Pakistan – ein Land mit herzlichen und freundlichen Menschen
Grünhelme haben den Menschen „in ihrer Hoffnungslosigkeit einen Wiederanfang geboten“

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAm Montag, dem 27. Dezember 2010 war es endlich soweit. Andre Körner aus Deutschland ist in Sukkur gelandet, um mich hier beim Wiederaufbau zu unterstützen. Gleich zu Anfang hat er die herzliche Gastfreundschaft, eines Freundes von uns hier, genossen und eine Nacht, in der Nähe von Sukkur in einem Farmhaus geschlafen. Direkt am Dienstag ging es auch schon auf die Baustelle.

Andre war hellauf begeistert und überrascht, mit wie viel Enthusiasmus die Bewohner vom Dorf bei der Arbeit sind und mit wie wenig Geld man doch so viel schaffen kann. Es ist wahr, die Dorfbewohner arbeiten sehr hart und mittlerweile wissen sie selber ganz genau, welcher Handgriff wo und wann gebraucht wird. Außerdem ist es sehr schön anzuschauen, dass mittlerweile grade die jüngeren den Maurern mit großem handwerklichem Geschick zur Hand gehen. Viel erklären brauchen wir in diesem Dorf nicht mehr und die Arbeit läuft fast von selbst. Hier und da muss noch einmal etwas ausgebessert werden, aber dennoch haben die Menschen nicht nur neue Häuser bekommen, sondern durch Eigenleistung vor allem an Selbstbewusstsein dazu gewonnen.

Die ersten 12 Häuser sind der Beendigung nahe und es fehlt nur noch der Feinschliff sowie die Verandas. Andre übernimmt nun die Leitung beim Bau der letzten sechs Häuser, bei denen vor einer Woche mit dem Gießen der Fundamente begonnen wurde. Die erste Veranda ist auch so gut wie fertig und besteht nun aus drei gemauerten Säulen so wie einem 23 Fuß langen Stahlträger als Fußpfette. Auf diesen werden direkt 9 Fuß lange Sparren aus Bambus gelegt, die wiederum eine Schilfmatte mit Lehmeindeckung oben drauf bekommen.

Wenn am 3. Januar 2011 Nedim Goletic zurück nach Pakistan kommt, der das Projekt in den Monaten September Oktober 2010 aufgebaut hat, können wir weiter Projekte in anderen Dörfern starten, um noch mehr Familien ein Dach über dem Kopf zu geben. Für mich endet mein Aufenthalt am 16.Januar 2011. Ich werde mit einem lachenden und einem weinenden Auge das Land und die Menschen verlassen. Nach drei Monaten Aufenthalt und intensiver Arbeit im Dorf und mit den Menschen ist man schon so etwas wie ein Teil der Familie geworden. Oft werde ich gefragt, warum ich nicht einfach hier bleiben möchte, um mit ihnen mein Leben zu verbringen. Das und die Tatsache, dass ich nur netten und herzlichen Menschen begegnet bin, macht den Abschied schwer. Ohne das Versprechen, dass ich auf jeden Fall wieder kommen werde, lässt mich hier keiner weg.

Die Lebensweise und die fremde Kultur sind am Anfang sehr befremdlich, aber wenn man sich auf die Menschen und ihre Kultur einlässt, ist Pakistan ein schönes und herzliches Land. Natürlich mit vielen Problemen, aber die Menschen hier wollen auch nur leben und überleben. Deswegen kann ich nur jedem empfehlen, für 3 Monate nach Pakistan zu kommen, um beim Wiederaufbau zu helfen und dadurch Land und Leute kennen zu lernen. Ich hab nun in Europa 2,5 Jahre Wanderschaft hinter mir und der beste weg ein Land kennen zu lernen, ist immer der: Dort mit den Menschen zu arbeiten. So intensive wie mit den Grünhelmen habe ich dies noch nie erlebt, was für mich eine ganz besondere Erfahrung ist und war. Ich konnte viel für mein Leben lernen und denke, dass ich mit einer ganz anderen Sichtweise nach Deutschland zurück kehren werde. Aber auch beruflich habe ich eine ganze Menge gelernt. Gerade für junge Handwerker ist es eine große Herausforderung, in so einem Projekt zu arbeiten und vielleicht sogar dieses zu leiten. Die ganze Organisation der Arbeit und Materialien sind wie die Leitung eines großen Betriebes und nicht zuletzt deswegen konnte ich viel für mein weiteres Berufsleben lernen.

Vor allem, weil die Grünhelme hier den Menschen in ihrer Hoffnungslosigkeit einen Wiederanfang geboten haben, gehe ich mit einem lachenden Auge zurück. Die Menschen haben gesehen und verstanden, dass es auch einen anderen Weg als nur der des Eigennutzens gibt. Es gibt auch den Weg des Gebens, welcher für sie völlig fremd war.

In diesem Sinne schöne Grüße nach Deutschland und ein tolles Jahr 2011 – für Bauhandwerker, Zimmerleute, Bauingenieure, Maurer, poliere und Architekten vielleicht mit einem Aufenthalt in Pakistan.

 

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