Senegal: Schöne Erfolge und noch eine ganze Menge Arbeit – auch Corona wirkt sich aus

Senegal_KFZ-Werkstatt-202004-5Henrik Sauer ist seit einem Jahr unser Projektleiter im Senegal. Er hat sich dem Aufbau des Betriebs der Kfz-Ausbildungswerkstatt in Ziguinchor angenommen, die wir 2016/17 dort errichtet haben. Über seine Arbeit, kleinere und größere Erfolge sowie die künftigen Herausforderungen berichtet Henrik im folgenden Text. Und: Auch den Senegal hat Corona erfasst und hat Auswirkungen auf unsere Arbeit im Land.

„Die Zeit vergeht hier viel zu schnell!“ denke ich mir so oft, wenn wir mal wieder tagelang auf ein Ersatzteil warten, oder ein Termin mal wieder bis aufs Weitere verschoben werden musste, weil sich die Pläne eines wichtigen Menschen geändert haben.

Doch habe ich im Grunde genommen keinen Grund zur Klage: Die Zusammenarbeit mit den beiden senegalesischen KFZ-Meistern, die seit Mitte des letzten Jahres in unserer Werkstatt arbeiten, läuft sehr gut. Zusammen konnten wir unser „Atelier“ (eine schöne Bezeichnung im Französischen, strahlt Schaffenskraft und Kreativität aus) schon ganz gut in Ziguinchor etablieren.

Da immer mehr modernere Autos zur Reparatur gebracht werden, freuen wir uns, dass seit Anfang dieses Jahres ein junger Mechatroniker für drei Tage in der Woche unser Team vergrößert. Er übernimmt hauptsächlich die Computerdiagnostik der Kundenfahrzeuge und ist auch sonst eine kräftige Hilfe. Natürlich ist er ideal, um in Zukunft Kurse in Elektronik und Diagnostik zu übernehmen.

Die Vorbereitung der Ausbildung von Lehrlingen steht in diesem Jahr im Fokus unserer Arbeit hier. Es gibt seit Januar einen Plan der Regierung, wie grundsätzlich eine handwerkliche Ausbildung im Senegal aussehen sollte. Bis jetzt hatten Schulen und Betriebe sehr freie Hand in der Gestaltung ihrer Ausbildung. Erfahrungen mit diesen Empfehlungen der Regierung fehlen aber noch. So ist es notwendig, sehr eng mit all den verschiedenen Regierungsstellen zusammenzuarbeiten, die mit Schule, Betrieb und Ausbildung zu tun haben, um hoffentlich einen vernünftigen, konkreten und praktikablen Ausbildungsplan erarbeiten zu können. Und das braucht Zeit. Unser Vorhaben einer dualen Ausbildung wird zwar von allen Stellen begrüßt, ist jedoch trotzdem hier noch etwas Neues.  An technischen Schulen lernt(e) man/frau die Theorie, an Modellen ein gewisses praktisches Verständnis und macht dann einen Abschluss. Danach bemühte man sich um eine Stelle in einem Betrieb und lernte im Laufe der Zeit dann das praktische Handwerk. Wir werden Theorie und Praxis, mit „richtigem“ Kundenbetrieb und einer relativ guten Ausstattung an Werkzeugen und Maschinen, in unserer Werkstatt zusammen anbieten können. Allerdings muss die Werkstatt genügend Geld verdienen, um die Ausbildungskosten, vor allem für Lehrkräfte und Materialien, decken zu können.

Mittlerweile machen wir ganz direkte und praktische Erfahrung mit Ausbildung. Antoine, der die erste Stufe (CAP) der Automechaniker-Ausbildung an einer technischen Schule absolviert hat und auch seit Januar unser Team verstärkt, bekommt täglich von den Meistern die praktische Arbeit gezeigt und erklärt. Des Weiteren macht Louis, ein junger Mann, der schon beim Bau der Werkstatt mit den verschiedenen Teams der Grünhelme zusammengearbeitet hat, bei uns ein erweitertes Praktikum, was ihm mit Sicherheit eine gute Grundlage für eine Ausbildung gibt.

Zu unserer Freude bekamen wir Anfang März für zwei Monate Verstärkung aus Deutschland durch den sehr erfahrenen KFZ-Meister Jürgen Esser. Täglich konnte er vieles erklären und zeigen.

Doch auch Senegal musste alle Grenzen auf unbestimmte Zeit schließen, alle Flüge stoppen, weitgehende Ausgangs- und Reisebeschränkungen erlassen. Dadurch musste Jürgen schon nach zwei Wochen seine Zeit hier beenden und nur mit viel Mühen und Glück konnte er noch mit dem letzten Flug aus dem Senegal ausreisen.

Doch geht das Projekt, trotz aller Schwierigkeiten, weiter! Baulich konnten wir die Werkstatt noch etwas erweitern: Um ein Wärterhäuschen und ein weiterer Klassenraum, der speziell für Anschauungsmodelle und „Probiermotoren“ gedacht ist.

Jetzt sind unsere vorrangigen, doch nicht einfachen Aufgaben, auf der einen Seite die Werkstatt noch bekannter zu machen und den Kundenstamm auszubauen, auf der anderen Seite ein vernünftiges Ausbildungskonzepte zu konzipieren.

Ein besonderer Dank geht an den Maschinenhersteller Nussbaum aus Kehl, der mit der Spende der Hebebühnen und Diagnosegeräte den Aufbau der Werkstatt erst möglich gemacht hat. Auch die Maschinenfabrik Reifenhäuser aus Troisdorf hat mit der Spende sämtlicher Werkzeuge gehörigen Anteil.

 Das Team der Ausbildungswerkstatt Ziguinchor wünscht allen Interessierten, Unterstützern und Spendern der Grünhelme Projekte, überhaupt allen Menschen in Deutschland Gesundheit, Kraft und Geduld! „Njokobock!“, wie man hier in der Wolof-Sprache sagt: „Wir sind zusammen!“