Heiße Schlussphase!
Neues aus dem Operndorf in Burkina Faso

25.01.2013_1Meistens sind es immer die zwei gleichen Dinge, die uns Grünhelme in Afrika mit den Menschen verbinden: Zum Ersten ist das natürlich Fußball – wenn man also zum Beispiel in einem Afrikanischen Land beim „public-viewing“ ein Spiel der dortigen Nationalmannschaft sieht und glücklicherweise das Trikot dieser Mannschaft trägt, so dass man nach dem ersehnten Ausgleich in der fünften (!) Nachspielminute auf Händen durch die Wellblechhütte getragen wird.

Gleich gut eignet sich wie wir gut wissen, gemeinsames Arbeiten zum gegenseitigen Kennenlernen – wenn zum Beispiel das entscheidende Tor für die gemeinsam angefeuerte Mannschaft so bejubelt wird, dass das Dach der kleinen überfüllten Satelliten-Fernseh-Hütte einstürzt und von allen zusammen wieder aufgebaut werden muss. Passiert beides an einem Abend, wie gestern beim ersten Afrika-Cup Spiel der „aufrechten Menschen“ (das nämlich heißt Burkina Faso wörtlich übersetzt), dann schweißt das alle fester zusammen als die Eisen in unseren Dachträgern und dann wird ein Unentschieden in der Vorrunde wilder gefeiert als der Weltmeistertitel in Deutschland.

Das ist gerade jetzt sehr schön, weil wir nach neun Monaten in Burkina Faso auch auf der Baustelle zur „schönsten Krankenstation Afrikas“ endlich in der heißen Schlussphase sind. Mit 80 Arbeitern aus den umliegenden Dörfern hämmern, schrauben und schweißen wir fleißig an der Fertigstellung um die Anlage in sechs Wochen pünktlich an die schon darauf wartenden Mediziner aus Burkina Faso und Deutschland übergeben zu können. Damit ist die Krankenstation dann das erste Gebäude des Operndorfes, das ganz allein von den Bewohnern der umliegenden Dörfer gebaut wurde – eine Arbeitsweise, die hoffentlich für alle weiteren Häuser des ehrgeizigen Kultur-Projekts beibehalten wird. Wir Grünhelme werden uns für eine kleine berufschulartige Ausbildung stark machen, damit Menschen der Umgebung nicht nur langfristig Arbeit finden, sondern darüber hinaus auch anderswo Geld verdienen und ausgebildet arbeiten können.

Zu unserer großen Freude entwickelt sich das Operndorf aber auch abseits der Baustellen weiter: Im Februar soll das große Mali-Wüsten-Festival auf den kleinen Opernhügel kommen und mit 5.000 Leuten erstmals eine große Zahl von Künstlern und Zuschauern in den heißen Sand der Sahel locken.

Durch den Krieg kann Mali das normalerweise in Timbouktou stattfindende Festival dieses Jahr nicht im eigenen Land austragen und so sind die Veranstalter dankbar für die große Gastfreundschaft in Burkina Faso. Die Beiden Nachbarländer haben schon langen ein gutes Verhältnis und neben diesem kulturellen Austausch und der Vermittelnden Rolle der Burkinesischen Regierung in der Mali-Krise unterstützt das Land seine Nachbarn und dessen Flüchtlinge auch direkt.

„Die Menschen hier in Burkina Faso sind sehr nett zu meiner Familie und sie haben uns vom ersten Tag an sehr freundlich aufgenommen“, sagt zum Beispiel der Maurer Moussa. Er ist schon bei den ersten Unruhen im letzten Sommer mit seiner Frau und seinen vier Kindern von Mali in die von hier aus nicht weit entfernte Kleinstadt Ziniaré gezogen. Leider hat er im Gegensatz zu seinen Arbeitssuchenden Kollegen aus Burkina Faso nicht mal Ackerland um während der fruchtbaren Monate die Ernährung seiner Familie gesichert zu haben.

Im Moment arbeitet er mit uns an der Fertigstellung der Krankenstation und ist froh wenigstens vorrübergehend Arbeit gefunden zu haben. Er möchte so schnell es geht wieder zurück in seine Heimat aber wann das sein wird, das kann nicht mal Moussa abschätzen. Betrachtet man die Zahl der Mitarbeiter die weiterhin alle von ihren internationalen Organisationen nach und nach von Bamako ins sichere Burkina Faso evakuiert werden, scheint ein richtiger Krieg jedenfalls erst noch bevorzustehen. Doch selbst im so stark kriselnden Mali scheint eine Sache immer noch am allermeisten zu verbinden: natürlich Fußball. Mali ist bisher die große Überraschung des Afrika-Cups und von allen Mannschaften am erfolgreichsten in das Turnier gestartet.

Wer weiß, vielleicht gibt es ja das Malinesische Wunder von Johannesburg (Afrika-Cup Finale) und wird zuhause durchs ganze Land getragen…

 

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