Herzlichen Glückwunsch, Cap Anamur!
Die Grünhelme gratulieren Cap Anamur herzlich zum 40. Geburtstag!

8f2430d6-9b08-47f3-9285-769b7114986f„40 Jahre Leben retten“ wurden am letzten Wochenende im Rautenstrauch-Museum in Köln mit Festrednern aus Politik und Kultur gefeiert. Auch zwei der inzwischen fünf nach Rupert Neudeck benannten Schulen waren anwesend und sorgten für musikalische Unterhaltung.

Uns Grünhelme verbindet viel mit Cap Anamur, beide Organisationen wurden von Rupert und Christel Neudeck gegründet und stehen für schnelle unbürokratische Hilfe, und es gibt aktuell Kooperationen in Ländern wie Sierra Leone und Mosambik. Wir freuen uns auf viele weitere Projekte und über die wirklich bewegende Rede von Christel :

Das Komitee Cap Anamur wurde gegründet, weil 1979 viele Bootsflüchtlinge aus Vietnam im Südchinesischen Meer ertranken, ausgeraubt und vergewaltigt wurden und es eine Möglichkeit gab, einige von ihnen zu retten. Sie wurden als Kontingentflüchtlinge in Deutschland aufgenommen. Wolfgang Schäuble sagte über sie: „Wenn es ein Beispiel gibt, dass Integration keine Bedrohung ist, sondern eine Bereicherung, so ist es die Geschichte der Menschen aus Vietnam, die unter uns leben.“

Heinrich Böll, der Mitgründer des Komitees, nannte das 20. Jahrhundert „Das Jahrhundert der Flüchtlinge.“ Er ahnte nicht, was wir zurzeit erleben. Ich zitiere ihn: „Ich finde, dass bei all diesen Überlegungen, Auseinandersetzungen, Kontroversen vergessen wird, dass es sich um Ertrinkende handelt, im buchstäblichen Sinne. Und sich keiner, aber wirklich keiner anmaßen darf zu sagen: Der muss ertrinken, der nicht. Ich finde, diese wahrscheinlich gar nicht so selbstverständliche Menschlichkeit, dass man Ertrinkende zu retten versucht, geht bei all diesen abstrakt ideologischen Repliken verloren.“

Es muss auch gesagt werden, dass heute das Rettungsschiff Cap Anamur eine Erfolgsgeschichte ist. Damals war es ein stetiger Kampf um Aufnahmeplätze, Finanzierung; niederschmetternde Kommentare. Im Unterschied zu heute waren bitterböse unverschämte Briefe anonym. Es war nicht ungünstig, dass Rupert ein solcher Sturkopf und so unerschrocken war.

Cap Anamur hat in 40 Jahren in vielen Ländern gearbeitet, die Projekte von Spendengeldern finanziert. Unsere Spender haben uns immer vertraut, so konnten wir oft unbürokratisch und schnell helfen.

Mein Kopf ist voll von den Geschichten der letzten 40 Jahre, meistens waren wir erfolgreich. Aber es gab auch Rückschläge. Nach Martin Buber ist Erfolg kein Name Gottes.

Beim Sichten der vielen Akten, die Rupert gesammelt hatte, fand unsere Tochter Yvonne vor wenigen Wochen einen Mail-Kontakt mit unserem Mitarbeiter Henrik Sauer, der die Arbeitsweise des Komitees deutlich macht. Nicht immer kann alles ordentlich zugehen, manchmal braucht es Phantasie, um wirksam helfen zu können.

Im Norden Somalias sollten 1993 die Aufständigen entwaffnet werden, um ein Blutbad zu verhindern.

Rupert schrieb Henrik, dass Cap Anamur das gern verhindern wolle; aber wir würden nie Geld, schon gar nicht an Regierungen geben. Was also tun?

Henrik erinnerte sich gut und schrieb vor drei Wochen aus dem Senegal, wo er zurzeit eine Kfz-Werkstatt aufbaut:

„Ha, wie schön! Ich erinnere mich sehr gut!

Da haben wir einen erneuten Bürgerkrieg in Somaliland abgewendet durch Kauf und Verteilung einer großen Herde Kamele an die Milizen, die entwaffnet werden sollten, sich deswegen schon in Camps gesammelt hatten, da ihnen von der UN Lebensmittel und Ausbildung versprochen waren. Die UN, die dafür aber noch kein OK aus New York hatte, war gerade aus dem Land geschmissen worden und die hungrigen Milizen fingen an, sich die Waffen mit Gewalt wieder zurück zu holen um dann gegen die Regierung zu ziehen. Rupert hat mir kurzerhand 25.000 Dollar überwiesen und ich habe ich Djibouti (400 km. entfernt) die Kamele gekauft, nach Somaliland transportiert und mit großem Zinober mit der Regierung an die Milizen verteilt, die sich dann auch brav in die Camps zurückzogen, bis die UN ihr Programm irgendwann mal implementieren konnte. Darüber gab’s auch einen Artikel in Newsweek.“

Bei den aktuellen Problemen hier in Deutschland würde ich mir sehr wünschen, dass wir kreativ und erfolgsorientiert handeln, die behindernde für den Staat teure Bürokratie abgebaut wird. Ein Kabarettist hat einmal gesagt, die Deutschen hätten gar nicht so viel Geld für einen Mauer zwischen Ost und West bauen müssen, eine rote Ampel hätte genügt. Überall stehen diese roten Ampeln. In meiner erweiterten Familie habe ich gleich zwei Beispiele. Hier werden dringend Kinderärzte gesucht. Mein argentinisch-italienischer  Schwiegersohn hat seine Deutschprüfung bestanden, erfolgreich sechs Jahre als Kinderarzt in Spanien gearbeitet, aber er wartet und wartet auf die Genehmigung hier arbeiten zu dürfen. Mein afghanischer Ziehsohn ist im 3. Lehrjahr als (gesuchter) Elektroniker, spricht fließend Deutsch und beachtet unser Grundgesetz; er wird genauso behandelt wie diejenigen, die gesund, aber dennoch faul sind. Es ist nicht möglich, dass man sagt, ok, Dein teures Verfahren wird eingestellt, in drei Jahren prüfen wir noch einmal nach, ob Du Deutscher werden kannst. Das sind ja nur zwei Beispiele, die für viele stehen, das Land viel Geld kosten, den Beteiligten Kraft nehmen und nur ein Fortkommen verhindern.

Die ehemaligen vietnamesischen Bootsflüchtlinge haben darauf bestanden, Rupert in Troisdorf ein Denkmal zu errichten, darauf steht: Weder tollkühn noch furchtsam, der Spruch seiner Heimatstadt Danzig.

Das könnte doch gut auch unser aller Wahlspruch für unser Leben sein: Sich nicht ständig Angst von allen möglichen Leuten vor allem Möglichen machen lassen, was nicht ausschließt, nachzudenken bevor man handelt. Ich selbst als Großmutter des Komitees, bin wirklich glücklich darüber, dass Cap Anamur weiterhin diese Prinzipien beachtet.

DANKE alle Mitarbeitern und Spendern!

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