz zu vorher komplett in einem gegossen und die Metallkreuze der Pfosten nach dem kompletten Aufbau mit Schwerlastankern am Fundament befestigt. Die Kosten für Material können wir aber nach wie vor bei etwa 600 Euro halten.

In Cambinoy, unserem ersten Dorf, haben wir heute am 7. Mai 2014 unsere Arbeiten abgeschlossen. Dort sind insgesamt 25 Häuser dank vielen Spendern und fleißiger Grünhelme entstanden. Auf den basketballverrückten Philippinen haben wir als Abschiedsgeschenk einen sturm-und wetterfesten Basketballkorb entworfen und aufgestellt. Die Dankbarkeit der Menschen kennt hier wenig Grenzen, so wurde unsere zweite Grünhelmin auf den Philippinen – Andrea Kaempf – zum Abschied zum Essen auf eine Insel eingeladen. So sind wir, begleitet von einem großen Teil des Dorfes, mit Fischerbooten an einen Strand zum Picknick gefahren. Auf meine Frage, ob das Dorf solche Ausflüge öfter macht, kam die Antwort, dass eine so große Dorfgemeinschaft erst durch uns entstanden ist. Jeder der neuen Hausbesitzer hat ein paar Worte der Dankbarkeit an Andrea gerichtet. Dabei sind viele Tränen, bei Frauen wie bei Männern, geflossen. Andrea hat ein sehr großes Ansehen bei den Menschen in Cambinoy genossen, danke Andrea für deine tolle Arbeit.

Katastrophenhilfe abgeschlossen: Natürlich soll es nun weiter gehen und so haben sich Hannes Zahner und ich auf die Suche nach weiteren geeigneten Dörfern gemacht. Dabei mussten wir -– glücklicherweise – feststellen, dass die meisten Filipinos ihre Häuser wieder repariert oder angefangen haben sie wieder aufzubauen. Dadurch sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass wir ab jetzt hier keine Nothilfe mehr leisten werden, sondern für diejenigen Häuser bauen werden, deren wiederaufgestellte Häuser aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation in einem desolaten Zustand sind. Es ist sehr verwunderlich, dass zu diesem Zeitpunkt immer mehr Organisationen auf den Markt drängen. „Markt“ deswegen, weil es besonders die großen Bekannten sind, die es nicht wert sind, Hilfsorganisation genannt zu werden, da deren Arbeit eher ein Geschäft als wirkliche Hilfe um des Helfens Willen darstellt. Meine Erlebnisse aus Pakistan und dem Kongo wiederholen sich. In den großen Städten fahren schwarmweise bedruckte, klimatisierte Autos durch die Gegend und die Hotels sind sicher gut ausgebucht. Angefangen, wirklich Häuser zu bauen haben zuweilen wenige.

Unsere besonders stabile und trotzdem sehr günstige Bauweise kommt sehr gut an. Einige Nichtregierungs-Organisationen und TESDA (die staatliche Ausbildungsagentur für technische Berufe auf den Philippinen), haben angefragt unser Haus zu kopieren und sogar schon auf einer unserer Baustellen ein paar Tage mitgeholfen, um zu lernen, wie wir unsere Häuser bauen. Für TESDA haben Hannes und ich ein Training für deren Berufsschullehrer gegeben, die in Zukunft bestimmte Aspekte unserer Bauweise (vor allem die Holzskelettbaukonstruktion, Verbolzungen, Verstrebungen etc.) an angehende Zimmerleute weitergeben werden. Dass unser Haus so günstig und trotzdem so stabil ist, verwundert viele, selbst erfahrene Zimmerleute.

Ganz in der Nähe zu Palompon haben wir acht Familien gefunden, die auf der hiesigen Müllhalde arbeiten und wohnen. Die ganze Familie sammelt und sortiert den Müll, um Metall und Plastik in der Stadt zu verkaufen, auch die jüngsten. Hannes Zahner lag es ganz besonders am Herzen, diesen Familien zu helfen. So haben wir ca. 200 m entfernt ein Grundstück gefunden, wo wir acht Häuser aufbauen können. Das größte Problem ist hier, dass die Ärmsten selber kein Land besitzen und die Besitzer oft nicht offiziell einwilligen wollen, dass wir Häuser für die Familien bauen. Zum Glück gibt es hier auf den Philippinen Menschen, die anders sind. Für den Aufbau der acht Häuser haben wir das schriftliche Einverständnis des Besitzers. So müssen die Familien nicht mehr im Müll leben – und sie wohnen zugleich näher an ihrer Arbeit.

Im Landesinneren, in Matag-ob, haben wir eine Region gefunden, wo die Menschen auf Grund der Entfernung zum Meer besonders stark vom Sturm betroffen sind. Ihre Haupteinnahmequelle, der Kokosnussanbau, ist mit den Sturmschäden infolge des Taifuns nahezu versiegt. Die Palmen, die noch stehen, haben keine Nüsse oder werden ihre noch hängende durch starke Beschädigung verlieren. Weil es dort einen sehr guten Bürgermeister gibt, sind viele Häuser wieder aufgebaut. Nur die, die es aus eigener Kraft nicht können, meist alte Menschen, wohnen noch in provisorischen Verschlägen. Dort werden wir verstreut Häuser aufbauen. Die Zusage für Hilfe in Form von Arbeitskräften haben wir schon. Außerdem gibt es eine Schule, die zwar Dachbleche vom Staat bekommen hat, aber kein Material für den sehr stark beschädigten Dachstuhl, den wir erneuern wollen. Wir sind in Gesprächen mit den Verantwortlichen der Schule, leider herrscht auf den Philippinen jedoch große Korruption und wir wurden schon von vielen Schulleitern beziehungsweise Schulbeauftragten der Örtlichen Verwaltung zurückgewiesen. Wenn wir die Dächer bauen würden, können sie keine Gelder beantragen, von denen sie einen Teil einstecken können.

Hier zeigt sich erneut die große Stärke der Grünhelme, sich schnell und unbürokratisch an die Situation vor Ort anzupassen. Die Zeichen stehen auf eine schnelle Beendigung der Arbeiten hier. Wir fangen an, wenn noch keiner angefangen hat und sind fertig wenn die anderen anfangen. Dafür brauchen wir Handwerker, Bauingenieure, Architekten oder Menschen mit handwerklicher Erfahrung, die bereit sind drei Monate ohne Luxus und bei 40 Grad zu schuften. Wir möchten unser Team vor Ort auf sechs Grünhelme aufstocken. Am 28.4.14 sind schon die ersten zwei neuen Grünhelme hier angekommen. Mario Bruss und Fabian Leipold haben sich schon gut eingelebt und sind grade dabei sich an die Hitze zu gewöhnen.

Vielen Dank an die beiden und an die Menschen, die durch ihre Spenden unsere wichtige Arbeit erst möglich machen.

Ein letzter Dank geht an die Menschen auf den Philippinen, die keine Hilfe von uns erhalten, sondern uns vor Ort unterstützen. Allen voran an Warblitz Martinez, die alles dafür tut, unsere Arbeit so unproblematisch wie möglich zu begleiten. Ihre große Familie, Warrior, Warpeace, Warwin, Michael Victor Lloren Balaga, Lucinda Obando und Heinz Arnold greifen uns unter die Arme, wo sie nur können, sowohl bei organisatorischem, der Vermittlung wichtiger Kontakte, der Reparatur und Bereitstellung diverser Maschinen und Werkzeuge, wie auch beim Kochen und Waschen. Herzlichen Dank dafür!