Hoffnungszeichen in Afghanistan
Strategie der „Neuen Amerikaner“ macht den Menschen Mut

21.03.2010_1 Die Strategie der „Neuen Amerikaner“ macht den Menschen in Afghanistan wieder etwas Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Gegen Ende der Regierungszeit vom George .W. Bush hatten die meisten Menschen in Afghanistan es aufgegeben, ihre Zukunft in Afghanistan zu sehen. Viele junge Menschen sahen wegen der mit jedem Tag schlechter werdenden Sicherheitslage und der erwürgenden Korruption im Staatsapparat für sich keine Chancen, in ihrer Heimat glücklich zu werden.

Einige Jobs, die vor allem durch Investitionen von Exilafghanen entstanden waren, schienen sich auch wieder in Luft aufzulösen: Viele Investoren hatten wegen unvorstellbar grausamer Entführungsaktionen durch immer krimineller werdende Banden das Land verlassen.

Es war nicht schwer zu merkten, dass die Amerikaner und ihre ISAF-Verbundeten es nicht als ihre Pflicht sahen für eine Bessere Zukunft der Afghanen zu kämpfen. Vielmehr haben sie ihre Hauptaufgabe darin gesehen, hier weit weg von ihrem Land Al Qaida zu bekämpfen. Hier hatte man das Gefühl, dass sie dabei die Taliban in vielen Ihrer Aktivitäten tolerierten. Zeitweise fiel es einem schwer auszuschließen, dass die Taliban nicht wieder an die Macht gebracht werden oder zumindest dran beteilig werden.

Deshalb bewegen sich jährlich hunderttausende, insbesondere junge Menschen allein aus den westlichen Provinzen Afghanistans in die Nachbarländer, hauptsächlich in den Iran. Ein Teil von ihnen bleiben dort um zu arbeiten. Ein weiterer Teil versucht weiter westlich, am liebsten bis nach Hamburg oder noch weiter zu kommen. Wonach diese Menschen suchen, sind ganz normale Bedürfnisse wie Sicherheit, Arbeit, Zukunftsperspektive für ihre Kinder und ähnliches.

Heute war es wieder so weit, dass eine Gruppe von jungen Menschen aus Armalek und Damjoo, zwei Ortschaften aus dem Distrikt Karokh, die Stiefel anzogen, um sich auf die gefährliche Reise in Richtung Iran zu begeben. Einer dieser Reisenden ist der Sohn von Hadji Homajun in Damjoo. Damjoo ist der Ort, wo die GRÜNHELME ihre 32. Schule in Afghanistan aufbauen. Er wird von den Arbeiter oft auch als „Hadji Radio“ genannt, weil er immer sein Kleines Radio am Ohr hält. Wie fast jedes Mal kommt Hadji Radio mit einer Thermoskanne mit grünem Tee auf die Baustelle, wenn er uns bei der Morgentee Pause sieht.

Hadji ist wegen seinem Sohn etwas beunruhigt. Er darf jetzt keinen Bericht verpassen. Wenn alles gut läuft, wollte sich sein Sohn in acht Tagen telefonisch aus dem Iran melden. Er hätte damit die gefährliche Reise über die grüne Grenze überstanden. „Ein Visum für den Iran bekommen die Afghanen kaum noch. Und, wenn dann müssen sie dafür auf dem Schwarzmarkt fast 2000 $ bezahlen“, sagt Hadji.

In den Kriegsjahren gegen die Russen wollte Hadji selbst nie seine Heimat verlassen. Aber das Finsternis der Taliban konnte er damals nicht ertragen und ist zwei Jahre nach dem die Taliban auch in Herat die Macht übernommen hatte, ist er samt seiner Familie in den Iran geflüchtet.

Als die Taliban 1996 frisch nach Herat kamen, dachte er; „endlich hat Afghanistan eine richtige Regierung bekommen“. Aber es dauerte nicht lange und schon merkte er, dass es einen großen Unterschied zwischen den Islam der Taliban und dem Islam gibt, den er liebt. In dem Islam, an dem er glaubt gibt es keinen Platz für Hass gegen die anderen.

Hadji lässt das Radio an und berichtet uns, was er in den 9 Uhr Nachrichten gehört hat. „Heute hatte es in Kandahar sehr schwere Angriffe gegen die Taliban mit über dreißig Toten und unzählige Verletzten gegeben. Außerdem konnten angeblich unzählige Gefangene aus dem Gefängnis flüchten“. Aber dann gab es auch gute Nachrichten. „Nach einer Meinungsumfrage sind viele Afghanen der Meinung, dass die Amerikaner für Afghanistan in den letzten sechs Monaten mit einer besseren Politik arbeiten“ – so zitiert Hadji sein kleines Radio. Dass US-Präsident Obama der Korruption in Afghanistan den Kampf angesagt hat, finden die meisten Anwesenden in dieser Teepause ganz wichtig. Dass Obama gegen die Taliban härter vorgeht, wird als Zeichen dafür gesehen, dass die neue Amerikanische Regierung „mit nur einem Gesicht“ arbeitet, meint der frisch dazu gestoßene Dorfratsvorsitzende, Gulam Khan.

In der Provinz Herat würde man im Oktober 2009 Zeuge der Wirksamkeit dieser Strategie. Die Zusammenarbeit der Amerikaner, der afghanischen Arme und Polizei mit einem Hauch italienischer ISAF- Einmischung sorgte in der Distrikt Gosara dafür, dass eine mit den Taliban sympathisierende Entführer – Gruppe zerschlagen würde. Damit kehrte hier deutlich mehr Ruhe und Sicherheit in die ängstliche Stadt Herat zurück.

Eine ungewöhnliche Radiowerbung unterbrach unser Gespräch: Eine Stiftung sucht nach dem Modell Deutschland – den Superstar, den Muezzin mit bester Stimme. „Gewählt wird er bestimmt durch SMS“, sagt der Dorfchef und verdreht die Augen. Das Radio hat Hadji vor sieben Jahren, als er aus dem Iran zurückgekehrt ist, am Grenzübergang Islam Qala angeblich von einem Deutschen UNO-Mitarbeiter geschenkt bekommen. Bis vor kurzem war er davon überzeugt dieses Radio von einem Deutschen geschenkt bekommen zu haben.

Aber seit dem er Anfang Januar die Deutschen Rupert Neudeck und Titus Dittmann auf der Baustelle in Damjoo gesehen hat, zweifelt er, dass dieser nette Geber damals ein Deutscher gewesen war. Nach seinen bisherigen Vorstellungen sollten die Deutschen mandelförmige Augen und dicke schwarze Haare haben. Seinen Beschreibungen nach bekam er dieses Radio damals nicht von einem Deutschen, sondern eher von einem Japaner oder Chinesen. Aber das Radio funktioniert noch. Er kann er mehrere afghanische und iranische Sender empfangen.

Über die Dächer mancher Häuser in Damjoo sind einzelne TV-Antennen zu sehen, aber vom Fernsehen hält er Hadji Radio nicht viel. Obwohl man damit vieles erfahren kann, z. B. wie die Deutschen aussehen. Er würde sich als Hadji (gepilgert nach Mekka) so „ein Teufels Ding nie ins Haus holen“, sagt er.

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