Kamituga ist eine Reise wert
„Ndiyo Tutashinda“ Haltern am See in Kamituga/DR Kongo

07.06.2011_1Wir haben mit den Arbeiten an unserer Schule in Kamituga endlich begonnen. Die ersten Lehm-Steine werden produziert. Die Strasse von dem Plateau, auf dem die Primärschule steht, in das Stadtinnere von Kamituga wird planiert, so dass LKWs dort hochkommen können. Wir haben einen Vertrag gemacht mit der Katholischen Kirche, der diese Schule untersteht, mit deren Priester Tambwe Selemani Cyrille. Dann mit dem Chef des Stadtteils Mero in Kamituga Etima Wakilongo; auch mit dem Direktor der Schule und dem Vertreter des Bildungsministeriums in Bukavu mit Sitz in Kamituga. Wir werden 18 Klassenräume in genau fünf Gebäuden, dazu einen Raum für die Lehrer und einen für den Direktor bauen. Diese Verträge sind wichtig, damit nach Fertigstellung der Schule der Schulbetrieb verantwortlich geführt wird.

Die Stadt Kamituga ist zu einer – im Rahmen des Süd-Kivu gesagt – kleinen Großstadt geworden. Sie hat auf Grund der letzten Kriege, die mit und nach dem Völkermord in Ruanda 1994 ausbrachen, einen solchen Zuwachs der Bevölkerung bekommen, dass wir mit 120.000 Menschen rechnen müssen. Entsprechend groß ist der Andrang zu den Schulen. Einen Tag, nachdem wir die Bedingungen für den Beginn der eigentlichen Bauarbeiten geklärt hatten, haben wir schon die Frauen mit den Schulkindern an der Arbeit gesehen: Die dicksten Schlammlöcher auf der Straße hinunter zum Zentrum von Kamituga wurden mit Bausteinen aufgefüllt. Die Schulkinder brachten je vier Steine auf dem Kopf dorthin, sodass der Beginn der Straßen-Rehabilitierung schon geleistet ist. Es war ein M Mut machender Beginn für unser Team, das aus den Bautechnikern Gunther Beier und Nicolaus Wirth besteht.

Das Team wohnt in den nächsten 3-5 Monaten in der Pfarrei der Kirche Franz Xaver. Wir werden die ersten drei Wochen noch letzten Arbeiten an der zweiten Schule der Grünhelme machen und dazu jeden Tag von Kamituga nach Kibe fahren. Es ist bei den drei Gebäuden von Kibe der Boden zu betonieren, die Wände zu streichen und die Regenrinnen am Dach zu befestigen. Sodann wird noch das Schulmobiliar in die Schule gebracht, das gegenwärtig in einer Schreinerei in Kamituga gefertigt wird.

Die Messe am Sonntag in der katholischen Kirche war ein großes Erlebnis. Wir dachten als blasse Europäer an die Toleranzzeit von 60 Minuten, die unsereiner in der Kirche aushält, wenn er dort seine frömmsten Stunden verbracht hat. Es wurden daraus 150 Minuten. Aber das Erlebnis des guten Chores und der Tanzgruppen im Kirchenraum bei den anwesenden 2000 Menschen war gewaltig. Am Schluss bat uns der Pfarrer Cyrille nach vorne an den Altar und wir durften die deutsche Equipe mit Nicolaus Wirth und Gunther Beyer vorstellen, die hier drei bis sechs Monate bleiben, die Bauarbeiten leiten und beaufsichtigen wird. Wir haben bei den Schulträgern schon die Erlaubnis erwirkt, die eine Hälfte der Schule die „HALTERN AM SEE SCHULE“ zu nennen und die andere die „EMONS SCHULE“ (Köln Porz) nach den bisherigen Spendeneingängen.

Die kleine Gemeinde in Kibe, die eher im Tal liegt und über die neue chinesische Strasse in 45 Minuten zu erreichen ist, gab uns am 27. Mai einen großen Empfang. Viele der alten Bauarbeiter an dem Schulprojekt kamen in den Grünhelm- T-Shirts und fragten nach dem Peter (Sachse), nach dem Karl (Bogdanow) nach dem Markus (Neubert), nach dem Roland (Ketterer), nach dem Thomas (Just). Wir fanden die gesamten Werkzeuge und Bauutensilien wohlverwahrt in einem eigenen festen Gebäude in Kibe.

Kamituga wird uns beschäftigen, es wird die bisher ehrgeizigste (dritte) Schule der Grünhelme werden. Wir haben schon zwei weitere Anfragen aus der Gegend von Mwenga für den Bau von zwei weiteren Schulen. Der Verkehr zwischen Bukavu und Kamituga ist mittlerweile sehr heftig geworden. Es ist jetzt schon Wahlkampf in Süd-Kivu, obwohl die Wahlen zum Parlament und für das Präsidentenamt erst im November stattfinden. Die Bevölkerung schätzt den ex-Troisdorfer deutschen Kongolesen, der sich immer wieder auch in den entfernstesten Dörfern zeigt und sich eine gute Mitarbeitermannschaft zugelegt hat. „Leader du Proximite“, heisst es in einem Slogan, den wir über der Strasse sahen. Deutsch würden wir sagen: Ein Politiker zum Anfassen. Das ist es vor allem, was die Bevölkerung endlich von ihren Politischen Führern erwartet. Dass sie nicht irgendwo in der Welt herumturnen, sondern in dem eigenen Land bleiben.

In den Gold-Coltan-Minen um Kamituga herum hat das private Herumgraben und Schmuggeln aufgehört. Die kanadische Firma Banro wird die Schürf- und Verarbeitungsrechte in den Gold- und Coltanminen bekommen und es soll dafü gesorgt sein, dass daraus auch Steuereinkünfte für den Kongo generiert werden können. Es wäre dem geschundenen und so ungemein fleißigen Volk wirklich zu wünschen.

Zum Slogan dieser Reise wurde das, was wir auf den Plakaten immer wieder sahen: „NDIYO TUTASHINDA“. Deutsch: Wir werden gewinnen. Für das Volk im Kongo, seine Kinder und Jugendlichen wird es höchste Zeit, dass sie ihre Zukunft gewinnen. Wir wollen ihnen dabei ein wenig behilflich sein.

 

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