Keine Entwarnung – kleine Atempause
Grünhelme halten an den Plänen und der Vision eines großen Ausbildungszentrums auf dem Berg Daher fest

FILES-MIDEAST-CONFLICT-GAZA-DEMO-AID-BOATDer Anwalt von Daoud Nassar hat eine Art von Berufung eingelegt bei der israelischen Besatzungsbehörde und dieser Protest ist auch dort eingegangen. Das bedeutet aber nur eine Atempause. Wie erinnerlich waren am Donnerstag letzter Woche, also am 26. Mai um 14 Uhr Beamte der israelischen Besatzungsbehörde auf den Berg der Begegnungsstätte „Tent of Nations“ gekommen, um neun Zerstörungsbefehle (Nine Demolition Orders) von Daoud Nassar als dem Verantwortlichen unterschreiben und exekutieren zu lassen. In solchen Fällen sieht das Besatzungsregime vor, dass entweder der betroffene ‚Sünder’ die von ihm ohne Genehmigung erstellten gebauten Strukturen vernichtet oder es kommt der Bulldozer der Besatzungsbehörde, der das dann tut.

Das Dokument war in hebräischer Sprache abgefasst, und Daoud Nassar weigerte sich, das zu unterzeichnen. Daraufhin wurde ihm angesagt, dass diese Objekte am Sonntag, den 30. Mai zerstört würden. Unter den auf dem Berg zu störenden Objekten waren die Zelte der Begegnungsstätte, die Ziegen-Hühner-Ställe, die Zisterne für das Wasser, ein Vordach an dem Haus, das noch vor der Besatzungszeit stand, die Solaranlage der Grünhelme, dort im Februar feierlich eingeweiht.

Als die Beamten des Besatzungsregimes sich gerade aufmachten, den Berg mitsamt den schwerbewaffneten Soldaten zu verlassen, kam als nächste deutsche Besucherin Kerstin Müller (MdB der Fraktion der Grünen im Bundestag und ehemalige Staatsministerin im Auswärtigen Amt) auf den Berg, um sich dort ein Bild von diesem Projekt zu machen.

Es gab dann heftige Protestaktionen in Deutschland, aber auch diplomatische Demarchen. Der Abgeordnete und Kurator der Grünhelme, Ruprecht Polenz, schrieb sofort am 27. Mai einen Brief an den Israelischen Botschafter in Berlin, Yoram Ben-Zeev, in dem er „dringend“ darum bittet, „das Räumungsvorhaben zurückzunehmen und von einer überhasteten Vollstreckung abzusehen“.

Und weiter: „Ich habe mich auf einer Reise nach Bethlehem selbst davon überzeugen können, dass im ‚Tent of Nations’ durch christliche Araber eine der Völker Verständigung dienende Ausbildungs- und Begegnungsstätte entstehen soll. Zu diesem Zweck hat es bereits einen Kontakt mit dem palästinensischen Premierminister Salam, Fayyad gegeben, der das Projekt ebenfalls unterstützt. Auch die Bundesregierung hat über das Kanzleramt ihr Interesse an dem Projekt bekundet“.

Ein ähnlich dramatischer Brief ging heraus an den deutsche Außenminister Guido Westerwelle. In diesem Brief bittet Ruprecht Polenz auf Grund der Eilbedürftigkeit der Angelegenheit darum, „gegenüber der israelischen Regierung vorstellig zu werden“.

Eine Stunde später wurden auch die deutschen Vertreter in Tel Aviv und in Ramallah gebeten, vorstellig zu werden. Was wir bis heute nur wissen: Die Räumungs-Order wurde bis zum 1. Juni nicht durchgeführt. Es gibt eine Atempause. Wie immer in solchen Fällen dürfen die Humanitären niemals die ursprünglichen Pläne aufgeben. Wir werden gemeinsam mit drei deutschen Architekten und Fachleuten noch im Sommer einen Besuch auf dem Berg machen, um die detaillierten Pläne für den Bau von zwei Werkstatt-Lehrhallen, einem Internat, einem Lehrerwohnheim, einer Küche und einer Mensa auszuarbeiten und der Israelischen Militärbehörde zur Genehmigung vorzulegen.

Wir haben als Grünhelme viel Zustimmung bei unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern bekommen für dieses Projekt. Als dann noch die Schiffe, die für Gaza mit Hilfsgütern in internationalen Gewässern gestoppt wurden durch einen regelrechten militärischen Angriff aus der Luft auf eines von diesen Schiffen, wurde die Bereitschaft in der deutschen Bevölkerung noch größer und bewusster, dass es wichtig und notwendig ist, für die heranwachsende palästinensische Jugend etwas dort zu bauen und zu initiieren, was ihrer Berufsausbildung dient.

 

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