Nach dem Zyklon Idai

IMG-20190818-WA0004Nun geht’s endlich los. Fünf Monate nachdem der Zyklon Idai über Mosambik hinwegfegte und unbeschreibliche Schäden anrichtete, starten wir Grünhelme mit unserem ersten Wiederaufbauprojekt, der Neuerrichtung der Grundschule in dem kleinen Dorf Sovim.

Mehr als 1000 Menschen hat Idai das Leben gekostet, als der Zyklon im März dieses Jahres über Malawi, Simbabwe, Mosambik und Madagaskar hinwegfegte. Mosambik hat es dabei am schlimmsten getroffen. Der Fluss Buzi trat durch die großen Niederschlagsmengen über die Ufer und bildete ein riesiges Binnenmeer, tagelang mussten tausende Menschen auf Bäumen und Hausdächern ausharren und auf Hilfe warten. Beira, die Hauptstadt der Provinz Sofala, wurde erheblich zerstört. Zahlreiche Dörfer waren über Wochen nur mit dem Hubschrauber zu erreichen. Insgesamt sind in Mosambik durch Idai mehr als eine halbe Millionen Menschen obdachlos geworden, allein in Sofala wurden etwa 3.000 Schulen zerstört oder unnutzbar.

Für uns Grünhelme war bereits unmittelbar nach dem Zyklon klar, dass wir beim Wiederaufbau unterstützen möchten. Da unsere Schwesterorganisation Cap Anamur nur wenige Tage nach Auftreten der Katastrophe vor Ort war, hatten wir früh einen guten Einblick in die betroffene Region. So mussten erst mal die Nothilfe und die Aufräumarbeiten im Vordergrund stehen, bevor an Wiederaufbau überhaupt zu denken war. Mittlerweile hat sich die Lage in Sofala normalisiert: Die Straßen sind wieder befahrbar, die Verbreitung von Katastrophenkrankheiten wie Typhus und Cholera konnte eingedämmt werden und die Menschen gehen wieder ihren gewöhnlichen Tätigkeiten nach. Dennoch ist Idai auch fünf Monate später noch überall präsent, in den Köpfen der Betroffenen, die Angehörige verloren haben oder selbst tagelang auf Bäumen hockend dem Tod ins Auge blicken mussten, und durch die Zerstörungen hunderttausender Gebäude – Wohnhäuser, Schulen, Krankenhäuser.

Als Grünhelmen stellte sich uns die Frage, wo wir am besten unterstützen könnten, im Privathausbau oder bei öffentlichen Einrichtungen. Nach einer Recherchereise Ende Mai entwickelten dann Student*innen der Hochschule Augsburg für uns ein Sieben-Quadratmeter-Haus, das an die Gebäudegrößen vor Ort abgestimmt und auf die verfügbaren Baumaterialien ausgerichtet ist. Die Idee dahinter sollte sein, dass dieses Haus einfacher Bauweise, aber sturmfest, hundert- oder gar tausendfach vervielfältigt werden könnte, um so zahlreichen Menschen ein neues Zuhause zu geben. Gleichzeitig war uns aber bewusst, dass ein solches Hausbauprojekt auch große Ungerechtigkeiten schafft: Wo anfangen und wo aufhören? Wie regieren Nachbardörfer eines unterstützten Dorfes, die keine Hilfe erhalten? Werden so vielleicht soziale Spannungen geschaffen, die vorher nicht bestanden?

Unterdessen zeigte sich, dass gerade in den abgelegenen Gegenden der Provinz Sofala, die Menschen mit Stürmen und Zerstörungen haben zu leben gelernt und in der Lage waren, sich schnell wieder kleine Hütten aufzubauen, die wohl wieder nur ein Jahr, bis zur nächsten Sturmsaison, stehen würden. So entschieden wir uns schließlich für unsere Kernkompetenz, den Wiederaufbau von Schulen. Um aber die Arbeiten der Student*innen der Hochschule Augsburg zu nutzen, integrieren wir das entworfene Sieben-Quadratmeter-Haus nun als Lehrerhäuser in den Schulkomplex. Mehr noch: Durch die einfache Bauweise mit überwiegend lokalen Materialien soll dieses Haus auch als Modell dienen, dass von den Menschen vor Ort mit relativ geringem finanziellem Aufwand nachgebaut werden kann.

Die erste Schule entsteht nun in Sovim, im Distrikt Nhamantanda, etwa drei Stunden von Beira landeinwärts entfernt. Die alte Schule, die EPC Eduardo Mondlane, wurde von Idai komplett abgeräumt. Zwar hatten Lehrer*innen und Dorfgemeinschaft in der Zwischenzeit provisorische Gebäude errichtet, die aber schon in der nächsten Regenzeit kaum mehr zu nutzen sein werden. Dennoch hat uns dieser Tatendrang Community beeindruckt und begeistert. So war für uns Grünhelme schnell klar, dass Sovim der Ort sein sollte, an dem wir arbeiten möchten. Dabei ist Sovim ein sehr verstreuter Ort innerhalb des sehr abgelegenen Landkreises Chadea. Etwa 200 Familien leben in Sovim und manche der 321 Schüler*innen müssen bis zu 15 Kilometer laufen um zur Schule gehen zu können. Die Verhältnisse im Dorf sind sehr einfach: Kein Strom, kein fließendes Wasser, kein Internet, kein Auto weit und breit. Für unser Team haben wir eine kleine Strohhütte zur Verfügung gestellt bekommen, die nun Unterkunft und Grünhelme-Hauptquartier in Mosambik ist.

Die neue Schule, die von Supertecture geplant wurde, das von unserem ehemaligen Geschäftsführer Till Gröner geleitet wird, der zum Projektstart auch selbst vor Ort ist, hat das Potenzial, eine der schönsten Schulen Mosambiks zu werden. Angepasst an die Bauweise und Architektur vor Ort, soll die achträumige Schule (sieben Klassenräume und ein Lehrerzimmer) als Rundbau entstehen, der nach Außen geschlossen, einen großen Innenhof umschließt. So passt sich die neue EPC Eduardo Mondlane perfekt in die Struktur der Gehöfte des weitverzweigten Sovims ein. Sie soll überdies nicht nur funktioneller Schulraum sein, sondern auch ein Zeichen an die Bewohner*innen Chadeas für einen Aufbruch. Denn Sovim soll nicht die einzige neue Schule bleiben.