Halbzeit in Pakistan
Bisher 35 Häuser in Pakistans Flutgebieten gebaut

Digital CameraDie Grünhelme haben sich Ende August 2010 kurz entschlossen, ein Häuserwiederaufbau Programm, in den Dörfern die von der Jahrhundertflut überschwemmt waren, und deren Häuser und Hütten zerstört wurden, zu starten. Wir flogen nach Karachi und nicht in die Hauptstadt Islamabad, weil wir uns Rat und Unterstützung von der befreundeten Organisation Marie Adelaide Leprosy Centre holen wollten. Die MALC hat es in 50 Jahren geschafft, die Lepra in Pakistan abzuschaffen. Der erste, der dorthin gehen und das Projekt gründlich vorbereiten konnte, war Nedim Goletic. Nedim (genannt Neno) ist von Herkunft Bosnier und lebt seit 30 Jahren in Deutschland.

Er bereitete das Projekt vor, das in 400 km Umgebung keine andere Organisation macht. Wir wollten den Flutopfern eine lange Zeit in provisorischen Lagern ersparen. Deshalb fing Ende Oktober die erste Arbeit an: In der Provinz Sindh, 500 km nördlich von Karachi und 55 km südlich von Lakarna. Genauer: Distrikt Shahdad Kot, Dorf Shikandar Ali Khoso, das eigentlich ein Großdorf ist und aus vier Dorf-Teilen/ 25 Häusern besteht: In YASEEN, das den ersten Teil des Dorfes bildet, wurden 12 Häuser von den Bewohnern gebaut, die dort mit ihren Familien einziehen konnten. Die Arbeit war so organisiert, dass die Grünhelme das Material einkauften, die Bauarbeiten dann von den Grünhelmen und zwei bis vier pakistanischen Maurern professionell unterstützt wurden. Wir konnten deshalb bei unseren Freunden und Spendern stolz den Preis von 1300.- Euro für ein Haus für eine Familie mit bis 10 Mitgliedern bekanntmachen und halten.

Der zweite Dorfteil heißt Brohi, dort wurden vier Häuser gebaut, hauptsächlich in der Zeit, als wir nur einen Grünhelm vor Ort hatten, der diese Arbeit mit großer Bravour und Leidenschaft getan hat: Martin Mikat. Der dritte Teil war Gull Hasan mit drei Häusern, dazu der vierte Dorfteil Haibet Khan – wo mit den Dorfbewohnern und Betroffenen 6 Häuser fertig gestellt wurden. Dazu wurde von uns noch 1 Waschhaus für Frauen aufgebaut.

Am 8. Februar 2011 wurden dann die Werkzeuge und Maschinen in das nicht weit davon entfernt liegende Dorf Peeral Jat gebracht. Dort werden acht Normhäuser gebaut, dazu noch für 2 Familien, 13 und 9 Personen zwei größere Häuser, mit je 3 Räumen. Am 28. Februar 2011 gab es den dritten Umzug in das Dorf Darya Khan Mastoi. Dort sind 15 Häuser geplant, wobei es 6 davon als Doppelhäuser geben sollte, das einfache Normhaus war in der Länge auf 7m x 4 Meter berechnet, das Doppelhaus ist auf 14m x 4 Meter kalkuliert.

Wir haben jetzt drei Grünhelme vor Ort: Heiko Frieling und Katharina Dieterle (beide Nähe Frankfurt) sind Architekten und Andre Körner (aus Dresden) Industriemeister. Am 20. März wird Christian Weber über Karachi nach Sukkur fliegen und dann dort das Team verstärken, er ist ein Leipziger Zimmermann und Bauingenieur. Wir wollen noch ein viertes Dorf beginnen, möglicherweise das Dorf Gulla Mustafa Garwar an der Grenze zu Baluchistan , wo 237 Familien leben und wo man wegen der Größe des Dorfes eine einheimische Bambusbauweise wählen würde, die den Grünhelmen ermöglicht für alle Dorffamilien ein Häuschen zu errichten. Der Vorteil bei dieser Bauweise: Die Dorfbewohner könnten mit den gelieferten Materialien viel stärker selbsttätig den Aufbau der Bambus-Häuser betreiben – auch ohne unsere permanente Assistenz.

Es gab ein Altona-Haus, was in dieser Zeit fertig gestellt wurde. Unser alt-junger Afghanistan Mitarbeiter Malte Fähnders hat die ganze Bekannt- und Verwandtschaft in seiner Umgebung animiert, die 1300.- Euro für das Haus Altona zusammenzukriegen. Es hat geklappt. Das „Haus Altona steht“.

Die Grünhelme erleben eine Dankbarkeit der Bevölkerung. Die Flut in Jahre 2010 sollte auch als Chance für einen Neuanfang Begriffen werden. Unser Programm, das an die 75 Familien, ca. 525 Menschen, ein Dach überm Kopf gibt, ist weit mehr als nur das Programm: „Ein Dach überm Kopf“. Es ist ein Zeichen, dass es Menschen außerhalb Pakistans ohne religiöse Interessen gibt, ja, die nur helfen wollen. Je eher wir dieses den Pakistanis aufzeigen, umso besser für die ganze Welt.

Es tummeln sich viele internationale Organisationen hier in Pakistan, allerdings vertreten durch Pakistanis, nur wer sind die Pakistanis, die hier die Internationale Hilfe durchführen? Warum trauen sich westliche Leute nicht in Pakistan zu arbeiten? Wenn der Grund die eigene Angst ist, dann bieten wir der radikalen Minderheit eine viel zu große Plattform. Die Arbeit der Grünhelme ist zu wertvoll um sie als bloße Hilfe zu deklarieren. Sie bietet eine Möglichkeit, wie das Land Pakistan aus der eigenproduzierten Misere herauskommen könnte. Nämlich mit ehrlicher Hilfe. Mit Menschen, die mit anpacken und die sich nicht zu schade für dieses Land sind.

Ich habe so oft zu hören bekommen, dass ich nicht physisch mitarbeiten sollte, dass das meiner Autorität schaden würde. Sogar aus eigenen Reihen „wir sind nicht dafür da, um hier zu arbeiten“. Ich finde wir sind auch dafür da. Wir sind auch da, um zu zeigen, dass es anders geht. Wir müssen ein wenig führen. Und das nur am Anfang, während wir den Menschen beim Start helfen.

Mit unserer Arbeit haben wir eine Brücke geschaffen, die jetzt von der Landbevölkerung und sogenannten Land Lords erhalten werden sollte. Das Projektende dieses Noteinsatzes ist für Juni 2011 avisiert, maximal Juli 2011.

Nedim Goletic

 

Posted in Pakistan