Schwierige Schulen in der DR Kongo
Kleine, große und unüberwindbare Herausforderungen im Süd-Kivu

23.08.2012Da lachen die Pakistanischen UN-Soldaten, als wir an den letzten Trägern einer Brücke über jemanden drüber klettern, dem ein Zementsack vom Kopf und dann in den reißenden Strom unter uns rutscht. So wie der arme Mann und wir versuchen heute tausende Menschen mit ihrem Hab und Gut an dieser Stelle über den Fluss zu kommen, meistens mit vielen großen Taschen voller Habseligkeiten, oft auch mit Wagenladungen voller Baumaterialien. Immer in Eile weil vor und hinter der gefährlichen Passage noch unzählige andere darauf warten, ihr Glück zu versuchen. Ein paar Meter Fluss abwärts warnen bereits mehrere feststeckende LKW davor sich mit dem Auto durchs Wasser zu trauen.

Wenn man weiß wir schwierig die Arbeitsbedingungen hier im Regenwald des Süd-Kivus manchmal sind, macht das unseren Baufortschritt noch viel erfreulicher. Nicht nur morsche und fehlende Brücken, sondern oft auch tiefe und kaum überwindbare Schlammlöcher vor denen man nicht selten weniger als mehrere Stunden warten muss, um dann selber darin steckenzubleiben, bereiten der Arbeit unserer Grünhelme im Kongo große Herausforderungen. Sie machen die Baustoffe schwer beschaffbar und teuer (bis zu 60 US-Dollar für einen Sack Zement), und auch jede Fahrt der Grünhelme zum Abenteuer. Eine Fahrt von der 150 km entfernten Provinzhauptstadt in unsere Projekte kann so schon mal zwei Tage Reisezeit, einige Reparaturen und viel Geduld einfordern. Dafür sehen sie wirklich sehr gut aus, unsere fast fertigen Grundschulen im Süd-Kivu.

Den Bauarbeiten der Goldgräberstadt Kamituga und dem abgelegenen Dorf Kitutu, hinter dem nur noch Motorradbreite Pfade tiefer in den Dschungel führen, fehlt jeweils nur noch ein Gebäude zur Fertigstellung. Die kongolesischen Bauarbeiter, die von den verschiedenen Fähigkeiten der Grünhelme (Handwerker, Ingenieure und Architekten) des vergangenen Jahres viel lernen konnten, machen hier eine sehr gute Arbeit. Und auch die Gemeinden, hauptsächlich vertreten durch Eltern der späteren Schüler, leisten immer noch einen guten Beitrag zu den Schulen, nämlich Materialien wie Kies und Sand und vor allem die Herstellung der Lehmsteine, aus denen alle Gebäude gemauert werden.

Neben den schwierigen Straßen machen uns andere Herausforderungen in Kivus Süden mehr zu schaffen und das Arbeiten in der Region zurzeit leider unmöglich. So wird es für uns Grünhelme immer schwieriger und kostspieliger überhaupt in den Kongo einzureisen, wo doch noch alle Mitarbeiter bis vor kurzem das früher Selbstverständliche, nämlich ein sog. Visa de Courtoisie (Gratisvisa) bekommen haben. Und auch plötzliche Steuerforderungen auf unsere Schulprojekte sind völlig unangebracht und können nicht von den Grünhelmen und Ihren Spendern bezahlt werden. Wo auf der Welt werden auf Geschenke der Spender Steuern erhoben?

Bis diese Forderungen nicht zurückgenommen werden und uns bei der Einreise wieder entgegengekommen wird, haben wir vorübergehend unsere Arbeiten eingestellt und alle hier arbeitenden deutschen Grünhelme zurück nach Deutschland geschickt. Wir wünschen den Menschen im Kongo und insbesondere denen im Süd-Kivu, dass uns von den Behörden keine Steine mehr in den Weg gelegt werden, damit wir auch nach den Eröffnungen in Kamituga und Kitutu (insgesamt unsere dritte und vierte Schule in der Region) mit der tollen, sinnvollen und ohnehin schon schwierigen Arbeit weitermachen können. Schulen ohne richtiges Dach über dem Kopf gibt es hier noch unzählige, die würden sich alle über unsere Unterstützung freuen.

 

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