Hans Koschnick ist am 21. April 2016 gestorben!
Grünhelme trauern um einen Freund und Mitglied des Kuratoriums

Voila un homme! Seht, was für ein Mensch. Er war wirklich dieser Mensch, der da steht wie eine Kerzengerade, um ihn herum die größten Gefahren im Anzug. Das war Mostar 1994, im Hotel ERO. Koschnick hatte wie angekündigt das Dekret unterzeichnet, wie die Gemengelage Mostar Ost und Mostar West sein sollte. Mostar West war kroatisch-katholisch, Mostar Ost war kroatisch-muslimisch. Dagegen wehrten sich, vorbereitet, wild gewordene fanatische Kroaten. Die Situation war brandgefährlich für Koschnick. Er saß in dem Wagen fest, man suchte nach einer Möglichkeit, den Wagen umzukippen oder anzuzünden. Die IFOR, also die UNO-Armee beriet lange über die Sicherheitslage für sich selbst und als sie da war, war es zwei Stunden zu spät.

Das war vielleicht der Höhepunkt der politischen Arbeit von Hans Koschnick: die Arbeit als „EU Gradonacelnic“ in Mostar. Das war alles mitten im Bosnien Krieg. Die nationalistische Verblödung hatte die beiden Stadt-Hälften um den Drina Fluss gegeneinander leben lassen. Beide Seiten ließen da in nichts nach. Die kroatische Seite war die stärkere, weil die Kroaten ja auf Mostar in der Herzegowina als ihrem Territorium verharrten.

Er war jemand, der gegen alle Sicherheitsbestimmungen und Tarifordnungen bei dieser Arbeit mit Verve und mit Schmackes verstoßen hat. Aber er ist deshalb am Ort geblieben. Zweimal gab es ein Attentat: einmal wurde am Abend in sein Zimmer geschossen, aber er saß meist mit allen, die etwas mit ihm und von ihm wollten – im Restaurant des „Hotel ERO“ in West-Mostar, also der kroatischen Seite.

Der Wahnsinn des verblödenden Nationalismus, der ja durch die Mono-Religion immer nur stärker wird, hatte dazu geführt, dass eines der schönsten Baudenkmäler und architektonischen Augenweiden, die berühmte Brücke von Mostar, von halb wildgewordenen Kroaten kaputt geschossen wurde. Auch ein Zeichen dafür, wie es unter Christen oder solchen, die sich leider dafür halten, eben auch Terrorgruppen gibt. Man kann es nicht zum Trost dieser großen zerstörten Baudenkmäler sagen: man bekommt sie durch Restaurieren alle nicht so hin, wie sie mal in unserer Erinnerung gewesen waren.

Es gibt kaum jemanden, der so wenig eigensüchtig mit seinem Parteiabzeichen umging. Hans Koschnick war immer gern zur Zusammenarbeit bereit. Mit allen. Es musste um eine gemeinsame Sache gehen, ein bonum commune für uns alle.

Er war immer auf der Seite derer, die etwas taten, der Humanitären. Wir konnten uns immer wieder bei ihm vorstellen und um Rat fragen. Er war für die Grünhelme von großer Bedeutung. Vor allem in den quälenden drei Monaten der Entführung unserer drei Grünhelme (vom 15. Mai 2013 bis 3. September 2013) – als wir nicht mehr weiter wussten. Es war ungeheuer wichtig, ihn auf unserer Seite zu wissen.

In Frankreich gibt es den wahren Satz, der mir heute wegen Koschnick wieder einfiel: „Chaque Mort est un Meurtre“. Jeder Tod ist erst mal auch ein Mörder. Er ist es für die Angehörigen, für die wunderbare Christine Koschnick, mit der sich Hans Koschnick noch bis kurz vor dem Tode heftig und herrlich streiten konnte.

Für mich war er auch ein Mit-Hanseat. Er kam aus der Freien und Hansestadt Bremen; ich aus der Freien und Hansestadt Danzig. Bremen begann in der tiefsten Eiszeit des Kalten Krieges eine Partnerschaft mit dem nunmehr polnisch artikulierten Gdansk. Wir hatten uns auf das Stadtwappen von Danzig geeinigt als unser beider Wahlspruch: „Nec Temere nec timide“.

Weder furchtsam noch tollkühn. Damit begrüßten wir uns. Hans Koschnick: wir, die Cap Anamur-Gemeinde, die Grünhelme-Gemeinschaft sind traurig, dass Du gegangen bist.

Rupert Neudeck

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