Reeral Jat
Der zweite Ort für die Grünhelme in Pakistans Flutgebieten

Digital CameraDas erste Drittel unseres Wiederaufbaus in den pakistanischen Flutgebieten ist geschafft. Und die drei Grünhelme sind wieder auf dem Wege zu einem weiteren Dorf in der süd-pakistanischen Provinz Sindh. Wir hatten uns dort im November 2010 nach dem Rückgang des Wassers an die Arbeit in einem ersten Dorf gemacht, das aus vier Dorfteilen bestand. Dort lag unser Start und wir haben über 30 Häuser mit den Betroffenen und Maurern gemacht, die wir für das Dorf angeheuert haben.

Die Menschen, so schrieb uns Teamleiter Nedim Goletic, hatten sich zu sehr in unserer Assistenz eingerichtet, so dass es wichtig war, jetzt den Standort zu wechseln. Damit folgen wir dem Urgesetz der humanitären Hilfe, nicht zu lange an einem Platz, in einer Region oder einem Dorf zu bleiben, sondern möglichst weiterzugehen. Denn es sollen ja möglichst viele von den Fluten zerstörte kleine Häuschen aufgebaut werden. Und die Menschen sollen sich nicht zu lange auf Unterstützung von außen verlassen, sondern wieder sich selbst aktivieren. Am Ende – schreibt uns Nedim Goletic – waren wir auch noch Statussymbol, denn das Dorf war wegen der deutschen Grünhelme-Unterstützung irgendwie etwas Besonderes geworden. Dort wurden ja Häuser gebaut, dann noch von Ausländern, und dann noch nach einem deutschen Prinzip. Denn die Häuser waren einfach, bescheiden, aber wegen des Fundamentes ja doch etwas besser. Es gab zum Schluss viel Besuch aus anderen Dörfern, die uns um Wiederaufbau der Häuser baten.

Da kam eines Tages ein alter, ein wirklich alter Mann ins Dorf, um uns zu bitten, in das andere Dorf zu kommen, um dort den Dorfbewohnern zu helfen. Man habe gar nicht viel gesprochen, sondern nur gesagt, er solle eine Liste der Dorfbewohner aufstellen und den Grünhelmen bringen, die ein Haus brauchen.

„Der alte Mann drehte sich auf den Absätzen um (nur Latschen haben keine Absätze) und forschen Schritts in Richtung des Dorfes aus dem er kam. Dieser alte Mann tauchte am nächsten Tag mit zwei Männern auf. Und hatte eine handgeschriebene Liste mit den Namen der Familien, die dort lebten.“

Es sind elf Familien, 67 Menschen, davon 36 Kinder und nach der Flut gibt es: 10 unbebaute Äcker eigenes Land, einige Zelte und ein paar wieder aufgerichtete Strohhütten.
Das Dorf heißt PEERAL JAT nach dem Namen des Dorfchefs. Das Dorf ist nicht mal in der Gemeinde der größeren Ortschaft Shadadkot registriert. Was wiederum heisst, es bekommt von niemandem etwas. Der Staat existiert in Pakistan nur bedingt.

Die Grünhelme haben sich für den Aufbau von PEERAL JAT entschieden. Am 8. Februar gab es eine Grundsteinlegung. Der Wiederaufbau in Peeral Jat funktioniert gut. Die Menschen sind anders, obwohl sie nicht weit weg wohnen. Es wird gut gearbeitet. Die Grünhelme bauen mit den betroffenen Familien: 8 Standard Häuser (je zwei Räume und Veranda) und zwei Häuser mit 3 Räumen und Veranda – wegen der Zahl der Kinder. Der Preis des Hauses ist weiterhin: 1300 Euro.

Die Abmachung, dass die Dorfbevölkerung die Arbeiter stellt, funktioniert gut, keiner muss zur Arbeit gerufen werden. Wenn das Material angeliefert wird, kommen sie sofort, um es zu entladen. Man stapelt die Ziegel, geht mit dem Baumaterial vorsichtig und pfleglich um. So können die anwesenden Grünhelme den Bestand jederzeit überprüfen und kommen in keinen Engpass. Am 22. Februar waren schon drei Häuser im Rohbau und acht Fundamente fertig.

Apropos Personal: Der große Pionier, der ganze sechs Monate im Projekt die Arbeit gestemmt hat, Martin Mikat, ist wieder in Deutschland. Ihm gehört unser und der Menschen aus den Dörfern großer Dank für eine wahnsinnig intensive und erfolgreiche Arbeit – ohne Netz und doppelten Boden. Andre Körner ist jetzt mit Nedim Goletic vor Ort. Am 28. Februar kommen der Architekt Heiko Frieling und die Architektin Katharina Dieterle in Shadakot an.

 

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