Rupert Neudeck wird weiterleben
Ein Gastbeitrag von Angela Krumpen

25.04.2017Zwei Jungs vor einem gerahmten Bild. Auf dem Foto toben afrikanische Kinder vor einer Schule im Kongo um Rupert Neudeck. Die Szene fällt mir auf der Suche nach einem österlichen Moment ein. Sie spielt in einem Klassenraum einer jungen Schule im Aufbau, die sich einen Namen geben wollte.Die Schulgemeinschaft suchte einen Namen, der Programm ist. Einigte sich auf Rupert Neudeck, den große Humanisten und Menschenrechtsaktivisten, der 2016 plötzlich verstarb.

Rupert Neudeck wollte zusammen mit seiner Frau Christel in den 70ern nicht länger zuschauen, als so viele Menschen im südchinesischen Meer starben. Sie sammelten Spenden und charterten die Cap Anamur, mit der 11.000 Boatpeople gerettet wurden. Später gründete das Ehepaar den Verein Grünhelme e.V.. Die Grünhelme bauen auf, was Katastrophen und Kriege zerstört haben. Sie bauen Schulen und Krankenhäuser. Zeigen, dass das Leben weiter gehen kann. „Menschlichkeit ohne Kompromisse“ hat Rupert Neudeck seine Arbeit mal beschrieben.

„Menschlichkeit ohne Kompromisse“ befand die Schulgemeinschaft tauge als Schulprogramm, fragte bei Christel Neudeck an, ob die Familie mit einer Namensgebung einverstanden sei? Die Familie war nicht nur einverstanden, Christel Neudeck reiste eigens zur Pressekonferenz an, in der der neue Schulnamen vorgestellt werden sollte. Brachte Porträtfotos ihres verstorbenen Mannes mit, erzählte von der Schule im Kongo und den Kindersoldaten, die jetzt keine Menschen mehr töten müssten, sondern lernen dürften.

Die Schüler und Schülerinnen hatten viele Fragen an Christel Neudeck. Ob sie keine Angst um ihren Mann gehabt habe. Ob ein Vater sich in Gefahr bringen dürfe. Wie viele Menschen gerettet worden seien und was diese Menschen heute machen. Jedes Kind kam solange an die Reihe, bis es auf seine Frage eine wirkliche Antwort bekommen hatte. Aber nicht nur die Kinder, alle Anwesenden, vom Bürgermeister über den Schulleiter bis zu Elternvertretern, hören Christel Neudeck gespannt und aufmerksam zu. Alle zusammen erschaffen eine wache, lichte Stunde. Der Ort in uns allen, von dem aus alles möglich wird, sprudelt in den Raum.

Wo jetzt der österliche Moment bleibe, wollen Sie wissen? Der kam nach der Pressekonferenz. So ungläubig wie ernsthaft, betrachteten zwei Schüler das Foto aus dem Kongo. „Und diese kleinen Kinder haben Menschen erschossen!“ Entschlossen wendet sich ein Schüler an Christel Neudeck, fragt: „Was kann ich tun?“

Ich stehe daneben und denke: Rupert Neudeck wird weiter leben.

Angela Krumpen

 

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