Neues aus Pauwa
Ein Bericht unserer Grünhelme vor Ort

Er freut sich schon auf sein neues Zuhause Nach den schweren Erdbeben in Nepal Ende April und Anfang Mai in Nepal haben die Grünhelme mit dem Wiederaufbau des kleinen Bergdorfes Pauwa, im Distrikt Kawrepalanchok begonnen, welches nahezu vollständig zerstört wurde. Jede der 62 Familien soll ein neues und erdbebensicheres Zuhause bekommen. Nun laufen die Bauarbeiten seit einigen Wochen und die ersten Häuser nehmen Form an.

Das erste Haus wurde so weit fertiggestellt, dass in den kommenden Tagen mit dem Gießen des Ringankers der Rohbau abgeschlossen werden kann. An diesem Haus konnten wir wichtige Erfahrungen sammeln und die Bauhelfer aus dem Dorf haben nun ein Gefühl dafür bekommen, wie hochwertig und stabil die neuen Häuser sein werden. Das motiviert sie merklich und es kommt spürbar Vorfreude auf, dass bald auch ihr eigenes „Grünhelmhaus“ neu entstehen wird.

Die Zusammenarbeit mit der Dorfgemeinschaft ist hervorragend. Sie hat ein Komitee gebildet, das nach Bedürftigkeit darüber entscheidet, welche Familien die ersten Häuser bekommen. Außerdem wurde ein Rotationssystem ins Leben gerufen, wonach sich die Dorffamilien an unterschiedlichen Tagen am Bau beteiligen – somit baut jede Familie nicht nur ihr eigenes Haus, sondern hilft auch bei den anderen mit. Zugleich bleibt den Familien genügend Zeit um der Feldarbeit nachzugehen.

Die Familie, für welche das erste Haus entsteht, hatte als einzige ein Kind bei dem Erdbeben verloren. Der junge Familienvater war zu Beginn unserer Arbeiten in seiner Trauer wie gelähmt und abwesend gegenüber den Aktivitäten auf seinem Grundstück – derweil wohnt die Familie in einer winzigen Wellblechhütte direkt am Bauplatz. Nachdem jedoch die Fundamente fertiggestellt waren und die ersten Stützpfeiler aus Stahlbeton gegossen wurden, sah man ihn mehr und mehr bei den Arbeiten mit anpacken. Schließlich war er fast täglich beim Bautrupp anzutreffen, obwohl er meist gar nicht eingeteilt war. Er hilft nun wo er kann und motiviert andere Dorfbewohner für das Projekt.

Eine große Überraschung erlebten wir, als wir vergangenen Sonntag die Arbeitswoche damit beginnen wollten, mit dem ganzen Bautrupp den Fundamentaushub von mehreren Kubikmetern Erde des ersten Hauses abzufahren: Als wir am Bauplatz ankamen, war der gesamte Aushub bereits fort und der künftige Fußboden des Hauses war sauber eingeebnet und mit Lehm ausgelegt worden. Dies hatte der Eigentümer, welcher noch wenige Wochen vorher kaum Notiz von unseren Bemühungen für sein neues Zuhause nahm, am arbeitsfreien Samstag alleine erledigt.

Parallel zum ersten Haus haben wir an zwei weiteren Bauplätzen mit den Arbeiten begonnen, um schneller voranzukommen. Wenn an einem Haus beispielsweise wegen Trocknungszeiten nicht weitergearbeitet werden kann, haben wir immer die Möglichkeit an anderer Stelle etwas Sinnvolles zu machen. Somit ist nach gut einem Monat, den das Projekt nun läuft, schon viel geschafft worden: Wir haben am zweiten und dritten Haus bereits die Fundamente fertiggestellt und mehrere Pfeiler betoniert und es kann bald mit den Wänden begonnen werden.

Die Monsunzeit hat nun begonnen. Sie ist zugleich die heißeste Zeit des Jahres: Temperaturen über dreißig Grad sind an der Tagesordnung, verbunden mit einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit. Allerdings verschont uns der Monsunregen meist tagsüber, sodass die Bauarbeiten bisher ohne großartige Unterbrechungen weiterlaufen können.

Um Vorzusorgen haben wir Baumaterialien für die kommenden Wochen in Pauwa gelagert. So sind wir für den Fall, dass die Transportfahrzeuge aufgrund der starken Regenfälle den Berg nicht mehr hochkommen, gut gerüstet – so schnell geht uns das Material nun nicht aus.

Die Menschen in Pauwa sind jedoch trotz ihrer schwierigen Lage nicht hoffnungslos, die ist deutlich spürbar. Seit unserer Ankunft gab nun schon an zwei Samstagabenden traditionellen Dorftanz. Dabei werden Lieder gesungen und diese mit der Trommel oder anderen Instrumenten begleitet. Jung und Alt tanzen, man tratscht und lacht miteinander.

Nach den Beben, so sagten uns die Dorfbewohner, hätten sie lange nicht mehr miteinander gesungen und getanzt. Dies ist nun wieder möglich ist, und wir sehen es als deutliches Zeichen einer guten Entwicklung: Die Menschen haben wieder Hoffnung und Freude, trotz aller Widrigkeiten, mit denen sie im Alltag zu kämpfen haben.

Allyn Eidsness und Simon Bethlehem

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