„Nelson Mandela Educational Centre“ auf der Zielgerade
Noch 18 Monate bis zur Übergabe des Berufsschulzentrums in Kigali/Ruanda

02.08.2010Vor mehr als 2 Jahren haben wir mit der Ausbildung im „Nelson Mandela Educational Centre“ (NMEC) begonnen und von Anfang an stand fest, dass das Zentrum Ende 2011 an die ruandische Regierung übergeben wird. Nun befindet sich das NMEC in den letzten 18 Monaten mit deutscher Grünhelme Leitung. Deshalb war ich nach Kigali geflogen, um mit den Autoritäten ein zweites Memorandum of Understanding zu besprechen, welche die Schritte für unseren Transfer aus dem NMEC beschreibt und die ruandische Seite in die Verpflichtungen hineinsetzt, die Grünhelme schon vollzogen haben.

Wir haben die Lehrwerkstätten, die Mensa, die Dormitorien, das Lehrerwohnheim und die Solaranlage eingerichtet. Und am 9. Juli 2010 wurden die ersten 20 Studenten mit einem Zertifikat als Bautechniker bzw. als Elektrotechniker entlassen. Doch jetzt müssen die (auf Dauer acht) ruandischen Lehrer bezahlt werden, die wir an der Schule haben. Das wird ein Jahresbudget erfordern von 10 Mio. Ruanda Francs (etwa 15.000 Euro). Es muss auch der Support Staff, also alle, die in der Küche oder als Wachmänner dafür sorgen, dass die Schule gut läuft, vom Staat bezahlt werden, so wie es das erste Memorandum schon vorsah.

Wir hatten bei den Verhandlungen mit den zuständigen Ministerien und Ämtern die Unterstützung von Jean-Claude Wolter, der uns bei allen Schritten vor Ort mit seiner immensen juristischen Fachkenntnis geholfen hat. Wir hatten eine Unterredung mit dem Ministerium für Erziehung, am selben Tag (12.7.) noch eine mit dem Leiter vom Workforce Development. Am darauffolgenden Tag noch eine mit der Elektrogaz (heute RECO, Ruandan Electrical Cooperation), der wir insgesamt über 23.000 Kilowattstunden Strom in Rechnung stellen müssen, welche die 30 KW Solaranlage der Grünhelme vom Mai 2009 bis April 2010 in das ruandische Stromnetz gespeichert hat (das wären bei einem Preis von jetzt 69 Ruanda Francs etwa 1,6 Mio. Ruanda Francs).

Wir haben verlangt, dass es vom dritten Quartal 2011 an einen ruandischen Prinzipal geben wird, der die letzte Zeit neben dem von den Grünhelmen ausgesuchten deutschen Leiter die Geschäfte tätigen kann – bis zum endgültigen Transfer der Schule an die ruandische Regierung. Die erste Außenstelle des NMEC in Gashora funktioniert und läuft unter der Leitung unseres Architekten Till Gröner sehr gut. Dort versucht eine Frauen Kooperative mit Unterstützung eines ursprünglich in Kanada lebenden Ruanders eine Tourismus Region zu etablieren: mit Ausstellungshallen, mit Restaurants, mit Häusern für diese Kooperative. An dieser Arbeit nehmen täglich 8 Studenten des NMEC teil, die morgens unter der Leitung von Till Gröner abgeholt und am Abend wieder zurückgebracht werden.

Das Grünhelme Projekt und evtl. Produkt „Solarkiosk“ wird noch beraten. Wir wollen etwas mit einigen interessierten Abgängern des NMEC zusammen machen. Die müssen ein solches Unternehmen kommerziell betreiben, um sich daraus auch eine wirtschaftliche Existenz zu basteln. Ich habe mit Eugenie Musayidire in Gitarama mir noch einmal in dem dortigen Gefängnis den Platz angesehen, an dem überdachte Räume und eine Halle mit Spielecken für die Kleinkinder in dem Gefängnis von den Grünhelmen gebaut werden soll. Die Pläne sind jetzt da und werden von uns wahrscheinlich ab September realisiert. Jedenfalls haben wir uns klar mit der Gefängnisverwaltung und dem Ministerium und Eugenie Musayidire verständigt, dass das ein Projekt der Grünhelme werden wird, unabhängig von dem Berufsschulzentrum. (Das Budget, das wir dafür veranschlagen, beläuft sich auf 20.000 Euro). Ich gehe noch einmal im August dorthin, nach Ntarama und auch nach Gitarama, um mit der Eugenie alles Konkrete für den Projektbauverlauf zu besprechen.

Zunächst aber gibt es am 9. August die berühmten Wahlen zur Präsidentschaft, die etwas anders laufen denn in unserer eingefahrenen Demokratie. Es gibt bisher keine klare Öffentliche Meinung auch keine zielklare Opposition, aber den Beginn von konkurrierenden Parteien und Gruppen. Vielleicht sollte man mit einer solchen bescheidenen Demokratie-Entwicklung 16 Jahre nach dem gewaltigen Völkermord in Ruanda zufrieden sein.

 

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