Nur wer für die Palästinenser schreit, darf für Israel eintreten
Einseitig für die Rechte von Menschen

Der große und mutige deutsche Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer hat gesagt: „Nur wer für die Juden schreit, darf gregorianisch singen“. Heute hätte er gesagt: „Nur wer für die Palästinenser schreit, darf für Israel eintreten“. Oder auch: Nur wer für das Recht der Palästinenser eintritt, darf für Israel singen!“ Diejenigen, die für die Palästinenser eintreten, haben alles Recht dazu, auch auf Deutschlands Straßen. Diejenigen, die vom Bundespräsidenten bis zum Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, nur zu den wirklich schlimmen Parolen Stellung beziehen, sagen uns implizit damit, dass: alle Kritiker sind Antisemiten, die nicht wissen was sie sagen.

Uns vereint eine große TRAUER über weit mehr als 1100 Tote auf der Seite Palästinas und über 57 auf der Seite Israels, Unnötig Gestorbene. Man sollte sie besser Ermordete nennen nach der Definition, die Jean Ziegler gegeben hat: Jedes Kind, das vor Hunger stirbt, ist von uns ermordet. So müssen wir die Toten im Gaza Streifen und die Israel-Toten Ermordete nennen. Es wird schwer sein, aus dem Jaucheteich wieder herauszukommen. Beide Seiten sind nicht gleich oder gleichartig. Israel muss endlich den Palästinensern ein Recht zu leben und sich zu bewegen geben und eine eigene Staatlichkeit.

Einseitig sollten wir hier sein, einseitig für die Rechte von Menschen. Für die Rechte der jüdisch-arabischen Bevölkerung in Israel, für die Rechte der Palästinenser in der Westbank, für die Menschenrechte der Palästinenser im Gaza Streifen. Ganz einseitig für die Rechte von Menschen. Wir dürfen unsere Abhängigkeit als Deutsche, die ich sehr stark spüre vom Holocaust, niemals degenerieren lassen in eine blanke und besinnungslose Unterstützung der jeweiligen israelischen Regierungspolitik. Das wäre das Gegenteil des Vermächtnisses, was uns die größte Katastrophe der deutschen Geschichte aufgibt.

Wir dürfen uns in dieser Einseitigkeit von niemandem übertreffen lassen. Israel hat die stärkste Militärmacht und eine ganze Latte von internationalen Unterstützern. Israel muss jetzt Farbe bekennen und zurückstecken. Mein Freund, der in Deutschland ausgebildete Majid Nassar sagt immer: Wir Palästinenser haben das regierungsreichste Land der Erde. Wir haben eine Regierung in Ramallah, eine zweite in Gaza, und eine Dritte in Israels Gefängnissen. Wenn diese drei Regierungen, morgen oder heute Nacht erklären würden, dass sie das alles nicht mehr mitmachen können, alle gleichzeitig zurücktreten von den sog. Ämtern und ihre Sache an die UNO zurückverweisen, dann würde etwas geschehen.

Die Raketen der HAMAS auf Wohngebiete in Israel sind ein Kriegsverbrechen, aber die bedingungslose Bombardierung einer der engsten Wohngebiete der Welt durch die ISRAEL LUFTWAFFE ist es erst recht, denn anders als die Schutzbunker in Israel, bietet in GAZA noch nicht einmal die UN noch Schutz. Und es geht nicht, dass wir unsere Erinnerung ausblenden, die Hamas ist von Israel aufgepäppelt worden gegen Jassir Arafat und die Fatah und die PLO.

Wir sind besorgt um Israel, ich bin es fast mehr als um die Palästinenser, die haben nichts und werden ihren Staat gewinnen. Aber ein Staat wie Israel, der nicht begreift, dass er nicht Generationen lang nur mit seinen Waffen alle Nachbarn in Schach halten kann, ist verloren. Israel gefährdet sich mehr selbst als es andere von außen tun können. Vielleicht nicht heute, aber auf Dauer.

Ich verneige mich vor jedem, der in diesem absolut unsinnigen Morden sein Leben lassen musste (oder noch muss). Besonders verneige ich mich vor den Kindern, die in diesem mörderischen Blutbad sterben, ohne ein Leben gehabt zu haben.

Die Grünhelme werden im ersten Moment, das der Gazastreifen frei wird und wir ihn aufsuchen dürfen, sich mit eigenen Bautechnikern am Wiederaufbau beteiligen. Wir werden auch den abnorm friedlichen und geradezu nostalgisch und utopisch wirkenden Plan nicht aufgeben, an der Küste des Gaza Streifens, die Jugend der Welt aufzurufen, dorthin zu kommen und den ersten Marathonlauf an der (42 km langen) Küste für den Frieden und die gute Zusammenarbeit zwischen Palästinensern und Juden zu veranstalten. Die jungen Palästinenserinnen der deutsch-katholischen Schmidt-Schule in Ost-Jerusalem – die ich zwei mal 2012/3 besucht habe – trainieren schon dafür. Wir werden sie nicht enttäuschen.

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