Neues Grünhelme Projekt im Senegal
Ein Gemeindezentrum für die Zukunft

2017_09_18_13Anfang August haben wir Grünhelme unser drittes Projekt im Senegal begonnen: Hierfür sind wir in die Provinz Kedougou umgezogen, welche im Osten an Mali und im Süden an Guinea grenzt. Im Dorf Bantaco soll in den kommenden fünf Monaten ein Gemeindezentrum entstehen, welches der Bevölkerung sowohl als Beratungsstation als auch als Schulungs- und Bildungszentrum dient.

Der Goldrausch und seine Auswirkungen

Kedougou ist für die regionalen Goldvorkommen – welche nicht nur Begehrlichkeiten bei den Menschen aus der Region wecken –  bekannt und dennoch eine ärmsten Provinzen des Senegals. Rund um die zahlreichen neu entstandenen Mienen – die sich fast ausschließlich in der Hand ausländischer Investoren befinden – haben sich Zeltstädte gebildet die oft mehrere tausend Menschen aus verschiedensten afrikanischen Staaten zählen. Angesichts rar gesäter Alternativen sehen die Menschen in einen Goldfund oft die einzige Chance für eine bessere Zukunft. So suchen sie ihr Glück in einer der vielen ebenfalls entstandenen illegalen Mienen.

Durch die Perspektivlosigkeit geraten die Menschen immer weiter in einen Kreislauf von Abhängigkeiten, aus welchem es für sie kaum ein Entkommen gibt. Zwar kann ein einzelner Fund der Grundstein einer besseren Zukunft sein, doch fehlt es an der notwendigen Unterstützung hiermit nachhaltig zu wirtschaften: zu oft erliegen die Menschen dem Rausch des schnellen Geldes, so dass ihre Hoffnungen nicht erfüllt werden. Das Dilemma der Menschen zeigt sich darin, dass einzelne Goldfunde ihren Glauben an eine bessere Zukunft verfestigen. Die Mienen werden so zum Grab der vielen Hoffnungen.

Der Staat unterbindet das Entstehen der illegalen Mienen nur halbherzig, sind diese doch Grundlage für neue Goldfunde staatliches Fördern, die Goldgräber die unfreiwilligen Spürhunde. Das staatliche Vorgehen ist alles andere als ungefährlich. Der Goldabbau findet unter Tage in selbst gegrabenen, teilweise bis zu 50 Meter tiefen Stollen statt, welche nicht einsturzsicher sind. Ohne Licht und ausreichende Belüftung setzen die Menschen in den Mienen jeden Tag ihr Leben aufs Spiel.

Erst im Juni hat der Versuch zwei Schächte durch einen Tunnel miteinander zu verbinden vier Männern das Leben gekostet. Mit dem Ausblick auf das „schnelle Geld“ haben gesellschaftliche Probleme Einzug gehalten. Durch die Goldfunde ist Geld im Umlauf und immer mehr junge Afrikaner kommen in die Region, um Ihr Glück zu finden. Die harte Arbeit in den Minen wird durch Alkohol und andere Drogen kompensiert, Menschenhandel, Kinderarbeit und Prostitution florieren. Kinder und Jugendliche verlassen früh die Schule und schließen sich den Glücksrittern ohne jede Ausbildung an. So wird der Traum nach dem schnellen Geld zu einem Spiel um die Zukunft.

Ein Gemeindezentrum für Aufklärungsarbeit

Das neue Projekt der Grünhelme sieht den Bau eines Gemeindezentrums vor, welches sowohl für Aufklärungsarbeit, als auch als Schulungs- und Bildungszentrum dienen soll. Den Bewohnern sollen Alternativen zur harten und gefährlichen Arbeit in den Minen aufgezeigt und geboten werden. Gleichzeitig soll das Zentrum aber auch eine Anlaufstelle für die Menschen mit ihren Problemen und Herausforderungen sein. 

Die Baustelle befindet sich in Bantako, Anlaufstelle zahlreicher Goldgräber und Knotenpunkt zwischen drei Minen in der Region. Bantako war bis vor einigen Jahren ein Dorf, das rund 500 Einwohner zählte. Heute leben hier in etwa 5.000 Menschen.

Praktische Herausforderungen

Selbst der Betrieb von Schulen und Krankenhäusern, Grundvoraussetzung für eine funktionierende Gesellschaft mit Zukunftsperspektive, ist von dem Goldrausch betroffen. Viele Lehrer und andere Staatsbedienstete graben lieber in den Mienen, als ihren eigentlichen Berufen nachzugehen.

Dieser Umstand hat uns Grünhelme gerade zu Beginn vor besondere Herausforderungen gestellt. Anders als bei vorherigen Projekten war das Interesse an einer Anlaufstelle und an direkten Ansprechpartnern für die Menschen fast nicht vorhanden und auch die Unterstützung durch die Menschen aus Bantako ist keine Selbstverständlichkeit.

Seit Beginn der Arbeiten aber ist ein stetig wachsendes Interesse der Gemeinde zu spüren. Viele Bewohner kommen und schauen, was in ihrem Dorf neu entsteht. Anfangs haben die Menschen auf der Baustelle noch täglich gewechselt, mittlerweile haben wir ein festes Team von sechs Unterstützern aus dem Dorf.

Unser Partner und zukünftiger Betreiber des Zentrums ist der Spiritanerorden, der sich seit über 50 Jahren für die Grundbildung der ländlichen Bevölkerung einsetzt und die Menschen, stets konfessionsübergreifend, mit verschiedenen Programmen in der Region Kedougou unterstützt. Wir Grünhelme hoffen das mit diesem Projekt einigen  Menschen eine nachhaltige Perspektive geboten werden kann.

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